Extrem laut und unglaublich nah
Ein Roman über Suche und Verlust nach dem 11.9.2001
(mag).
Der neunjährige Oskar Schell hat ein sehr inniges Verhältnis zu seinem
Vater. Die beiden haben großen Spaß daran, eine Art Schnitzeljagd
zu veranstalten. Vater Thomas führt dabei seinen intelligenten Sohn durch
Anspielungen und versteckte Hinweise zur Lösung. – In seinem Roman
„Extrem laut und unglaublich nah“ erzählt der New Yorker Autor
Jonathan Safran Foer wie Oskars Leben sich mit einem Schlag ändert, als
sein Vater bei dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001
umkommt.
Schockiert und tief erschüttert durch den Tod des geliebten Vaters findet
Oskar in dessen Sachen eine blaue Vase, in der sich ein Briefumschlag befindet.
Auf dem Umschlag, in dem ein Schlüssel liegt, steht das Wort „Black“.
Oskar ist sich sicher, dass es sich dabei wieder um ein Spiel von seinem Vater
handelt und macht sich nun auf die Suche nach dem Schloss zu diesem Schlüssel.
Er besucht nacheinander alle New Yorker, die mit Nachnamen Black heißen.
Bei diesen Besuchen lernt er die unterschiedlichsten Menschen kennen, unter
anderem Abby Black, die sich gerade von ihrem Mann trennt, Ada Black, die auf
der Liste der reichsten Menschen auf Platz 467 steht, und seinen Nachbarn Aron
Black sowie Ruth Black, die heimlich im Empire State Building lebt. Parallel
zu Oskars Erlebnissen erzählt Jonathan Safran Foer auf verschiedenen Zeitebenen
die Geschichte von dessen Großeltern, die traumatisiert durch den Bombenangriff
auf Dresden nach Amerika kommen, um hier ihr Glück zu finden, ihr Leben
lang aber nur auf der Suche danach bleiben.
Jonathan Safran Foer ist ein wunderbarer Erzähler, sein Roman „Extrem
laut und unglaublich nah“ enthält neben den Erlebnissen von Oskar
und seiner Familie zahlreiche weitere Geschichten, von Menschen, die auf der
Suche nach Verlorenem sind. Der Autor verbindet kleine Alltagsbegebenheiten,
ungewöhnliche Erlebnisse und Träume sowie Hirngespinste miteinander.
So wie der einsame Oskar auf der Suche nach dem passenden Schloss ist, um seinem
Vater nahe zu sein, geht es auch dem eigentlichen Besitzer des Schlüssels.
Die Geschichte um den etwas altklugen aber sehr sympathischen, traurigen Jungen
zieht den Leser sofort in seinen Bann.
Die eingewobenen Briefe des Großvaters und die Berichte der Großmutter
sind zunächst etwas verwirrend, fügen sich dann jedoch zu einer schlüssigen
Handlung zusammen. Die anrührende Geschichte ist nicht nur tieftraurig,
sondern auch sehr komisch. Ob Oskar am Ende das Schloss zu dem Schlüssel
findet, sei nicht verraten. Der Roman „Extrem laut und unglaublich nah“
wurde von Henning Ahrens sehr flüssig und gut lesbar aus dem Amerikanischen
übersetzt.
Oskar Schell bekommt die Fotokamera seines Großvaters geschenkt und macht
auf seiner Suche nach dem Schloss zahlreiche Fotografien von Menschen und Dingen,
die ihm auffallen. Eine Auswahl der Bilder ist in den Text eingebunden, sodass
die Odyssee des Jungen noch greifbarer wird. Darüber hinaus sind zahlreiche
Seiten typographisch interessant gestaltet: Auf einigen Seiten steht nur ein
Wort oder ein Satz, diese bilden das Notizbuch des Großvaters, der nicht
spricht, sondern nur schreibt, ab; auf anderen Seiten sind einzelne Worte rot
umkringelt, da Oskars Vater in den „New York Times“ die Fehler angestrichen
hat oder seinem Sohn so versteckte Hinweise gegeben hat. Zusammen mit den Bildern
und den ungewöhnlich gestalteten Seiten ist ein beeindruckender Roman entstanden,
der ein großes Lesevergnügen ist.
„Extrem laut und unglaublich nah“ ist ein sentimentaler New York-Roman,
der das Attentat vom 11. September 2001 geschickt mit einer Geschichte, über
das Finden und Verlieren verbindet!
Autorenportrait:
Jonathan Safran Foer, geboren 1977, studierte in Princeton Philosophie. Er lebt
und arbeitet in New York. Sein erster Roman „Alles ist erleuchtet“
machte ihn mit einem Schlag bekannt.
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