Dschungelkind
Das Leben einer deutschen Familie mit dem Naturvolk Fayu
(mkb).
Der Dschungel: tropische Wälder, Affen, Tiger, Löwen und Kriegsbemalung.
So oder so ähnlich stellt sich der Laie den Dschungel vor und wird von
Sabine Kuegler überrascht, die dem Dschungel ganz neue Formen verpasst.
Mit „Dschungelkind“ hat die Autorin ihre Geschichte aufgeschrieben
und damit gleich einen Bestseller geschafft.
Mit fünf Jahren zieht Sabine mit ihren Eltern, den Sprachwissenschaftlern
und Missionaren Kuegler, in den indonesischen Dschungel von West-Papua, dem
Westteil von Neuguinea, der zweitgrößten Insel der Welt, und lebt
die nächsten Jahre mit den „Wilden“, dem gerade eben entdeckten,
noch unberührten Stamm der Fayu. Die Zivilisation und ihren Komfort lässt
die Familie weit hinter sich und dringt tief in den Urwald ein, lebt zwischen
Kriegsbemalung und Pfeil und Bogen in einer wahrhaftig anderen Kultur, die sich
so ganz und gar nicht an europäischem Standart messen lässt. Das Essen
wird vom Bogen und aus dem Boden gezogen, anderes von den Bäumen gepflückt,
der kulturelle Bedarf am Lagerfeuer gedeckt. Die Schulpflicht findet zu Hause
bei Mama statt und das Leben bestreiten die Kinder barfuss auf feuchtem, tropischem
Dschungeluntergrund. Ab und zu landet dann ein Hubschrauber und versorgt die
Familie oder holt sie zur Erholung fort.
Die Kuegler-Kinder wachsen mit einem Urvolk auf, müssen beobachten, wie
Familienfehden ganze Stämme bedrohen, wie Frauen von den Ehemännern
für Banalitäten an- und abgeschossen werden und wie sich Krieger gegenüberstehen
und gegenseitig bekämpfen. Ein Alltag, den wir höchstens aus überspannten
Fernsehfilmen kennen, ein Alltag, der vollkommen fern der deutschen Realität
liegt.
Vom Bestseller in hoher Erwartungshaltung geblendet, erschrak ich ehrlich, als
ich das Hörbuch zum ersten Mal hörte. Die Autorin liest selbst: Monoton
langweilig stolpert Sabine Kuegler wie ein Kind durch die Sätze. Sie liest
aus Texten, die literarisch nicht eben anspruchsvoll sind, ein Spannungsbogen
gar nicht erst entstehen kann, viel eher eine kindliche Aneinanderreihung von
Ereignissen ist. Die Mama und der Papa sind immer und ohne Zweifel die Größten
und eine Art Widerwillen baute sich in mir auf, stellte ich mit fortschreitendem
Hörbuch den missionarischen Eifer ihrer Eltern fast trotzig in Frage, empfand
die Naivität der Autorin geradezu absurd.
Allerdings legte sich mein Widerwillen mit dem Zuhören, fand ich mich,
ohne es zu bemerken, plötzlich mitten im Dschungel und weit ab von moralischen
Wertvorstellungen und stand mit den Kuegler-Kindern plötzlich zwischen
den Welten: nicht Fayu, aber ebenso wenig Deutsch. Zwangsläufig ein Konflikt,
der spätestens im Erwachsenenleben aufkeimen musste, wenn sie mit ihren
Wurzeln konfrontiert würden. Bei Sabine Kuegler löste dieser Schock
einen Selbstmordversuch aus und ließ sie schließlich ihre Erfahrungen
im Dschungel schriftstellerisch verarbeiten.
Nicht umsonst erhält „Dschungelkind“ soviel Aufmerksamkeit,
denn Geschriebenes verleitet gleich mehrfach zum Grübeln: Einerseits ist
es der mitschwingende missionarische Unterton der Autorin und andrerseits die
im Kontrast auflodernde Dekadenz unserer Wegwerfgesellschaft, die glaubt, das
Fleisch komme aus der Tiefkühltruhe und das Gemüse von der Theke.
Das Hörbuch baut für den Hörer eine andere Welt auf und man sollte
die Zeit nehmen, sich gründlich damit auseinander zu setzen: Es lohnt sich!
Autorenportrait:
Sabine Kuegler, geboren 1972 in Nepal, zieht im Alter von fünf Jahren mit
ihren Eltern, deutschen Sprachwissenschaftlern und Missionaren, in den Dschungel
von West Papua. Mit ihren beiden Geschwistern verlebt sie Kindheit und Jugend
fernab unserer Zivilisation. Mit 17 Jahren kehrt sie nach Europa zurück.
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Sabine Kuegler
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Sabine Kuegler
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Sabine Kuegler Dschungelkind Knaur Taschenbuch Verlag, München ISBN 3-426-77873-4 1. Auflage 2006, 352 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, Taschenbuch. Unverbindliche Preisangabe: € 8,95 (D) / € 9,20 (A) / sFr 16,50 Buch bestellen. |
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