Leuchttürme
Interessantes und Kurioses rund um den Leuchtturm
(mkb).
Heutzutage lotsen GPS und Radar den Seefahrer durch die gefährliche Brandung,
verhindern den Zusammenstoß mit Land, wenn das Auge durch Nacht, Nebel
und Sturm die Sicht verloren hat. Vor 200 Jahren haben Türme diese Aufgabe
übernommen, auf deren Spitze ein Feuer gelegt wurde: die Leuchttürme.
Autor Reinhard Scheiblich hat sich über die deutschen Küstenstriche
gearbeitet und mit seinem Bildband „Leuchttürme“ Historisches,
Kurioses und Interessantes über die dort positionierten Signaltürme
herausgefunden und mit zahlreichen Farbfotografien dokumentiert.
Im Laufe der Zeit hat man Leuchttürmen die Aufgabe des Grenzsteins übertragen,
hat die Küstenstriche überall dort mit ihnen besetzt, wo verirrten
und verwirrten Seefahrern geleuchtet werden, man sie vor der harten Konfrontation
mit Festland bewahren musste. Wann und wo genau jener Turm das erste Mal in
die See geleuchtet hat, ist nicht mit Sicherheit feststellbar. Eine Legende
jedoch besagt, dass im Jahre 332 v. Chr. auf der Insel Pharos ein Leuchtturm
errichtet, das Leuchten des Feuers mit einem Spiegel weit ins Meer geschleudert
worden ist, diese Konstruktion eines der vielen Weltwundern darstellt.
Seinen Siegeszug trat der Leuchtturm Anfang des 19ten Jahrhunderts an, füllte
nach und nach kritische Küstenstreifen, grenzte optisch das Land vom Meer
ab. Auf die Frage nun „was zuerst da war, das Huhn oder das Ei, lässt
sich umformuliert auch die Frage stellen, ob zuerst das Leuchtfeuer da war,
das nachts am Strand oder auf einer Klippe brannte, oder ein Bauwerk, das als
markante Tagesmarke diente und erst später zum Leuchtturm wurde.“
So hat jeder Leuchtturm seine Geschichte. Einmal setzte man einem herkömmlichen
Turmgebäude ein Licht auf, beförderte ihn damit feierlich zum Leuchtturm,
ein andermal tüfteln Architekten angestrengt über Form und Positionierung,
machten aus ihm ein architektonisches Wunderwerk, und einmal ist aus einem von
der Nordsee umspülten Turm eine Touristenattraktion geworden. Mit dem Leuchtturm
ist es wie mit dem Menschen: Jeder hat seinen ganz persönlichen Charakter,
geprägt vom ihn umfassenden Umfeld.
Kurioses um den Leuchtturm gibt es aus Sylt zu berichten, als in Hörnum
eine ungewöhnliche Räumlichkeit für die örtliche Schule
gefunden worden ist, wie der Lehrer zu berichten weiß: „Meine
Schule ist im Leuchtturm. Unten sind Maschinenräume und das Elektrizitätswerk,
und darüber liegt unser kleines Schulzimmer mit winzigen, runden Fensterlein,
durch die man weit über Meer und Insel sehen kann.“ Die Schule
ein Leuchtturmzimmer, die Schüler die Tochter des Leuchtturmwächters
und der Junge des Hotelwirtes, und so dient der Turm tags als Bildungsstätte
und nachts als Signalturm für den Seefahrer. Kurios auch der aus Stahlbeton
gebaute Flakstand auf Helgoland, der die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg
unversehrt überstanden hatte, „auch weitere Bombardierungen und
sogar den 1947 unternommenen Versuch, die Insel mit 6700 Tonnen Sprengstoff
gänzlich zu vernichten, überstand dieses Bauwerk, wenn auch stark
beschädigt.“ Man baute den Turm um, machte aus ihm ein leuchtendes
Beispiel der Unzerstörbarkeit, das fortan mit seinem Licht auch die See
Befahrenden vor der Zerstörung bewahren sollte.
„Leuchttürme“ hält Informatives für den Leser parat,
gleitet abschließend in eine mystische Ausstrahlung ab, die der Leuchtturm
zuweilen auf den Betrachter ausübt: „Dem Meer so nahe, der Ferne
ein Gruß, am Strand gebaut mit festem Fuß. Der hellste Stern in
jeder Nacht, dem Mann auf See den Weg gebracht. Der Gang zum Turm ist keine
Pflicht, weil sein Licht Hoffnung verspricht.“
Dieser Bildband beleuchtet den Signalturm im wahrsten Sinne des Wortes von allen
Seiten, hat den „flammenden Türmen der Nacht“ Persönlichkeit
geschenkt und das Auge des Lesers für seine Vielseitigkeit geschärft.
Ein wunderbares Werk zum Schmökern!
Autorenportrait:
Reinhard Scheiblich, geboren 1949, arbeitete zunächst als Werbe- und Industriefotograf,
später spezialisierte er sich auf Tierfotos und maritime Sujets: 1979 wurde
er in den USA als bester Tier- und Unterwasserfotograf ausgezeichnet, seit 1977
ist er als Wissenschaftsfotograf an der „Universität der Bundeswehr“
in Hamburg tätig und gilt als Spezialist für historische und maritime
Themen. Von ihm ist auch das „Leuchttürme
Lexikon“ erschienen.
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