Necrophobia
Die besten Horrorgeschichten der Welt
(jaf).
Kein Zweifel: Die Risiken und Nebenwirkungen dieses Hörbuches könnten
beachtlich sein. Und deshalb sollte sie auch ernst genommen werden, jene Warnung,
mit der das Hörbuch „Necrophobia – Die besten Horrorgeschichten
der Welt“ düster anhebt. „Abspielen auf eigene Gefahr“...
. Allesamt sind die sechs gelesenen Geschichten Ausfluss morbiden Phantasien:
Bizarr und grausam kommen sie daher, blicken in die Abgründe der menschlichen
Seele – und könnten so jene 137 Minuten Spielzeit zu einem schieren
Alptraum für zartere Gemüter machen. Oder einem hochkarätigen
Gänsehaut-Spaß für die Bungeespringer unter den wagemutigen
Horror-Fans bieten.
Wie schnell es gehen kann, den Hörer das Fürchten zu lehren, zeigt
Joe R. Lansdale: Keine vier Minuten Lesezeit braucht die Geschichte „Mein
toter Hund Bobby“, und doch: Hier schlummert das Entsetzen. Denn obwohl
Hund Bobby das Zeitliche gesegnet hat, hält seinen grausigen Besitzer das
nicht davon ab, Bobby in einem Sack durch die Gegend zu tragen und beizeiten
furchtbare kleine Kunststückchen mit ihm zu trainieren: „Wenn
ich jetzt will, dass er mit den Autos spielt“, berichtet Sprecher
David Nathan so perfide überzeugend in seiner Rolle als grausam kindlicher
Hundebesitzer, so eben, als wäre alles doch ganz normal, „muss
ich mich an den Rand der Interstate stellen und ihn mitsamt seinem Sack auf
die Fahrbahn werfen. Gerät er dann unter die Reifen und hüpft hoch,
muss ich mich mit dem Fuß auf ein Ende von ihm stellen, damit sich das
andere wieder mit Gedärmen füllt.“ Doch damit ist es nicht
getan: Denn dem Hörer wird schließlich nicht verschwiegen, dass auch
sein kleiner Bruder nicht mehr in einem einwandfreien Gesundheitszustand sei.
Auch die Schwester nicht. Und der Vater. Und die Mutter, die der Kleine „immer
einen Moment lang an[sieht]“, bevor er „Bobby zu ihr in
die Gefriertruhe“ legt... .
Wem das schon zu viel ist, der sei gewarnt. Denn „Necrophobia“ verspricht
noch weit Schlimmeres. Da ist zum Beispiel jene Geschichte eines weißen,
weichen Pelzmantels, den die elegante Janet einst von ihrer großen Liebe
Harold als Geschenk entgegennahm. Mit der makellosen Schönheit von Janet
und ihrem gediegenen Hermelin ist es jedoch vorbei, so hat es Autor Richard
Laymon bösartig ersonnen, als Tierschützer auf das in ihrem Mantel
verborgene Tierleid aufmerksam werden... .
Sozusagen „vorbei“ ist es auch mit Axel, der in Gustav Meyrinks
„Das Präparat“ in die Hände des persischen Anatoms Muhammed
Andreschenko geraten ist. Seine Freunde vermissen ihn, brechen schließlich
in das düster-alte Schloss des Scharlatans im alten Prag ein – und
suchen Axel. Plötzlich hören sie eine heisere, röchelnde Stimme,
die langsam abwärts zählt. Die beiden entdecken Axel – und verlieren
in Bruchteilen von Sekunden jegliche Farbe aus dem Gesicht. Denn Axel ist nicht
mehr der, den sie kannten. Vielmehr hat der alte Freund ihnen nunmehr quasi
sein Innerstes gezeigt... .
Nach Brian Lumleys Geschichte „In der letzten Reihe“ schließlich
sollte sich der geneigte Hörer künftig fragen, ob jenes Geturtel der
Liebespärchen in den hintersten Reihen des Kinos nicht vielleicht doch
etwas ganz, ganz anderes, blutigeres und grausameres ist als ein bisschen harmloses
Teenager-Geknutsche. Das literarische Meisterstück des Hörbuches dürfte
„Pickmans Modell“ von H.P. Lovekraft sein, dem hochkarätigen
Vertreter der amerikanischen Phantastischen Literatur und Meister des anspruchsvollen
Grauens. Mit „Pickmans Modell“ konstruiert Lovekraft ein subversives
Masterpiece, das sich gewandt hineinschlängelt in eine Zwischenwelt von
Kunst und Dämonie. Pickman ist „Künstler des Unheimlichen“,
ein Visionär, der jene zumeist verborgene und doch vorhandene Welt des
Schreckens und des Todes in seinen Werken, die Namen tragen wie „Leichenfresser
beim Fraße“, hinaufzubeschwören vermag. Pickmans kunstgeschichtliche
Vorgänger schufen die Wasserspeier von Notre Dame und dem Mont St. Michel,
seit Goya schließlich habe kein Maler – außer Pickman –
„vermocht, in ein Antlitz ein solches Ausmaß reinster Hölle
zu bannen.“ Der Erzähler der Geschichte schließlich will
zusammen mit Pickman dessen Inspiration ergründen – und folgt ihm
in seine Wirkstätte, eine heruntergekommenes Haus mit düsteren Kellergewölben
und zugemauerten Bodengängen, in einem schaurigen Stadtteil. Was der Berichterstatter
dort sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: „Dieser
widerliche Hexenmeister hatte mit seinen Farbpigmenten die Feuersbrünste
der Hölle zum Leben erweckt“, erzählt er und berichtet
von leichenartigen Hundewesen und dem Mythos vom „Wechselbalg“ –
gestohlenen Kindern, die bei diesen Wesen aufwachsen. Die Geschichte ist von
einer Plastizität und Anschaulichkeit, die das Fürchten lehrt. Wahrhaftig,
von diesem Kelleratelier Pickmans sollte man sich fernhalten. Schließlich
offenbart sich hier auch, was seiner perfiden, alptraumhaften Kunst in düsteren
Nächten Modell steht.
