Mitten ins Gesicht

Authentischer Roman um Liebe, Sex – und eine unheilbare Krankheit

(dsz). Stijn und Carmen sind ein Traumpaar. Sie sind jung, hübsch, erfolgreich, verdienen jede Menge Kohle, sind verheiratet und haben eine bezaubernde kleine Tochter. Aber Stijn reicht das alles nicht: Er geht fremd. Und zwar so oft er kann. Stijns Eskapaden stehen in keiner Relation zu seiner Ehe mit Carmen. Sie ist die große Liebe seines Lebens. Bis ihre Liebe, ihre Ehe und ihr Zusammenleben auf eine harte Probe gestellt werden: Carmen erkrankt an Brustkrebs. Eine Brust muss amputiert werden, sie quält sich durch verschiedene Chemo-Therapien, um am Ende, nach langem Kampf, doch zu erfahren, dass es aussichtslos ist. Carmen wird sterben und kann sich den Zeitpunkt ihres Todes sogar selbst aussuchen, da in Holland Sterbehilfe legal ist.

Während der ganzen Zeit steht Stijn felsenfest an ihrer Seite, pflegt sie, begleitet ihre Therapien und unterstützt sie, wo er nur kann. Die Liebe zu seiner Frau ist ihm tiefsten Herzens anzumerken – und trotzdem schafft er es nicht, das Fremdgehen sein zu lassen. Er dehnt es sogar noch aus und baut eine zweite Beziehung zu Roos auf, von der er nicht nur den nötigen Sex, sondern auch die gebrauchte Liebe, Wärme und Zuneigung bekommt, die er dann an Carmen weitergibt. „Fremdgehen bedeutet gar nichts. Es ist wie masturbieren, mit dem einzigen Unterschied, dass da zufällig ein Frauenkörper im Spiel ist. Ein Verhältnis ist eine andere Sache. Dann heißt es statt bumsen making love.

Der authentische Roman „Mitten ins Gesicht“ von Kluun ist eine mitreißende Geschichte, die keine Episode des Krebskampfes außen vor lässt. Carmens langsamer und intensiver Abschied von ihrem Leben, ihren Freunden, ihrem Mann und ihrer Tochter sowie ihr Leiden, alles beschrieben aus der Sicht ihres liebenden Ehemannes, nehmen den Leser mit und lassen ihn nicht mehr los. Stijns Seitensprünge und Affären erscheinen durch diese ehrliche Beschreibung in einem völlig anderen Licht: Sie werden verständlich und für Stijn selbst lebenserhaltend.

Der niederländische Autor Kluun hat mit seinem ersten Werk „Mitten ins Gesicht“ einen Meilenstein gelegt. Moderne Sprache, aus dem Niederländischen von Mary und Erik Alder-Sijmons übersetzt, und ständige Fußballvergleiche mit Erinnerungen an bestimmte Spielstände und Spielsituationen lockern die schwere Geschichte auf und lassen den Leser schmunzeln. Auch Kluuns Zitate und Anspielungen auf Lieder geben dem Buch einen pop-literatischen Anstrich: Jedes Kapitel ist mit einem bekannten Zitat aus Rock- oder Popsongs überschrieben und kleine Kästen mit Erläuterungen zu Örtlichkeiten und Personen bringen Abwechslung ins Schriftbild. Kluun streut so oft es geht Wramples ein – das Wort kommt von „written sample: ein Musik- oder Textfragment, das in einen geschriebenen Text eingeführt wird“.

Die Mischung aus Jugend, Eheleben, ernsthafter Krankheit und Tod macht „Mitten ins Gesicht“ zu einem ganz besonderen Buch, das wegen seines schwierigen Inhalts bestimmt nicht leicht zu lesen ist. Denn Carmens Tod lässt nicht nur Stijn trauern.

Autorenportrait:
Kluun, bürgerlich Raymond van de Klundert, geboren 1964, war mal Marketingmensch. Er arbeitete in großen Werbeagenturen, hatte eine eigene Firma. 2001 verlor er seine Frau, die nur 36 Jahre alt wurde. Er ging nach Australien, begann zu schreiben und traf mit seinem ersten Buch „Mitten ins Gesicht“ die Niederländer mitten ins Herz. Heute lebt er mit Freundin und Tochter in Amsterdam und arbeitet am nächsten Roman.

Mitten ins Gesicht

Kluun
Mitten ins Gesicht
Aus dem Niederländischen von Mary und Erik Alder-Sijmons
Scherz Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-502-10030-6
1. Auflage 2005, 364 Seiten, Broschur.
Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 26,80

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