Ewiges Afrika

Eine Reise vom Kap der Guten Hoffnung nach Marokko

Ewiges Afrika(flk). Mosambik – ein Land an der Ostküste Afrikas, ein Land, dessen Ruf Europa höchstens dann erreicht, wenn wieder einmal Hungersnöte oder putschende Warlords das Bild des schwarzen, des verlorenen Kontinents in den Augen des Westens zu bestätigen scheinen. Mosambik – im goldenen Licht des Nachmittags zieht ein junger, muskulöser Fischer seine Netze an Land. Seine Füße stemmen sich in den feinen Sand, die Oberarme spannen, die rauen Hände umfassen das grobfasrige Seil. Ein Moment voller Kraft, Ausdruck und von solch einer Ästhetik, wie sie auch in den Filmen einer Leni Riefenstahl nicht eindrucksvoller zu finden wäre. Die doppelseitige Abbildung des jungen Mosambikaners im Bildband „Ewiges Afrika“ ist die eindrucksvolle Gegenthese zum Bild eines in Agonie und Selbstzerfleischung dahinsiechenden Kontinents. Dem international renommierten Autoren- und Fotografenpaar Peter und Beverly Pickford ist es zu verdanken, dass hier einmal das andere Afrika ein Gesicht erhält und eine Stimme bekommt. Das Afrika der ungezähmten Tuareg wie auch der stolzen Krieger vom Stamm der Massai sowie das der einfachen Leute aus den Städten und Dörfern zwischen Südafrika und Marokko.

In Südafrika beginnt sie, die einjährige Odyssee, die Peter und Beverly Pickford durch Länder führen wird, von denen der Leser meist kaum mehr als vielleicht den Namen der jeweiligen Hauptstadt kennen wird. Durch die ehemalige deutsche Kolonie Namibia geht die Reise unter anderem entlang der Ostküste durch Sambia und Malawi, durch die Urwälder Ugandas, von dort nach Äthiopien und schließlich über Ägypten nach Marokko. Die Abenteurer selbst sind beide gebürtige Afrikaner, sie sind sich den mannigfaltigen Gefahren bewusst, denen sie sich aussetzen, und die sie mehr als einmal während ihres Trips in die Bredouille bringen werden. Was aber treibt sie an, sich in Landstriche zu trauen, die sie nur unter dem Schutz militärischer Eskorten passieren können, da es hier von marodierenden Banden und Minen aus unzähligen Bürgerkriegen nur so wimmelt? Die eine Antwort auf diese berechtigte Frage findet sich im Vorwort des Buches, geschrieben vom Vizepräsidenten von Botswana persönlich: „Wer in Afrika geboren wurde oder hier seine Wurzeln hat, den hat sein Heimatkontinent wohl wie kein anderer mit einer tiefen Zuneigung versehen, ein leidenschaftliches und glücklich machendes Gefühl der Verbundenheit, das tief in der Seele brennt.

Die zweite Antwort erschließt sich dem Leser des überaus reich bebilderten Werkes bei der Betrachtung der zahllosen Fotografien. Ob in Schwarz-weiß oder in Farbe, grobkörnig wacklig oder scharf gestochen, ob als doppelseitige Großpanoramen oder in kleinen Porträtaufnahmen – selten zuvor wurde der schwarze Kontinent derart eindrucksvoll auf Fotopapier festgehalten wie im Bildband „Ewiges Afrika“. Allen Bildern gemein ist ihre sagenhafte Ästhetik, die die Fähigkeit der beiden Fotografen dokumentiert, den Auslöser genau im richtigen Moment zu betätigen. Nilpferdbullen, die sich im Schlamm bis aufs Blut bekämpfen, Zebraherden in wilder Flucht durch das spritzende Wasser, Frauen, die hoch auf ihren Köpfen kiloschwere Wassergefäße anmutig zu balancieren wissen oder die geschmeidige Pirsch großer Raubkatzen durch das flirrende Gras der Savanna – jedes Lebewesen, jeder Naturraum bekommt hier das Foto, das seinem Charakter am ehesten entspricht. Was aber wohl am meisten beeindruckt an diesen Fotos, ist die Unmittelbarkeit, die sie auf den Betrachter ausüben. Lachende Kindergesichter in den Dörfern der Sahelzonen, der ernste, fast stoische Blick einiger hier schon anachronistisch anmutender traditioneller Stammeskrieger in der für sie fremden Umgebung des Molochs Darassalam oder auch die großen, tiefen Augen der letzten Berggorillas in den Wäldern Ugandas – Gesichter prägen Menschen, sind der Schlüssel zu ihrer Seele und diese Seele Afrikas liegt hier wie ein offenes Buch. Man kann in ihr lesen und erliegt schnell dem mystischen Zauber, den dieser Kontinent auf seine Besucher ausübt.

