Kunst in Schokolade – Chocolate Art

Schoko-Plastiken berühmter Künstler

Kunst in Schokolade – Chocolate Art(gjk). Der Form und dem Aussehen nach könnte es sich um eine feine, extravagante Pralinenschachtel handeln, auch das Gewicht spräche dafür. Hebt man den Buchdeckel voller Spannung und Neugierde an, eröffnet sich tatsächlich eine eigene Welt aus Schokolade, die zum genussvollen Eintauchen einlädt. Aber wider Erwarten sind die gezeigten Leckereien keine eleganten Pralinen, deren purer Anblick bereits hemmungslose Gaumenvorfreuden auslöst, vielmehr sind es überraschende, sehr realistische Formen – oftmals eher zartbitter als süß.

Verantwortlich für die erstaunlich naturgetreuen Schokoladenblockflöten, -unterschenkel, -schallplatten und sogar -embryos sind insgesamt 21 Künstlerinnen und Künstler, die sich auf die Anfrage des Museums Ludwig in Köln an diese ganz spezielle Zubereitung der dunkelbraunen Masse machten. In dem handlich kleinen Bildband „Kunst in Schokolade“ sind alle Kleinplastiken der kurzzeitigen Ausstellung dokumentiert und auf Fotografien von Christian Altengarten für die Nachwelt verewigt.

Namhafte Größen der zeitgenössischen Kunst ließen sich von dem Genussmittel Schokolade zu interessanten Kreationen inspirieren. Und so entstand beispielsweise eine Miniaturausgabe des Kölner Doms in Zartbitter – genannt „Edible Souvenir“ – von Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen. Oder John Millers „Re-cording“, eine schmackhafte Schallplatte, die mehr hält als ihr Aussehen verspricht: „In einem genügend kalten Raum könnte man diese Pressung vielleicht auf einem Plattenspieler abspielen.“ Auch die Künstlerinnen Ilya und Emilia Kabakov versuchten sich an der Modelliermasse Schokolade: Ihr Werk „The Set for the Chocolate“ ist eine verkehrte Welt, denn die vier Schokotassen auf passendem Schokoladentablett beinhalten cremig weißen Porzellantee.

In jedem Fall spricht diese „Kunst in Schokolade“ durch ihr alltägliches, allbekanntes und daher so besonderes Material alle Sinne des Betrachters an. Denn beim Anblick einer dieser Figuren hat man sogleich nicht nur den Geschmack und den Geruch von Schokolade, sondern auch ihr leichtes Gewicht und ihre zarte Konsistenz im Sinn. Doch mit ihren zugleich nachdenklich stimmenden, manches Mal verstörenden, aber auch humoristischen Werken frönen die Künstler nicht nur dem süßen Material, sondern in erster Linie dem Handwerk des „Schokoförmchenbaus“. Kein altes Gewerbe, denn die ersten Schokoformen wurden in Frankreich im Jahre 1820 hergestellt, damals noch aus Silber und Zinn. Im Zuge der Fließbandproduktion der praktischen Schokoladentafeln ist das Kunsthandwerk bereits zu einem äußerst seltenen Können geworden, das ebenso anspruchsvolle Raritäten anfertigt wie es selbst eine ist. Besonders interessant sind daher auch die wenigen Einblicke in die Werkstatt hinter den Kulissen, die uns auf Fotografien von Dick Lion zugänglich werden. Zur Mehrzahl aller Werke sind ebenfalls die Skizzen abgedruckt, in denen teilweise neben dem handwerklichen auch der kreative Entstehungsprozess einsehbar wird, aus denen diese einmalige „Kunst in Schokolade“ wurde.

Die begleitenden Texte von Julia Friedrich und Rolf Ricke kommentieren ausführlich die gezeigten Ausstellungsstücke und versuchen die zarte Verführung, welche die Schokolade auf die Künstler ausübte, im Ansatz nachzuempfinden: Die Welt aus Schokolade ist wie „ein Traum, der stets dahinzuschmelzen und sich grotesk zu entstellen droht.“ Andererseits steht Schokolade für „eine ästhetische, eine geschmackliche Situation, sie steht vielleicht auch für Energie.“ Alle Texte sind sowohl auf Deutsch als auch in einer englischen Version verschiedener Übersetzer zu lesen.

Im Anhang des Buches, herausgegeben von der Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig, findet sich eine übersichtliche Liste aller Schokoladenwerke mit näheren Informationen zur Größe und zu allen benutzten Materialien. Ausführlicheres zu den einzelnen Künstlern ist in den tabellarischen Lebensläufen nachzulesen.

„Kunst in Schokolade“ stößt seinen Leser durch die so einzigartige Idee erst einmal gehörig vor den Kopf, bevor es ihn dann langsam in den Bann einer Welt voller neuer Sinneseindrücke zieht. Deswegen wird dieser kleine, kuriose Bildband mit Sicherheit nicht nur Kunstliebhaber und Schokoladensüchtige faszinieren!

Kunst in Schokolade – Chocolate Art

Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig (Hrsg.)
Kunst in Schokolade – Chocolate Art
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit
ISBN 3-7757-1623-8
1. Auflage 2005, 144 Seiten, mit 42 farbigen und 24 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden, Format 13 x 19,2 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 19.- (D) / € k. A. (A) / sFr 32.-

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