Jesus
Das postmoderne Jesus-Buch von Klaus Berger
(tos). Was kann ein moderner Mensch
von heute mit Jesus anfangen? Autor Klaus Berger will darauf in seinem neuen
Jesus-Buch Antworten geben. So ist das Buch in erster Linie nicht für Theologen
und andere Wissenschaftler geschrieben, sondern für alle, die sich fragen,
was dieser Jesus heute noch zu sagen hat. Dabei gerät Klaus Berger allerdings
nur selten in die Gefahr, oberflächlich zu argumentieren, sondern mutet
seinen Lesern auch schwierige Materien der Bibelexegese zu.
Der Heidelberger Theologe hat keine typische Jesus-Biographie geschrieben. Er
zeichnet nicht chronologisch Jesu Leben nach, sondern setzt thematische Schwerpunkte.
Dabei hat Klaus Berger immer den Menschen von heute im Blick. Was hat Jesus
ihm heute noch zu sagen? Klaus Berger versucht, so konkret wie möglich
zu werden, wenn er fragt, was Jesus zur Abtreibung, zur politischen Lage, zu
anderen Religionen sagen würde. Gestandenen Theologen mag es zu weit gehen,
dass der Autor Jesus Worte in den Mund legt. Aber gerade dass Klaus Berger sich
nicht mit theoretischen, abstrakten Antworten begnügt, macht sein Buch
mit dem schlichten Titel „Jesus“ so lesenswert und so lesbar.
Freilich hat sich Klaus Berger bei manchen Themen eine überraschende Zurückhaltung
auferlegt. So hat der sich selbst als Exil-Katholik bezeichnende Neutestamentler
der evangelisch-theologischen Fakultät an der Heidelberger Universität
keine Schwierigkeit damit, von einem „Zwangszölibat“
zu reden, um dann allerdings diese „Art Freiheitsberaubung“
der Priester spirituell zu verklären: „Sein Geheimnis ist der
verborgene Schatz, das Reich Gottes, für das er alles andere lässt,
auch seine Freiheit.“ Auch das ist Klaus Berger: katholisch, konservativ
und knorrig – katholisch in vielen seiner dogmatischen Ansichten, konservativ
in seiner Frontstellung gegen die liberale Theologie und knorrig in seiner Hochschätzung
apokrypher Texte wie dem Thomas-Evangelium, seiner Frühdatierung des Johannes-Evangeliums
und allem voran seinem Glauben an die Historizität der biblischen Berichte.
Klaus Berger wendet sich sowohl gegen diejenigen, die Jesus zu wenig Bedeutung
beimessen, die mit dem Korrekturstift durch die Bibel gehen und nichthistorische
Jesus-Worte wegstreichen, ebenso wie er sich gegen die Überfrachtung und
Vereinnahmung Jesu wendet. Nicht wir kritisieren den Text, der Text kritisiert
uns, sagt Klaus Berger und will den religiösen Reichtum der biblischen
Texte in seiner Verschiedenheit wirken lassen. Verstehen lassen sie sich nicht
mit dem Kopf allein, die Texte haben ihre Durchsetzungskraft vielmehr daher,
dass sie „die Liebesfähigkeit und Sehnsucht des menschlichen
Herzens anrühren“. Freilich genügt Klaus Berger Herz und
Gefühl nicht. Er geht von der historischen Wahrheit der Texte aus, zumindest
so lange, bis das Gegenteil bewiesen ist. Das gilt nicht nur für die Wunder
Jesu, über die im Neuen Testament berichtet wird, sondern ebenso für
Jesu Geburt. Denn dass es sich um eine jungfräuliche Geburt handelt, davon
lässt Klaus Berger nicht ab. In ihr sieht er die „größtmögliche
Berührung eines Menschen – Mariens – mit dem Geheimnis Gottes“,
woraus sich eben die physische Entstehung eines lebendigen Menschen ergeben
habe. Wie auch bei seinen Ausführungen zum Zölibat überstrapaziert
Klaus Berger hier das Geheimnis Gottes. Freilich ist es keine billige Ausflucht
des Autors, auf das Geheimnis Gottes zu verweisen. Der Heidelberger Theologe
ist vielmehr der Überzeugung, dass die biblischen Schriften nur mystisch
verstanden werden können, denn sie „wurden ausnahmslos in einem
mystischen Horizont verfasst“. Über die Mystik gewinnen die
biblischen Texte erst wieder an Bedeutung für den Menschen von heute. Die
mystische Dimension ist für Klaus Berger keine nachrangige. Sie stehe vielmehr
gleichrangig neben den exakten Wissenschaften. Damit umschifft er allerdings
keinesfalls die leidige Frage, ob sie denn tatsächlich so stattgefunden
haben, die Wunder damals. Hier führt Klaus Berger den Begriff der „mystischen
Faktizität“ ein, um gleichzeitig zu betonen, dass auch mystische
Fakten wirkliche Ereignisse sind. Im Nebeneinander verschiedener Wirklichkeiten
ist die Mystik „eine eigenständige Dimension der Wirklichkeit“
– in der Wunder geschehen, die in der Wirklichkeit wie sie die Naturwissenschaften
beschreibt, nicht möglich wären. Allerdings findet nach Klaus Berger
nur derjenige den Zugang zu den biblischen Texten, der sich auf die mystische
Dimension einlässt, denn nur hier können sie sich wieder entfalten
und den Menschen existenziell berühren.
Glauben heißt für Klaus Berger, „mit dem Unerhörten
auf Schritt und Tritt zu rechnen“. Die Bibel muss wieder befremdlich,
verstörend, sperrig werden, fordert er. In seinem Buch „Jesus“
hat er auf beeindruckende Art und Weise aufgezeigt, wie dies aussehen könnte.
Autorenportrait:
Klaus Berger, Prof. für neutestamentliche Theologie an der Evangelisch-Theologischen
Fakultät in Heidelberg, gilt international als einer der führenden
Neutestamentler. Der streitbare und wortmächtige Theologe sucht in einer
Fülle von Büchern und kontroversen Beiträgen immer wieder die
öffentliche Auseinandersetzung.
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