one love

Fotoband über die weltweite Liebe zum Fußballspiel

one love(sl). Zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 gibt es kaum einen Verlag, der nicht ein Fußballbuch auf den Markt geschmissen hat. Und wie so oft überwiegen neben ein paar lesenswerten Büchern die, die den schlechten Beigeschmack einer „Schwalbe“ haben. Erstrecht jene, die schnell zusammengewürfelte Fußballzitate – die meisten seit Jahren bekannt und abgedroschen – mit irgendwelchen Bildern oder Cartoons untermalt den Fußballfan zum Lesen animieren sollen. Dass es auch anders und mit weit mehr Niveau geht, zeigt der Knesebeck Verlag mit seinem kompakten Fotoband „one love“. Darin finden sich neben 400 Farbfotos von Levon Biss in brillanter Bildbandqualität eben nicht die verbalen Ausrutscher von Spielern und Trainern, sondern geistreiche Zitate aus der Welt des Fußballs, die man sonst kaum findet.

Schon Che Guevara wusste über Fußball „Es ist nicht einfach ein Spiel. Es ist eine Waffe der Revolution.“ Ferenc Puskas sinniert, dass sein Buch ein Liebesroman werden würde, wenn er über sein Leben als Fußballer schreiben müsste, oder man erfährt, dass Ronaldo immer, wenn er aus dem Haus ging, seine Mutter belog: „Ich sagte ihr, ich ginge zur Schule, doch in Wirklichkeit spielte ich Fußball auf der Straße.“ Bobby Robson räumt dem Fußball einen Stellenwert ein, den viele Fans teilen: „Ich bin mit dem Fußball verheiratet und habe eine Affäre mit meiner Frau.“ Mario van Ende meint, dass der ideale Schiedsrichter gute Augen und schlechte Ohren haben sollte, und Alfredo di Stefano stellt fest: „Ein Fußballspiel ohne Tore ist wie ein Nachmittag ohne Sonnenschein.

Natürlich fehlen auch in dieser Sammlung von 110 Zitaten, die Raf Willems und Levon Biss zusammengestellt haben, nicht ein paar lustige Anekdoten: Da sagte Garrincha, als er nach dem WM-Sieg 1962 gebeten wurde, etwas zu sagen, „Hallo Mikrofon!“. Berti Vogts meinte lakonisch, dass sein Mittelfeld nichts zu befürchten hat, weil die Kroaten ja nur nach allem treten, was sich auch bewegt. Und für alle, die nicht wissen wie man Abseits erklärt, ist Franz Beckenbauers Ausspruch vielleicht hilfreich: „Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.

Doch die Bilder, die Levon Biss rund um den Erdball gemacht hat, stehen im Mittelpunkt von „one love“. In 26 Länder ist der Fotograf gereist und hat neben gelungenen Schnappschüssen auch gekonnte Bildkompositionen eingefangen. „Ich traf sowohl auf erwachsene Männer, die wie kleine Knaben weinten, als auch auf behinderte Kinder, die ihrem Alter um Jahre voraus waren, wenn man sah, mit welcher Tapferkeit sie kämpften“, schreibt Levon Biss in seinem Vorwort. Und beim Betrachten seiner Fotos wird eines deutlich: Fußball versteht jeder, lebt jeder, egal in welchem Winkel der Welt. Da spielen junge Männer des Xingu-Stammes am nordöstlichen Amazonas in Brasilien vor ihren Strohhütten, und die Seniorinnen der Universität Thohoyandou in Südafrika kicken den Ball in ihren kunterbunten knöchellangen Kleidern. Arbeiter spielen in ihrer Pause in einem Kalksteinbruch in Uluwatu auf Bali und Kinder in den Gassen von Praca da Ribeira in Portugal.

Aber auch in den Stadien hat Levon Biss fotografiert und Bilder gemacht, die Fernsehkameras verborgen bleiben: Ein Fan, der schon Stunden zuvor im Stadion sitzt, ganz allein in den Stuhlreihen aus Plastik, Spieler der „Moroka Swallows“, die in der Kabine vor dem Spiel Zulu-Lieder singen und tanzen, Cheerleader in England, die auf ihren Einsatz warten, ein Vereinmaskottchen, das sich bei einem Spiel in Atlanta, USA, eine Pause gönnt oder das Militär, das in Shanghai vor einem Spiel Stellung bezieht.

Was den überaus gelungenen Bildband „one love“ auszeichnet, ist die Abwechslung zwischen leisem Witz und zauberhafter Poesie, die viele von Levon Biss’ Fotos ausstrahlen. Ob auf staubigen Sandplätzen in Südafrika barfuß gespielt wird, Spieler in Brasilien in der Kabine vor dem Spiel mit der Madonna im Arm beten oder europäische Fans in den Farben ihres Clubs mitfiebern – sie alle eint eine Liebe: die bedingungslose Liebe zum Fußball – „one love“.


Fotografenportrait:

Levon Biss hat am „Institute of Art and Design“ in Surrey, an der „Universidad Del Pais Basco“ und am „Kent Institute of Art and Design“ studiert.

one love

Levon Biss
one love
Knesebeck Verlag, München
ISBN 3-89660-298-5
Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2006, 382 Seiten, mit 400 Farbfotos, Hardcover gebunden, Querformat 24 x 16 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 19,95 (D) / € 20,60 (A) / sFr 36,10

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