Franziska und die Elchbrüder

Von Brüdern und anderen Katastrophen

Franziska und die Elchbrüder(flk). Franziska hat es satt. Viel zu still ist es in ihrem Zimmer, und das liegt daran, dass dem Einzelkind aus Pija Lindenbaums Bilderbuch „Franziska und die Elchbrüder“ Geschwister fehlen, die für Trubel sorgen könnten. Daran kann auch Tim, der Nachbarsjunge, nichts ändern, mit dem sie sich eigentlich beim Rodeln vergnügen wollte. Stattdessen trifft sie vor ihrer Haustür auf drei gelangweilte Elchbrüder, die sie spontan zum Spielen in die Wohnung einlädt. Die eigentlich gute Idee endet aber bald im Desaster. Die netten Jungs aus dem Wald erweisen sich als unfähig mit Franziskas Spielzeug umzugehen. Beim Malen mit Buntstiften versagen sie ebenso kläglich wie beim Spiel mit Franziskas süßen Plastiktieren, die sich alsbald in sämtlichen Himmelsrichtungen verstreut wiederfinden. Spätestens aber, als die Jungs im Eifer des Spiels den Kleiderschrank unkonventionell aufräumen –sprich: auskippen – und auch noch das WC als Tränke missbrauchen, ist klar: Elche gehören in den Wald, nicht in Franziskas Zimmer. Auch die Besucher sehen das irgendwie ein und trollen sich schließlich nach einer Extrarunde Aufzugfahren. Franziska bleibt allein zurück – und findet das zum ersten Mal richtig klasse.

Das von Pija Lindenbaum verfasste und illustrierte Bilderbuch „Franziska und die Elchenbrüder“ weiß vor allem durch den Charme seiner Hauptperson, der kleinen Franziska, zu überzeugen. Sowohl große als auch kleine Leser können sich problemlos mit dem kleinen Wuschelkopf identifizieren, leiden mit ihr, als die Elchbrüder ihren Kleiderschrank plündern, um ihn in eine Höhle umzufunktionieren. Zum Totlachen auch die Mimik ihrer neuen haarigen Freunde, die sich in ihrer Wohnung aufführen wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Dass dieses Kinderbuch aber nicht nur zum Schreien komisch ist, sondern sich auch mit realen Problemen der kleinen Heldin auseinandersetzt, zeigt sich vor allem in der charakterlichen Entwicklung der Protagonistin: Im Verlaufe dieser kurzen Geschichte lernt Franziska viel über darüber, was es bedeutet, Geschwister zu bekommen, Leben und Spielzeug mit anderen teilen zu müssen.

„Franziska und die Elchenbrüder“ ist ein wirklich schönes Buch für Kinder ab vier Jahren, das sich durch seine Thematik, Geschwister und Alleinsein, auszeichnet. Zum überaus schönen Gesamteindruck trägt zudem die wirklich gelungene Übersetzung aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer bei, die sich durch eine kindgerechte Sprache, ohne jedoch platt zu wirken, auszeichnet. Ältere Leser werden sich an ihre Jugend mit einer ähnlich frechen und unkonventionellen Göre namens „Pippi Langstrumpf“ erinnert fühlen.

Wer Weiteres von Franziska lesen und sich noch mehr amüsieren möchte, dem seien die beiden Vorgänger-Bilderbücher „Franziska und die Wölfe“ und „Franziska und die dussligen Schafe“ wärmstens empfohlen.

Kinder werden „Franziska und die Elchbrüder“ lieben!

Autorenportrait:
Pija Lindenbaum wurde 1955 in Sundsvall, Nordschweden, geboren und studierte an der Kunstgewerbeschule in Stockholm. Seither hat sie sich als Autorin, Illustratorin und Designerin einen Namen gemacht. Sie veröffentlichte zahlreich Bilderbücher und erhielt dafür viele Auszeichnungen, darunter den August-Strindberg-Preis für das beste schwedische Kinder- und Jugendbuch des Jahres für „Franziska und die Wölfe“.

Franziska und die Elchbrüder

Pija Lindenbaum
Franziska und die Elchbrüder
Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
Moritz Verlag, Frankfurt am Main

ISBN 978-3-89565-158-8
2. Auflage, 40 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Hardcover gebunden, Format 22 x 26,6 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 13,80 (D) / € 14,20 (A) / sFr 24,90

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