Ein Engländer in Paris
Mein Jahr mit den Franzosen
(dsz).
Paul West schlug die Warnungen seiner Freunde in den Wind und packte seine Taschen:
Ein Job in Paris wartet auf den Engländer, der besonders neugierig ist,
ob die berühmt-berüchtigten Dessous der französischen Frauen
wohl das halten, was sie versprechen. Paul West ist Mitte 20 und soll in Paris
eine Kette mit englischen Teesalons aufbauen. Doch schon bei dieser Arbeit und
seinen täglichen Aufgaben bemerkt er schnell, dass die die Franzosen und
die Briten in unterschiedlichen Welten leben. Die Vorstellungen von Teekultur,
Esskultur und Kultur in jedem Sinne überhaupt, unterscheiden sich doch
gewaltig. Paul West lässt sich aber auf die Gegensätze ein und beobachtet
amüsiert die „Andersartigkeit“ der Franzosen, verglichen mit
den Engländern. Dabei hat er nicht nur geschäftlich mit seinem Chef
einige Probleme, auch privat öffnen sich immer mehr Hinterhalte, die nicht
nur mit seinen hübschen Bar-Bekanntschaften zusammenhängen …
„Ein Engländer in Paris“ ist die witzige Beschreibung des Kulturcrashs,
der selbst bei aufgeklärten Mitteleuropäern auftreten kann, wenn sie
eine längere Zeit in anderen Ländern verbringen. Begrüßungsküsschen,
aufgesetzte Freundlichkeit und andere Definitionen von Freundschaft und Partnerschaft
können ahnungslose Immigranten schon in verzwickte Situationen bringen.
Oder auch die Probleme bei der Wohnungssuche, bei denen die Vorstellungen von
einem „romantischen Mansardenzimmer“ meilenweit von einander entfernt
sein können. „Ein anderes kleines Problem war, dass die Wohnung eine
„Hockez-vous“-Toilette hatte, also bloß ein Loch im Boden.
Das teilte man sich auf diesem Stockwerk mit den Bewohnern acht anderer romantischer
Mansarden. Einer davon war offensichtlich ein Blinder mit Durchfall. „Die
Concierge noch nisch saubermache eute“, meinte der Makler.“
Es macht großen Spaß, Autor Stephen Clarke bei seinen Erfahrungen
in Paris zu begleiten – und auch die den Franzosen eigene Aussprache der
Wörter zu lesen, wodurch man das Gefühl hat, den Protagonisten tatsächlich
zuhören zu können. Dabei hat auch Thomas Wollermann bei seiner Übersetzung
aus dem Englischen ganze Arbeit geleistet: Selbst die Feinheiten der französischen
Sprache werden in der deutschen Ausgabe passend aufgenommen. Wieder aufgegriffen
werden neben sprachlichen Unterschieden aber auch uralte Fehden zwischen Engländern
und Franzosen, die, besonders im Hinblick auf kulinarische Köstlichkeiten
wie Schnecken oder Fish and Chips, sich schon in ihren Grundlagen unterscheiden.
„Das grand magasin (Kaufhaus) in der Nähe von Élodies
Wohnung bot eine reiche Auswahl des raffiniertesten Küchenzubehörs
der westlichen Welt. Es gab spezielle Sets für mouclade, mit deren Hilfe
man Miesmuscheln auf der Spitze (ja, wirklich) aufstellten konnte, um sie trocken
nach kalifornischer Art zu kochen. Es gab Mini-Raclette-Sets, Grills mit kleinen
Pfännchen, in denen man dicke Scheiben Raclettekäse schmelzen ließ,
um ihn anschließend über Pellkartoffeln zu kippen, oder größere
Raclette-Sets, in denen man ganze Ecken eines Käselaibs auf einmal anschmolz,
die man dann mit einer Art Guillotine absäbelte. Kein Wunder, dass Frankreich
so großartige Ingenieure hervorbringt – man braucht ja einen Abschluss
in Industriedesign, nur um Abendessen zu kochen.“
Es ist die genaue Beobachtungsweise von Stephen Clarke, auf dessen eigenen Erfahrungen
die Geschichte in ihren Grundzügen besteht, die dieses Buch so witzig –
und auch so wahr – macht. Als Engländer nimmt er das Verhalten und
die Kultur der Franzosen, welche sich in einigen Bereichen extrem von dem der
Briten unterscheiden, so völlig anders wahr. Jeder, der schon einmal bei
einer französischen Familie zu Besuch war, kann seine Beobachtungen und
Beschreibungen nur schmunzelnd nachvollziehen. Dabei beschreibt Stephen Clarke
diese Eigenarten sehr liebevoll, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen,
ohne jedoch ins Lächerliche abzudriften. Das beweist auch die Tatsache,
dass er Frankreich und seine Hauptstadt nach einem Jahr so lieb gewonnen hat,
dass er sie nicht mehr verlassen möchte. Was gewiss nicht nur an den tollen
Dessous der französischen Frauen liegt ...
„Ein Engländer in Paris“ ist ein Lesespaß für jeden,
der sich mit den Franzosen und/oder den Briten verbunden fühlt. Wer die
Eigenarten dieser beiden Völker (die sich im Übrigen auch von den
unsrigen unterscheiden) kennt oder kennen lernen möchte, ist mit diesem
witzigen und unterhaltsamen Buch bestens beraten. Stephen Clarkes „Jahr
mit den Franzosen“ wird für den Leser zu einem Kurztrip, den er ganz
bestimmt nicht bereuen wird.
Autorenportrait:
Stephen Clarke, ein 45jähriger Engländer, schreibt alias Paul West
seine fast wahren Abenteuer als Marketing-Experte englischer Tee-Salons in Paris
auf und druckt das Buch mit dem Originaltitel „A Year in the Merde“
200mal für Freunde. Nach einer Lesung ist seine Parodie ein „must-have“
und in ganz Paris in aller Munde, inzwischen wurde der Überraschungsbesteller
in 17 Länder verkauft. Er lebt weiterhin in Paris – mit seiner französischen
Verlobten und deren beeindruckender Dessous-Kollektion. Nach
„Ein Engländer in Paris“ erscheint auf Deutsch die zu 64,3 Prozent
wahre Geschichte „Ich
bin ein Pariser“, die in England „Harry Potter“ vom ersten Platz
der Bestsellerliste verdrängte und in der er erzählt, was sein Alter
Ego sonst noch erlebt hat. Er ist außerdem
Autor von „Überleben
unter Franzosen“.
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