Kochen mit Fernet-Branca

Komische Satire über zwei ungleiche Nachbarn in der Toskana

Kochen mit Fernet-Branca(asp). Absolute Ruhe verspricht der Makler dem Schriftsteller Gerald Samper, als er ihm das paradiesisch gelegene Häuschen in der Einsamkeit der Toskana verkauft. Die Nachbarin sei nur einen Monat im Jahr anwesend, heißt es, also – so gut wie nie. Doch kaum ist Gerald Samper in seiner neuen Heimat, der toskanischen Idylle, auf der Kuppe eines Berges angekommen, wird die ersehnte Ruhe und Einsamkeit auch schon gestört. „„Verzeihen, bitte. Bin ich Marta. Ist offen Ihre Tür, ja, und trete ich zu.“ (…) Das stämmige Frauenzimmer gibt sich mit vielen Entschuldigungen als meine Nachbarin aus, ist sehr der Meinung, daß wir Bekanntschaft schließen sollten, und hat, um das Eis zu brechen, eine Flasche Fernet-Branca mitgebracht.

Gerald Samper, englischer Ghostwriter für reiche B-Promis sowie leidenschaftlicher Koch ungewöhnlicher Speisen und Marta, die Komponistin für Filmmusik irgendwo aus den ehemaligen Sowjetrepubliken – zwei Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dass Gegensätze sich anziehen, widerlegt das ungleiche Paar radikal und will eigentlich nur eins voneinander: Ruhe. Doch anstatt sich konsequent aus dem Weg zu gehen und die toskanische Einsamkeit zu genießen, treffen sie irgendwie immer wieder aufeinander, wobei ihre Begegnungen von Mal zu Mal groteskere Formen annehmen. Als der berühmte Regisseur Piero Pacini dann auch noch beschließt, einige Szenen seines Films, für den Marta gerade die Musik schreibt, auf ihrem Grundstück zu drehen, erreicht die Handlung ihren Höhepunkt…

Der renommierte Schriftsteller James Hamilton-Paterson hat mit seinem Roman „Kochen mit Fernet-Branca“ eine rasend komische Satire geschrieben, in der so mancher und manches der modernen Medien- und Genussgesellschaft sein Fett wegbekommt. Eingestreute Kochrezepte wie „Knoblauch-Eis“ oder „geräucherte Katze“ – beides kräftig gewürzt mit dem obligatorischen Fernet-Branca – verulken den sich ausbreitenden Trend der Romane voller Kochtipps und auch die von Gerald so gehassten B-Promis, das Vereinigte Königreich oder die ausländischen Toskana-Experten und Verfechter südländischer Lebensart bleiben vor den satirischen Attacken des Briten nicht verschont. Zusätzlichen Reiz bekommt das aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring übersetzte Buch durch die wechselnde Erzählperspektive, die mal Geralds mal Martas Sicht ihrer vertrackten Beziehung in erfrischender Ich-Form zum Besten gibt.

Bei soviel Boshaftigkeit gepaart mit hochkarätiger Komik bleibt garantiert kein Leserauge trocken, und wer sich bei einem guten Buch, vielleicht mit einem Gläschen Fernet-Branca mal wieder so richtig amüsieren will, ist mit „Kochen mit Fernet-Branca“ bestens beraten!

Autorenportrait:
James Hamilton-Paterson, 1941 in London geboren, Oxfordabsolvent und Mitglied der „Royal Geographical Society“, renommierter Journalist, Sachbuchautor, Lyriker und Romancier, schreibt u.a. für die „Sunday Times“, das „Times Literary Supplement“, den „New Statesman“ und für die Schweizer „Weltwoche“. Er lebt als freier Schriftsteller in Italien und auf den Philippinen.

Kochen mit Fernet-Branca

James Hamilton-Paterson
Kochen mit Fernet-Branca
Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
ISBN 3-608-93760-9
1. Auflage 2005, 366 Seiten, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag.
Unverbindliche Preisangabe: € 22,50 (D) / € k. A. (A) / sFr 40,50

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