Elben, Trolle, Hobgoblins
Die Geister von Mittelerde und andere Fabelwesen
(flk).
Elben – waren das nicht die Typen mit den spitzen Ohren, deren wohl knackigster
Vertreter in der „Herr der Ringe“-Trilogie die Fahne seines Geschlechts
hochhalten durfte? Und Trolle? Ja, auch klar. Aber wer zum Henker sind eigentlich
Hobgoblins, oder, um am Ball zu bleiben, Nachtmahre, Kallikantzari oder gar
Barabao? Fragen über Fragen, die aber im Verlauf der kurzweiligen Lektüre
von „Elbe, Trolle, Hobgoblins“ beantwortet werden. Autorin Nancy
Arrowsmith hatte sich vorgenommen, ein Nachschlagewerk über die Welt der
Naturgeister zu erstellen – eine geradezu herkuleske Aufgabe, die sie
jedoch mit Bravour gemeistert hat. Das von Michael Korth aus dem Amerikanischen
übersetzte Buch gleicht einem Gang durch Europas Märchen- und Sagengeschichte;
was in Jahrhunderten in den Märchenstunden des alten Kontinents von Generation
zu Generation in mündlicher Form weitergetragen wurde, fand nun Eingang
in „Elbe, Trolle, Hobgoblins“.
So sind es italienische Waldgeister, so genannte Foletti, die in den langen
Winternächten einsamen Bauernmädchen so lange Schmonzetten von ihren
in der Fremde weilenden Liebsten einflüstern, bis diese vor Sehnsucht vergehen.
Nicht zu unterschätzen sind auch die in Osteuropa beheimateten Banniki:
Nach Anbruch der Dunkelheit pflegen sie die Badehäuser für ausgelassene
Wasserorgien zu okkupieren – wer dabei stört, dem ergeht es schlecht.
Wehe schließlich auch dem Venezianischen Fräulein, das einem Barabao
begegnet, heißt es doch von diesem lebenslustigen Gecken, dass er den
Damen in die Bluse krieche, um ihnen dann allerlei Obszönitäten zuzuflüstern.
Wiedergegeben werden diese und zahllose weitere Hintergrundinformationen in
Form einer kurzen Einleitung zur jeweiligen Spezies, allerlei Wissenswertem
zu Form, Erscheinungsbild und Verbreitung und ergänzt durch ebendiese Geschichten
aus dem Sagenschatzkästlein. Farbige Untermalung wurde „Elbe, Trolle,
Hobgoblins“ auch zuteil: Don-Olivier Matthies heißt der Mann, der
mit zahlreichen putzig verspielten Illustrationen all den Gnomen, Trollen und
Poltergeistern Leben eingehaucht hat. Ein ausführlicher Anhang mit Quellenverzeichnis,
Register und Bibliographie setzt schließlich einen schönen Schlusspunkt
unter dieses gar zauberhafte Werk, das vormals unter dem Titel „Das große
Buch der Naturgeister“ erschien.
Erinnern wir uns schlussendlich noch einmal an Nancy Arrowsmith Worte: „(...)
treibt es uns von Stadt zu Stadt, (...) lässt uns mehr und mehr den Sinn
für die Vielfalt der Natur verlieren. Die Fähigkeit, Elben mit Kinder-
oder Seheraugen wahrzunehmen, ist uns abhanden gekommen.“ –
Das Nachschlagewerk „Elbe, Trolle, Hobgoblins“ bietet auf gar wunderbarerweise
Gelegenheit, den Blick für das Zauberhafte um uns herum wieder ein wenig
zu schärfen!
Autorenportrait:
Nancy Arrowsmith, 1950 geboren, gründete die „Arche Noah“,
eine Organisation zur Erhaltung bedrohter Kulturpflanzen. Sie beschäftigt
sich mit Heilkunde und Akupunktur und schreibt an einem Kräuterbuch. Außerdem
studiert sie an der „Universiy of Arizona“ in Tuscon chinesische
Medizin.
Illustratorenportrait:
Don-Oliver Matthies, geboren 1968, lebt als Illustrator in Berlin. Der passionierte
Rollenspieler arbeitet zurzeit an einem großen Jugendbuchprojekt.
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