Das Fernsehlexikon

Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur ZDF-Hitparade

Das Fernsehlexikon(hpe). Kaum eine Erfindung hat das Leben der Menschen so sehr verändert wie das Fernsehen. Der Griff zur Fernbedienung ist für viele längst zur allabendlichen Übung geworden. Und wer darin nicht erst seit gestern geübt ist, wird über die Jahre viele Sendungen gesehen haben. Ganz sicher aber nicht so viele, wie Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier in ihrem Schmöker „Das Fernsehlexikon“ verewigt haben. Schmöker ist hier genau das richtige Wort, denn wie in kaum einem anderen Nachschlagewerk kann man im „Fernsehlexikon“ immer wieder blättern und sich seine eigene Kindheit wieder ins Gedächtnis zurückbringen.

Jede Generation wird ihre Helden gehabt haben: Für die Jüngsten ist es vielleicht „Digimon“, die Älteren erinnern sich wohl eher an die Ponderosa-Ranch aus der Erstaustrahlung von „Bonanza“ in den 1960zigern. Die Hauptzielgruppe von „Das Fernsehlexikon“ dürfte jedoch altersmäßig irgendwo dazwischen liegen: Wer heute Anfang oder Ende 30 ist, also die Privatisierung des Fernsehens und die damit verbundene Vielfalt mit erlebt hat, der fühlt sich dem Medium oft besonders verbunden. Immer wieder kommen in Gesprächen Fragen auf wie etwa: „Wie hieß dieser komische vielfarbige Punkt bei „Spaß am Dienstag“ noch mal?“ oder „Welche Serie hat eigentlich die Tradition der weihnachtlichen Mehrteiler begründet?“ – Im „Fernsehlexikon“ steht es und noch viel mehr.

Über 7.000 Sendungen haben Stefan Niggemeier und Michael Reufsteck gesammelt und dabei längst nicht alle, die je über den Äther gingen, berücksichtigt. Sie haben sich nur auf die wichtigsten Programme beschränkt, erklären die Autoren in ihrer anfänglichen Bedienungsanleitung – eine schöne Idee, die dem Leser den Einstieg in die Datenwucht erleichtert. Alphabetisch geordnet sind die Einträge: Ausstrahlungsjahr(e), Sender und Inhalt folgen, bei manchen auch gestochen scharfe, teils schwarz-weiße Bilder. Dazu erhält man auch immer Informationen zu den Hintergründen wie Entstehung, Erfolg oder Misserfolg, die in ihrer Ausführlichkeit nur erahnen lassen, wie viel Zeit die beiden Autoren in das Projekt gesteckt haben müssen.

Und als wenn diese Informationsflut zu bändigen nicht schon Leistung genug wäre – die Texte zu den Serien sind manchmal auch noch richtig lustig: So wird „Timm Thaler“ – Sie wissen, der Junge, der sein Lächeln verkaufte und ganz nebenbei die jährliche Weihnachtsserie erfand – als „nicht besonders heller Bursche“ betitelt, „sonst hätte er gewusst, dass von Horst Frank gespielten Figuren nie zu trauen ist“. Dazu passt auch das charmante und gewohnt kenntnisreiche Vorwort von Fernsehjunkie Bastian Pastewka. Eine gute Mischung also!

Gut wie das gesamte „Fernsehlexikon“ von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier. Doch nun genug der vielen Worte. Der Rezensent muss noch ein wenig in seiner Vergangenheit schwelgen und sich an die guten alten Zeiten erinnern, als „Zini“, das Wuslon aus „Spaß am Dienstag“, über den Bildschirm wuselte ...

Autorenportrait:
Michael Reufsteck, geboren 1975 in Koblenz, liebt schönes Wetter, weil der an die Fenster prasselnde Regen sonst so beim Fernsehen stört. Der Rundfunkjournalist moderiert bei Deutschlands meistgehörtem Radiosender „SWR3“, arbeitet nebenbei als Off-Sprecher und schreibt Kolumnen für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.
Stefan Niggemeier, geboren 1969 in Osnabrück, leidet noch heute darunter, dass er als Kind ins Bett musste, bevor der „Große Preis“ zu Ende war. Der Diplom-Journalist verantwortet die Medienseite der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. 2003 wurde er mit dem „Deutschen Preis für Medienpublizistik“ ausgezeichnet.

Das Fernsehlexikon

Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier
Das Fernsehlexikon
Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur ZDF-Hitparade
Goldmann Verlag, München
ISBN 3-442-30124-6
1. Auflage, 1.512 Seiten, mit 450 meist farbigen Fotos, Hardcover gebunden, Format 17 x 24 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 49,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 85,50

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