Das Geheimnis des Fahrradhändlers
Ein unvergessliches Leseerlebnis
(dsz).
Paul Tamburin ist Fahrradhändler im kleinen Städtchen Saint-Céron.
Er hat sich mit seinem Geschäft mittlerweile einen so guten Namen gemacht,
dass man in Saint-Céron nicht mehr Fahrrad fährt – sondern
Tamburin. Doch der Fahrradhändler hat, wie es der Titel schon sagt, ein
Geheimnis: Er kann gar nicht Fahrrad fahren. Jahrelang hat er geübt, ist
gefallen, ist gerollt und wieder gefallen – doch er hat es einfach nicht
erlernen können. „Als jedoch der Tag kam, an dem der junge Sportsmann
kühn auf Stützräder verzichtet, um sich den Freuden des autogenen
Gleichgewichts und der unbeschränkten Freiheit hinzugeben, da hatte Paul
Tamburin die größten Schwierigkeiten, jene mysteriösen Kräfte
miteinander in Einklang zu bringen, die da heißen: Schwerkraft, Zentrifugalkraft
und Kraft bewegter Massen.“ – Sein Geheimnis wusste er stets
gut zu hüten: Als Kind klebte er sich Pflaster auf die Beine um als Draufgänger
zu gelten und schob sein Fahrrad mit einem Platten durch die Stadt. So konnte
Paul Tamburin seine Lebenslüge aufrechterhalten. Bis er sich eines Tages
mit dem Fotografen Henri Feigenblatt anfreundet und Feigenblatt ein Foto von
Tamburin machen möchte: In voller Fahrt soll es den Abhang hinunter gehen...
Paul Tamburin lässt sich darauf ein, sturzbetrunken.
„Das Geheimnis des Fahrradhändlers“ ist eine weitere liebevolle
Geschichte von dem wunderbaren Zeichner und Autor Sempé, der nicht nur
Liebhaber vom „kleinen Nick“ mit seiner neune Erzählung zu
verzaubern weiß. Man kann einfach nicht genug bekommen von den wunderschönen
Erzählungen und Zeichnungen, die einen im Herz bewegen, mitfühlen
und verstehen lassen. „Das Geheimnis des Fahrradhändlers“ entführt
den Leser in die Welt einer französischen Kleinstadt, die sich überall
auf der Erde befinden könnte, und in das Herz von Paul Tamburin, der für
jeden Erdenbürger stehen könnte. Denn wer hat kein Geheimnis? Und
welche Schmach und welch ständig schlechtes Gewissen bedarf es, um diese
Geheimnisse zu hüten?
Die Menschlichkeit Sempés macht den Erfolg seiner Geschichten aus. Die
Liebe, mit der Text und Bild entstanden sind, und die Art, wie sie zueinander
passen, einander ergänzen und aufeinander eingehen – aus dieser großen
Kunst ist das wertvolle Büchlein Sempés entstanden. Auch die Übersetzung
aus dem Französischen von Patrick Süskind, einem guten Freund des
Autoren, ist ebenso gelungen, wie der Rest des Buches. Die Zeichnungen Sempés,
in denen der Betrachter sich von Mal zu Mal aufs Neue verlieren kann, bestechen
durch ihre Einfachheit und zartbunte Färbung – und der Fahrradhändler
Tamburin durch sein ach so menschliches Geheimnis.
„Das Geheimnis des Fahrradhändlers“ von Jean-Jacques Sempé
erfüllt alle Erwartungen an den französischen Meister des Zeichnens
und Geschichtenerzählens. Es ist ein wertvoller Schatz, der mit Sicherheit
nie wieder aus dem Gedächtnis seines Lesers gestrichen werden wird. Einfach
unvergesslich!
Autorenportrait:
Jean-Jacques Sempé, geboren am 17.8.1932 in Bordeaux, lebt in Paris.
Dem Zeichnen zuliebe gab er Traumberufe wie Jazzmusiker, Dirigent und Fußballspieler
auf. Die Karikaturen in „Paris Match“, „Punch“, „Marie-Claire“
und ab 1969 in „L’Express“ waren nur die ersten Schritte zum
Höhepunkt beim „New Yorker“, für den er ab 1978 arbeitete
und mehr als 50 Covers und zahlreiche Karikaturen zeichnete. Unumgänglich
ist es, zusammen mit Sempé Namen wie René Goscinny, Patrick Modiano
und Patrick Süskind zu erwähnen. Ohne sie wären Figuren wie „Der
kleine Nick“ und „Herr Sommer“ undenkbar.
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