Der Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag
Herzzerreißender Roman um das Verschwinden eines Kindes
(dsz).
Harry ist Daniels großer Bruder. Die beiden leben ein ganz normales Leben
in einer ganz normalen Familie. Daniel will Feuermann werden und spielt gern
mit seinem unsichtbaren Freund Bang Bang. Harry macht sich gern über Daniel
lustig und neckt ihn des Öfteren. „Ich saß auf Daniels
Gesicht. Es war offensichtlich, was ich da machte. Ich tat so, als wäre
Mo nicht da, und ließ noch einen fahren. ‚Boah’ sagte Daniel.“
Bis auf einmal alles schief läuft: Daniel und Harry machen mit der Schule
einen Ausflug ins englische Legoland – doch auf dem Rückweg sitzt
Daniel nicht mehr im Bus. Es ist der Sonntag, an dem Daniel verloren ging.
Autorin Clare Sambrook lässt den neunjährigen Harry in „Der
Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag“ die Geschichte von seiner Familie
erzählen, aus dem Englischen von Anne Rademacher übersetzt. Es ist
furchtbar traurig, in die Gedankenwelt des Jungen einzutauchen, der sich Vorwürfe
macht, seinen kleinen Bruder verloren zu haben. Und mitzuerleben, wie er und
seine Eltern versuchen, ohne Daniel weiterzuleben.
„’Frohe Weihnachten, Mo!’ – ‚Oh, Harry, Weihnachten?’
So wie sie den Zeigefinger vor den Mund legte, machte sie keine Witze. ‚Wir
feiern doch Weihnachten, oder?’ fragte ich. Ihr Mund wurde ganz schmal,
wie manchmal kurz vor einem Abgabetermin, wenn wir sie nicht stören durften.
Ich versteckte die Brosche hinter meinem Rücken. ‚Ich dachte, wir
wollten dieses Jahr so tun, als wäre es ein ganz normaler Tag.’ (…)
Es war nicht RICHTIG. Man konnte sich auch am Riemen reißen, oder? Augen
zu und durch. Ich musste schließlich auch weiterleben, in die Schule gehen,
meine Arbeiten schreiben und so tun, als wäre alles normal. Warum konnte
Mo das nicht?“
Harrys Leben geht weiter, während das seiner Eltern stehen bleibt. Dabei
ist es herzzerreißend, wie er alle Verantwortung übernimmt; wie er
die Reaktionen seiner Eltern nicht verstehen und deuten kann und wie sich seine
Beziehung zu Freunden, und damit auch sein Leben, verändert. Der Leser
begleitet ihn durch seinen Alltag im Londoner Stadtteil Notting Hill, kann gelegentlich
über die Gedanken des Neunjährigen schmunzeln und mit ihm fühlen.
Gleichzeitig ist es sehr bewegend, wie Harry versucht, mit dem Verlust des geliebten
Bruders klarzukommen.
„Der Freitag nach dem Freitag nach dem Sonntag“ ist ein bewegendes
Buch aus dem Leben eines Neunjährigen. Es thematisiert den Verlust eines
Kindes, dessen Verbleib ungeklärt ist. Das aktuelle Thema wird in diesem
schönen Roman so gefühlvoll aufgenommen, wie es besser nicht geschehen
könnte. Clare Sambrooks Erstlingswerk ist jedem Leser nur wärmstens
zu empfehlen, denn es berührt mit Sicherheit jedes Herz!
Autorenportrait:
Clare Sambrook hat zwei Kinder, einen schwarzen Gürtel in Karate und arbeitet
als investigative Journalistin. Sie wurde 1964 geboren, hat in Cambridge studiert
und viele Jahre in Notting Hill gewohnt, wo auch ihr erster Roman spielt. Momentan
lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Cumbria und arbeitet an ihrem
zweiten Roman.
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