Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte

Das Leben des Walther Bensemann – Ein biografischer Roman

Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte(hpe). Fußball ist der Sport des kleinen Mannes. Vor allem in Arbeiterkreisen des Ruhrgebietes findet man sie noch, die echten Fans, die der Abstieg oder die verpasste Meisterschaft des Lieblingsclubs in tiefe Depressionen stürzt. Kaum zu glauben, dass der Rasensport hierzulande zunächst in der Upper Class Fuß fasste. Daran hatte Walther Bensemann entscheidenden Anteil, wie Autor Bernd-M. Beyer in seinem lesenswerten biografischen Roman „Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte“ schildert.

 

Walther Bensemann wächst Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz auf, besucht dort ein englisches Internat. Weltoffen und sprachbegabt wie er ist, erfährt er von einer neuen Modeerscheinung auf der Insel, dem Fußball. Bensemann ist infiziert und begibt sich auf eine Mission: Diesen faszinierenden Sport auch auf den Kontinent zu holen. Doch borniertes Standesdenken und nicht zuletzt politische Ressentiments gefährden den Erfolg.

 

Mit Einschüben zur „globalen“ Entwicklung zieht Autor Bernd-M. Beyer die Handlung zu Anfang immer wieder auf eine objektive Ebene. Das ist sinnvoll für die Orientierung. Spannender wird der auf Tatsachen basierende Roman jedoch ohne Zweifel, wenn er sich seiner Hauptfigur widmet. Bernd-M. Beyer zeichnet Walther Bensemann als mittelmäßig begabten Spieler und gebildeten Snob mit keineswegs ausschließlich positiven Eigenschaften, der keinem Streit aus dem Wege geht und ohne Kompromisse seine Ziele verfolgt. Zuerst noch selbst auf dem Platz aktiv, beschränkt sich Bensemann bald auf seine Rolle als Organisator und wird so zum vielleicht ersten deutschen Fußballfunktionär. Doch der rastlose Weltenbummler ist damit noch lange nicht am Ende seines Schaffens. Denn aus dem Nichts gründet Walther Bensemann den „Kicker“ – ja, genau die Zeitschrift, die auch heute noch Deutschlands wichtigste Informationsquelle in Sachen Fußball ist. Ein faszinierendes Lebenswerk also, das vor dem Aus steht, als die Nazis die Macht ergreifen und Bensemanns jüdische Herkunft zum Problem wird.

 

Bernd-M. Beyer gibt seiner Hauptfigur in dem biografischen Roman, der mit zahlreichen Schwarzweiß-Abbildungen ausgestattet ist, die Tiefe, die den Leser mit seinem Schicksal mitfühlen lässt, hebt sie aber nicht auf einen Schild, sondern zeigt stattdessen auch die negativen Seiten ihrer starrköpfigen Art. Diese Mischung macht „Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte“ zu einem interessanten Ausflug in die Geschichte des Spiels, aber mehr noch zur packenden Beschreibung eines rastlosen Lebens.

 

Autorenportrait:

Bernd-M. Beyer, Jahrgang 1950, studierte Politik, Volkswirtschaft und Publizistik. Er arbeitet als Verlagslektor mit dem Schwerpunkt Fußballgeschichte.

Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte

Bernd-M. Beyer

Der Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte

Das Leben des Walther Bensemann – Ein biografischer Roman

Verlag Die Werkstatt, Göttingen

ISBN 3-89533-408-1

1. Auflage, 542 Seiten, mit 36 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen.

Unverbindliche Preisangabe: € 26,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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