Die schlimmste Nachtmahr Necrophobias dürfte jedoch Graham Mastertons „Ein
gefundenes Fressen“ bereiten. Jene grauenhafte Anschaulichkeit, jenes
Schreien, Gurgeln und Stöhnen, die spritzende Strahlen rostroten Bluts
und jenes Bild jedoch, das David abgegeben hat, der in eine Futtermahlmaschine
gekommen ist und so „in einer zähflüssigen Masse aus Blut
und zerhackten Knochen“ stand, in der es „hin und wieder“
an der Oberfläche blubberte, dürfte sich auf alle Tage dem inneren
Auge einbrennen. Erst recht, wenn dies nicht der letzte Vorfall ist, den die
Schweinezüchter David und Malcom in ihrem Betrieb zu vermelden haben.
„Nekrophobia“ – das sind sechs einmalig ausgewählte,
unglaubliche Horror-Geschichten, die Nackenhaare sträuben und den Herzschlag
beschleunigen. Mal flüsternd und stöhnend, mal atemraubend schnell
und dann wieder wispernd abwartend, werden sie vorgelesen von den populären,
namhaften Synchronsprechern Joachim Kerzel, Lutz Riedel, Nana Spier und David
Nathan, die jenes grauenhafte Sammelsurium an Alpträumen so zu einem wirklich
bemerkenswerten Horror-Hörbuch geraten lassen, das seinen Namen verdient.
Die Nekrophobia, die Angst vor den Leichen, ist berechtigt. Deshalb sei gewarnt:
Für dieses Hörbuch braucht man starke Nerven. Wer die jedoch hat,
kommt auf seine Kosten – und zwar so grauenhaft gut wie selten!
Autorenportrait:
Brian Lumley wurde 1937 in England geboren. Seit er 1981 seine Militärkarriere
beendete, lebt er als freier Schrittsteller. Mittlerweile hat er etwa 5O Bücher
veröffentlicht.
Joe R. Lansdale, geboren 1951 in Texas, verdiente sich nach dem Besuch der Universität
in diversen Jobs als Farmhelfer, Zimmermann, Fabrikarbeiter sein Geld. Seit
1981 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben und hat sich in vielen
Genres versucht: Western, Fantasy, Abenteuerliteratur, Krimi, Horror und Thriller.
Jedes seiner Werke ist originell und unverwechselbar, und der einstige Geheimtipp
ist inzwischen ein renommierter Erfolgsautor geworden.
Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) hat nur etwa 55 Erzählungen geschrieben,
dennoch gilt er als unbestrittener Meister der modernen Horrorliteratur.
Gustav Meyrink (1868-1932) zählt zu den Klassikern der deutschsprachigen
Phantastik. Seine unheimlich-grotesk-esoterischen Werke blieben trotz vieler
Nachahmungsversuche unerreicht.
Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren. Erste kürzere Werke erschienen
zu Beginn der 1970er Jahre in Magazinen. Er schrieb etwa 50 Romane und sein
Ruf wuchs beständig, als er am Valentinstag, dem 14. Februar 2001, völlig
unerwartet an einem Herzanfall starb.
Graham Masterton wurde 1946 im britischen Edinburgh geboren. Zunächst verdiente
er seinen Lebensunterhalt als Journalist, seit 1970 lebt er als freiberuflicher
Schriftsteller. Er zählt zu den besten und interessantesten Autoren des
Genres.
Erzählerportrait:
Joachim Kerzel, 1941 in Oberschlesien geboren und aufgewachsen in Augsburg,
besuchte ab 1963 die Hochschule für Musik und Theater in Hannover und hatte
seine ersten großen Theaterrollen Ende der sechziger Jahre. Er hat sich
durch zahlreiche Bestseller-Lesungen einen Namen gemacht und war oder ist die
Stimme von Stars wie Robert Wagner, Alan Bates, Sir Anthony Hopkins, Robert
DeNiro, Harvey Keitel, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Dustin Hoffmann, Jean
Paul Belmondo und auch Bill Cosby.
Lutz Riedel ist die deutsche Stimme von Timothy Dalton. Der Berliner Schauspieler
hat u. a. Timothy Dalton („James Bond“) und Richard Hatch („Kampfstern
Galactica“) synchronisiert. Auch Richard Gere, Samuel L. Jackson und Christopher
Walken hat er schon gesprochen. Er ist auch als erfolgreicher Synchronautor
und -regisseur tätig.
Nana Spier, am 02.04.1971 geboren, ist Berlinerin und die Tochter von Wolfgang
Spier und Almut Eggert. Sie leiht Drew Barrymore ihre Stimme.
David Nathan ist Regisseur und gilt außerdem als einer der besten Synchronsprecher
Deutschlands.
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