Fit for Sex
So haben Sie wieder mehr Spaß im Bett
(sl).
Haben dicke Menschen keinen Spaß im Bett? Scheint so, wenn man Autorin
Anne Hooper glaubt. Denn schon in der Einleitung zu „Fit for Sex“
macht sie unverblümt klar, dass ihr Buch von sexueller Fitness handelt,
„mit dem unverhohlenen Schwerpunkt, den Körper in Form zu bringen“.
Rums! Damit dürften all jene, die nicht gerade mit Modellmaßen gesegnet
wurden, das Buch beleidigt in die Ecke werfen. Und nachdem man den Frust gleich
noch beim Ansehen der Fotos gesteigert hat, denn natürlich haben alle gezeigten
Paare nicht ein Gramm Fett an ihrem makellosen Body, ist schnell klar, dass
Anne Hooper sich vielleicht wünscht, den „durchschnittlichen“
Leser mit ihrem Ratgeber zu erreichen, ihr das aber wohl kaum gelingen wird,
mit derartiger Oberflächlichkeit und Vorurteilen.
Eingeteilt ist „Fit for Sex“ in vier große Abschnitte: Teil
eins „Ihr Liebesleben“, in dem Anne Hooper den Leser einem Sextest
unterzieht. Auch hier macht sich die überhebliche Autorin beim Leser nicht
weiter beliebt, wenn bei der Lösung steht: „(…) werden
Sie wohl oder übel einsehen müssen, dass Ihre Sex-Kenntnisse große
Lücken aufweisen, die Sie tunlichst füllen sollten.“ In
Teil zwei widmet sich die Autorin „Sexercises“. Hier werden Lektionen
vorgestellt, die „die sexuelle Beweglichkeit fördern und insgesamt
kräftigend wirken“. Anne Hooper scheint Sex eindeutig mit Sport
zu verwechseln, denn die gezeigten Übungen sollen die „sexuellen
Aktivitäten auf Aerobic-Niveau anheben.“ Deswegen wird leider
auch der Massageteil, der die Sinnlichkeit und Vertrautheit zwischen Paaren
fördern kann, auf zwei Seiten abgehandelt. Die Autorin setzt ihre Prioritäten
leider eindeutig woanders.
Teil drei widmet sich „Essen und Sex“. Doch wer hier an sinnliche
Genüsse und erotisches Schlemmen denkt, wird erneut von Anne Hooper in
die Grenzen verwiesen: „Schlanke und bewegliche Menschen haben weitaus
mehr Möglichkeiten, das sexuelle Zusammensein lustvoll auszukosten.“
Da vergeht dem Leser doch gleich der Appetit. Und der 28-Tage-Plan, der in Kapitel
vier den größten Teil des Buches „Fit for Sex“ einnimmt,
passt weiter zur Autorin, die einem übertriebenen Körperkult nacheifert.
Dass sie sich dabei widerspricht, wenn sie Brokkoli als „Störenfried“
bezeichnet, weil er Blähungen verursacht, dann aber an Tag 6 zum Mittagessen
empfiehlt „Als Beilage grünes Gemüse, so viel Sie möchten,
z.B. Brokkoli“ passt denn auch ins Bild dieses Buches, das allenfalls
für Leute geeignet ist, die Sex als Leistungssport ausüben möchten
und nicht die leidenschaftliche und bedingungslose Liebe zwischen zwei Menschen
erfahren wollen, bei der es völlig nebensächlich ist, wie viele Kilos
man wiegt oder wie fit man ist. Übrigens nicht der einzige Widerspruch
im Buch: Während bei den Grundsätzen zum 28-Tage-Plan zu lesen ist,
man solle keinen Zucker verwenden, rät Anne Hooper einige Seiten später
dazu, braunen Zucker über das Dessert aus Erdbeeren und Himbeeren zu streuen.
Solche Patzer können dann auch nicht an der Übersetzung aus dem Englischen
von Christian Kennerknecht stammen.
Lediglich die über 170 wirklich anregenden Farbfotos von verschiedenen
Paaren von Fotograf Russell Sadur machen „Fit for Sex“ zu einem
optischen Leckerbissen, und auch die Seitengestaltung ist durchaus gelungen.
Doch ist eine schöne Hülle ja nun mal nicht alles, auch wenn Anne
Hooper das zu denken scheint.
Im Anhang sind einige Rezepte lieblos zusammengestellt, wobei nicht zu jedem
Tagesmenü ein Rezept zu finden ist. Ein Register beschließt das Buch.
„Paare die fit sind, haben einfach besseren Sex“ –
die Anmaßungen der Autorin Anne Hooper sind derart unprofessionell, dass
man intelligenten Lesern von dem Buch „Fit for Sex“ nur abraten
kann!
Autorenportrait:
Anne Hooper ist seit vielen Jahren als Sexual- und Paartherapeutin tätig.
Die Bücher der ehemaligen Herausgeberin des „Penthouse Forum“
haben weltweit Millionenauflagen erreicht.
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