Halbe Portion

Wie ich lernte, die englische Küche zu lieben

Halbe Portion(dsz). „Vergessen Sie Salz und Pfeffer, Knoblauch und Zitronensaft. Nichts würzt unser Essen so wirkungsvoll wie eine kräftige Prise Nostalgie. Fragen Sie einen Menschen danach, was es in seiner Kindheit und Jugend zu essen gab, und er wird Sie mit (größtenteils) glücklichen Erinnerungen überschütten.

Essen ist seine Welt. Essen zubereiten und selbst essen – das Leben von Englands bekanntem Koch Nigel Slater dreht sich um Mahlzeiten und Gerichte. Das beweist auch sein Buch „Halbe Portion“, eine Sammlung kurzer Geschichten, die sich mit verschiedenen Speisen befassen. Dabei stehen allerdings nicht die Gerichte im Vordergrund, sondern die daran verbundenen Erinnerungen. „Heinz Sponge Pudding“, Käsetoast und „Burbon Biscuits“ sind dabei nur einige der Spezialitäten der größtenteils englischen Küche, durch die Nigel Slater sein Leben erzählt.

„Halbe Portion“ ist eine außergewöhnliche Art der Biografie. Nigel Slater teilt sein Leben in chronologischen Episoden auf, die sich beim Gedanken an ein bestimmtes Gericht wieder in Erinnerung rufen. Genau so, wie Erinnerungen eben sind: Sie tauchen durch einen bestimmten Geruch, einen Geschmack oder einen Anblick auf. Nigel Slater lässt dabei den Leser an seinen persönlichen Erinnerungen teilhaben: „Für einen achtjährigen Jungen muss Wackelpudding nur eine Bedingung erfüllen: Er muss ein schmatzendes Geräusch machen, wenn man den Löffel in seine orangegelben Tiefen versenkt. Eine Art Wackelpuddingfurz. Je lauter er schmatzt, umso besser ist er.

Es handelt sich bei diesen Betrachtungen allerdings nicht um das gemeinsame vorweihnachtliche Plätzchenbacken oder eine heiße Tasse dampfenden Kakaos. Es geht vielmehr um das Verhältnis zu den Eltern, den frühen Tod der Mutter – die keine gute Köchin war – und die böse Stiefmutter. Der Leser begleitet Nigel Slater dabei durch seine Kindheit, die Pubertät und seine Ausbildung als Koch. Dabei gibt er auch ungeschönte Einblicke in das Restaurant-Geschehen hinter den Kulissen, über die man herzlichen lachen kann, auf die man aber gleichzeitig als gelegentlicher Restaurantbesucher lieber verzichtet hätte.

Nigel Slaters Geschichten, aus dem Englischen von Karen Lauer übersetzt, werden begleitet von einem hübschen Layout: Auf jeder Seite befinden sich kleine Illustrationen von Claudia Sanna, die Schritt für Schritt die Herstellung einer Torte – von der Einkaufsliste bis zum fertigen Kuchenstück – in Daumenkino-Manier zeigen. Ein kleines „ABC der Speisen“ mit Erläuterungen zu Gerichten wie „Sheperd’s Pie“ oder Scones vervollständigt dieses Buch.

Nicht nur durch die witzigen, aber auch teilweise komplizierten Lebensabschnitte des Autors und Kochs berühren den Leser. Die Rückbesinnung an die eigene Kindheit und die individuellen Verbindungen zu den Gerichten werden geweckt, so dass jeder sich in Nigel Slaters Beschreibungen wieder finden kann. Wer selbst gerne isst und für wen Speisen ein wichtiger Bestandteil des Lebens sind, sollte „Halbe Portion“, im Original unter dem Titel „Toast. The Story of a Boy’s Hunger“ erschienen, auf jeden Fall lesen.

Egal ob Liebhaber oder Feind der englischen Küche – „Halbe Portion“ wird mit Sicherheit länderübergreifend ein voller Erfolg!

Autorenportrait:
Nigel Slater, mit Jamie Oliver der angesagteste Koch Großbritanniens, wurde durch seine vielfach ausgezeichneten Kochbücher „Appetite“, „Real Food“ und „Real Cooking“ der Star der englischen Küche. Seit zehn Jahren hat der Bestsellerautor eine Ess-Kolumne im Observer und produziert eine prämierte BBC-Kochserie. Er lebt in London.

Halbe Portion

Nigel Slater
Halbe Portion
Wie ich lernte, die englische Küche zu lieben
Mit Illustrationen von Claudia Sanna
Aus dem Englischen von Karen Lauer
Kabel by Piper Verlag, München
ISBN 3-8225-0661-3
1. Auflage 2005, 335 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Format 16 x 17 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 18,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 33,40

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