Das in sieben Oberkapitel gemäß der durchreisten Regionen eingeteilte Buch „Ewiges Afrika“ wird zudem durch mehrere längere Textpassagen ergänzt, in denen die Autoren eine kurze Einführung zum jeweiligen Land, seiner Geschichte und seinen Bewohnern liefern und diese durch eigene Erfahrungen und Erlebnissen während ihrer Reise untermalen. Diese von Christian Hauert und Dr. Volker Bartsch aus dem Englischen übersetzten Passagen sind die passende Ergänzung zu den darauf folgenden Bildern. Hier schildern Peter und Beverly Pickford kleine Begebenheiten mit den Einheimischen, deren Bräuche und Sitten, aber auch die Probleme, auf die die beiden als weiße Touristen in ihrem Kontinent gestoßen waren. Denn ganz ausblenden lässt sich die mitunter triste Realität auch nicht auf einem scheinbar friedlichen Viehmarkt in Äthiopien. Bei einem Gerangel zwischen Jugendlichen und Bauern aus der Umgebung werden die beiden Zeugen, wie die einschreitende Staatsmacht mit brutaler Gewalt gegen ihre Bürger vorgeht. Es sind diese Momente, in denen die Autorin gesteht, Afrika zu hassen. Zu hassen, weil hier das vergossene Blut der Menschen schneller vergessen wird, als das eines Bullen, zu hassen, weil „Blut und Staub zum Lauf der Dinge“ dazugehörig betrachtet werden. Gleichzeitig aber kann sie auch nicht lassen von diesem Afrika, zu stark ist sein Bann, denn sie „(...) liebe es, weil man sich hier nicht feige und kriecherisch duckte, sich nicht enttäuschen ließ vom menschlichen Verhalten.

Der Bildband „Ewiges Afrika“ gleicht der Konfrontation mit unserem Unbewussten, der menschlichen Sehnsucht nach grenzenloser Weite, der Suche nach dem Ursprünglichen, dem Unverstellten!

Autorenportrait:
Peter und Beverly Pickford sind in Afrika geboren und aufgewachsen. Auf ausgedehnten Reisen haben die beiden in den letzten 25 Jahren das heutige Afrika kennen gelernt und vielfach in Wort und Bild dargestellt. Ihre Arbeiten sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem „Agfa Wildlife Photographer of the Year“ sowie dem „Kodak Black and White Photographer of the Year“. „Ewiges Afrika“ ist nach zahlreichen Veröffentlichungen u. a. über die Himba, den Fluss Okawango und die afrikanische Vogelwelt ihr achtes Buch.

Ewiges Afrika

Peter und Beverly Pickford
Ewiges Afrika
Eine Reise vom Kap der Guten Hoffnung nach Marokko
Mit Illustrationen von Heather Dittmar
Aus dem Englischen von Christiane Hauert und Dr. Volker Bartsch
Edition Delius im Delius Klasing Verlag, Bielefeld
ISBN 3-7688-1660-5
1. Auflage 2005, 300 Seiten, mit 135 farbigen und 212 s/w-Fotos sowie 16 Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 26,5 x 30 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 44.- (D) / € 45,30 (A) / sFr 76.-

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