Postcards from the Boys
Mit Postkarten von John Lennon, Paul McCartney und George Harrison
(pr/sl).
Jeder schreibt Postkarten aus dem Urlaub – sogar die berühmten „Beatles“.
In dem Bildband „Postcards from the Boys“ hat Ex-„Beatles”-Schlagzeuger
Ringo Starr 51 Postkarten veröffentlicht, die er von seinen Band-Kollegen
John Lennon, Paul McCartney und George Harrison im Laufe von über 30 Jahren
bekommen hat. Diese Karten wurden ihm aus den entlegensten Ecken der Welt zugeschickt:
aus Indien, von den Fidschi-Inseln, aus Australien, aber auch aus England selbst.
Dabei sind die Postkarten teils originell, aber auch kitschig, sexistisch und
lustig. Der Bildband selbst ist sehr schön gestaltet, auf dem Titelbild
findet sich eine Postkarte mit Wackel-Effekt, die einmal Ringo Starr zeigt und,
wenn man sie von der anderen Seite betrachtet, John Lennon, Paul McCartney und
George Harrison in früheren Jahren.
Auf jeder Doppelseite des Buches „Postcards from the Boys“ ist eine
Postkarte abgebildet, jeweils mit Vor- und Rückseite. So zeugen diese Karten
sowohl von den Orten, an denen die „Beatles“ sich aufgehalten haben,
als auch von der Beziehung der Bandmitglieder untereinander, über die viel
spekuliert worden ist. Im Vorwort von R.B. Elson ist zu lesen: „Entgegen
allen Vermutungen, Geschichten und Mutmaßungen blieben John, Paul, George
und Ringo eng miteinander verbunden, trotz der vielen Schwierigkeiten. Sie waren
und blieben Freunde, auch als sie nicht mehr die Beatles sein konnten.“
Jede abgedruckte Karte hat Ringo Starr in „Postcards from the Boys“
kommentiert. Dabei hat er seinen Assoziationen freien Lauf gelassen, so dass
sich seine Kommentare lesen, als hätte er sie so spontan ausgesprochen.
Zu einer Postkarte, die die Queen zu Pferde zeigt, schreibt er „Das
ist ihre Majestät die Königin. Ich fürchte, ich steh’ nicht
mehr so auf sie.“ Dabei verfolgt Ringo Starr bewusst die Intention,
nicht die bekannten Geschichten über die „Fab Four“ darzustellen,
sondern seine ganz persönlichen Erinnerungen. Alle anderen Informationen
– so Ringo Starr – könne man in den vielen „Beatles“-Büchern
nachlesen. Die Kommentare sind teils lustig, aber auch sarkastisch. Zu einer
Karte von John Lennon und Yoko Ono auf der „did you know we were the
youngest bores of the year?“ (Wusstest du, dass wir die jüngsten
Langweiler des Jahres waren?) zu lesen ist, kommentiert Ringo Starr: „...die
Karte ist auch ziemlich langweilig... Ach, und er kann meinen Namen auch immer
noch nicht richtig schreiben.“
In diesen Kommentaren finden sich aber auch Anekdoten über die verschiedenen
Mitglieder der „Beatles“. So erzählt Ringo Starr, dass John
Lennon eine Zeit lang der Urschrei-Therapie anhing und während der Aufnahmen
im Studio öfter anfing, wie wild zu schreien. Dabei richten sich diese
Kommentare allerdings hauptsächlich an richtige „Beatles“-Fans,
denn nur diese werden etwas mit den Andeutungen in den Texten anzufangen wissen.
Ringo Starr geht scheinbar davon aus, dass der Leser alles über die Geschichte
der „Beatles“ weiß und hält es nicht für nötig,
bestimmte Namen oder Ereignisse, die er erwähnt, näher zu erklären.
Neben den Kommentaren sprechen natürlich auch die Karten selbst. Da gibt
es Postkarten von nackten Bikinischönheiten, aber auch von Landschaften
und Menschen und vielem mehr. Natürlich sind die Texte der Absender ebenfalls
abgebildet. Dabei haben viele Karten nicht mal wirklich einen Text. Auf einer
Karte von Paul McCartney ist nur ein gezeichneter Teddybär zu sehen. Eine
andere, bei der Ringo Starr vermutet, dass sie ebenfalls von Paul McCartney
ist, hat den Text „Cointreau? Caridu Notfuff? Anyone? Apple?“,
wobei nicht einmal der Empfänger weiß, was das zu bedeuten hat. Auf
einer anderen Karte ist ein Bilderrätsel, das als Lösung „We
send all our love“ (Wir schicken dir unsere ganze Liebe) ergibt.
Insgesamt haben die Karten eher wenig Text, oft sind es nur ein paar Wörter.
Diese Wörter und Sätze – natürlich auf Englisch geschrieben
– sind allerdings im Buch meistens nicht übersetzt. Manchmal findet
man Übersetzungen in Ringo Starrs Kommentaren, aber zu den meisten Postkarten
gibt es gar keine Übersetzung, auch nicht zu den Sprüchen, die auf
den Vorderseiten der Postkarten zu lesen sind. Leider ist es häufig schwierig,
die Schriften der Absender zu lesen, so dass eine Abschrift der Texte wünschenswert
gewesen wäre. Die Kommentare von Ringo Starr selbst wurden von Jennifer
Alice Hirte ins Deutsche übertragen.
Allerdings stellen die Postkarten – auch aufgrund ihrer Gestaltung –
ein Stück Zeitgeschichte dar. Die Vorderseiten zeigen, wie sich die Postkartenkultur
im Laufe von 30 Jahren verändert hat. Außerdem verraten sie auch
etwas über den Lebensweg des Empfängers Ringo Starr, aufgrund der
vielen verschiedenen Adressen, an die sie geschickt wurden. So erfährt
man, wo Ringo Starr überall gelebt hat. Und „Postcards from the Boys“
dient einem guten Zweck: Sämtliche Erlöse spendet der Autor an „The
Lotus Foundation“ in London!
„Postcards from the Boys“ ist ein Bildband für ausgesprochene
„Beatles“-Fans, die mit den Anekdoten und Postkarten ihre Freude
haben werden und dadurch auch noch einige neue Details aus dem Leben der Stars
erfahren können!
Autorenportrait:
Ringo Starr, 1940 als Richard Starkey in Liverpool geboren, gilt als der beste
Rock ’n’ Roll-Drummer aller Zeiten. Ende der 50er Jahre begeisterte
er sich für den Skiffle und beginnt, Schlagzeug zu spielen. 1962 wird er
Drummer der „Beatles“, die er als Mitglied der „Rory Storm
And The Hurricanes“ 1960 in Hamburg kennen lernt. Bis zur offiziellen
Auflösung der „Beatles“ 1970 ist er der ruhige Pol der Band,
mit der Unterstützung der drei anderen entstehen zwei eigene Alben. Das
Album „Ringo“ (1974) vereint zum letzten Mal alle vier „Beatles“.
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