Die Frau des Leuchtturmwärters
Mitreißende Ereignisse auf einer einsamen Insel
(bag).
Autorin Joanna Murray-Smith zeichnet in ihrem Roman „Die Frau des Leuchtturmwärters“
mit Iris und Noah ein Leuchtturmwärterehepaar, das so eigen, einzigartig
wie die Insel ist, auf der sie leben.
Iris kommt als Botanikerin auf die einsame, den Naturgewalten ausgesetzte Insel,
um nach einer seltenen Orchidee zu suchen. Sie bezieht Quartier bei Noah, dem
wortkargen Leuchtturmwärter. In der menschenleeren Umgebung kommen sie
sich näher. Noah bittet Iris seine Frau zu werden, sie willigt ein. Bald
weicht jegliches Empfinden füreinander gesprächslosem Alltag. Joanna
Murray-Smith lässt Iris die Rolle der unverstandenen Hausfrau spielen,
die sich mangels anderer Gesellschaft und Verpflichtungen in ihre Forschungen
und die Gartenarbeit stürzt. Nicht zuletzt um dem Schweigen ihres Mannes
zu entrinnen, gräbt Iris verstärkt nach Pflanzen und in der Vergangenheit
der Insel. Noah wiederum erledigt mit pedantischem Pflichtbewusstsein die Aufgaben
eines Leuchtturmwärters.
Die unter die Haut gehende Schilderung ihrer Charaktere, aus dem Englischen
von Bernd Seligmann übersetzt, berührt mitunter peinlich, wirft fast
voyeuristisch Schatten auf. Und so fragt man sich, warum die beiden, deren Wesen,
deren Wünsche und Bedürfnisse so unterschiedlich zu sein scheinen,
überhaupt ein Paar wurden. – Da strandet eines Nachts im Sturm ein
Boot zwischen den Felsen, der verletzte Seemann findet Aufnahme beim Leuchtturmwärterehepaar.
Einfühlend vermittelt die Autorin in „Die Frau des Leuchtturmwärters“,
wie verschütt gegangene Gefühle sich hitzig in Iris ausbreiten, Gefühle,
die von Joe, dem Seemann, erweckt wurden und erwidert werden. Diese Veränderungen
bleiben von Noah nicht unbemerkt. Jedoch, die Drei ist keine gute Zahl für
eine Insel… .
Joanna Murray-Smith’s Sprache zwingt dem Leser ihren eigenen Rhythmus
auf, anpackend, mitreißend wie das Meer. „Die Frau des Leuchtturmwärters“
ist ein Roman, der sich aus der Ebbe erhebt und in der Flut endet.
Autorenportrait:
Joanna Murray-Smith produziert nicht nur in Australien erfolgreich Theaterstücke.
1998 wurde ihr Stück „Honour“ auf dem Broadway mit Meryl Streep
aufgeführt. Ihr erster Roman „Truce“ erschien 1994. Sie schreibt
außerdem für das Fernsehen und beendete erst kürzlich die Arbeit
an einem Drehbuch für Hollywood. Für ihre Bühnenstücke und
Drehbücher erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den „Victorian
Premier’s Literary Award for Drama“.
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