Der Leuchtturmwärter
Vielschichtiger Roman über die Kunst des Erzählens
(alü).
Jeder Leuchtturm hat eine Geschichte. Eine Geschichte, die ein guter Leuchtturmwärter
zu erzählen vermag, als wäre es seine eigene. Pew ist ein solcher
Leuchtturmwärter. Er kennt tausende von Geschichten. So viele Geschichten,
dass ein Autor eigentlich mehrere Bücher damit füllen könnte.
Nicht so Jeanette Winterson. Der englischen Autorin sind die Geschichten um
Pew, den Leuchtturm am schottischen Cape Wrath und noch dazu die Lebensgeschichte
des Waisenmädchens Silver gerade genug Stoff, um damit die Seiten eines
einzigen Buches zu füllen. „Der Leuchtturmwärter“ ist ein verschlungener,
vielschichtiger Roman über das Leben.
„„Ich kann dir beibringen – ich könnte jedem beibringen – wofür die Instrumente gut sind, und das Licht wird wie immer alle vier Sekunden aufblitzen, aber ich muss dir beibringen, wie man das Licht instand hält. Weißt du, was das bedeutet?“ Ich wusste es nicht. „Die Geschichten. Du musst die Geschichten lernen. Diejenigen, die ich kenne, und diejenigen, die ich nicht kenne.“ „Wie soll ich denn die lernen, die du nicht kennst?“ „Indem du sie selbst erzählst.““ Ein bisschen Leuchtturmwärter-Unterricht, Tee kochen, mit dem Hund spazieren gehen und vor allem den unzählbaren spannenden Geschichten lauschen – das sind die Dinge, um die sich das Leben der jungen Silver dreht, seit der alte Pew sie bei sich im Leuchtturm aufgenommen hat.
Da sind zum Beispiel die Geschichten, die sich um Babel Dark ranken, einen geheimnisvollen Priester aus dem 19. Jahrhundert, dessen vertrackte Lebens- und Liebesgeschichte untrennbar mit dem Leuchtturm von Cape Wrath verbunden ist. Andere Geschichten berichten über dessen Verbindungen zu Robert Louis Stevenson, Sohn des Erbauers des Leuchtturms von Cape Wrath und Verfasser von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Oder die Episoden, in denen es Charles Darwin auf den Spuren seiner Forschungsarbeiten an den schottischen Küstenstrich verschlägt. Fasziniert taucht Silver in Pews unerschöpfliche Welt der Geschichten ein, die sie an aufregende Orte, zu interessanten Menschen und immer wieder in die Vergangenheit führt. Und langsam beginnt Silver, auch ihrer eigenen Vergangenheit nachzuspüren …
Jeanette Wintersons „Der Leuchtturmwärter“, von Monika Schmalz aus dem Englischen übersetzt, ist ein vielschichtiger Roman mit zahlreichen verschlungenen Handlungssträngen, überraschenden Dialogen und einem ungewöhnlichen Erzählstil, der den Leser immer wieder ein wenig verwirren und zum Nachdenken anregen will. Und gleichzeitig dazu, das nachzuempfinden, was in der langsam zur jungen Frau heranwachsenden Silver vorgeht. Einer Frau, die auf der Suche ist nach einem Zuhause, der Liebe und vor allem nach sich selbst. Einer Frau, die vor der schwierigen Aufgabe steht, die Geschichte ihres eigenen Lebens zu erzählen …
„Der Leuchtturmwärter“ ist ein außergewöhnlicher Roman über die Kraft der Liebe und die Kunst des Erzählens.
Autorenportrait:
Jeanette Winterson, 1954 in Lancashire geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Oxfordshire und London. Ihre Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Dass die Autorin sich nicht nur hervorragend auf das Schreiben von Erwachsenenliteratur versteht, sondern auch Kinder begeistern kann, bewies sie mit ihrem Bilderbuch „Der König von Capri“.
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