Das Doppelleben des Vermeer
Die spannende Roman-Biografie des bekanntesten Kunstfälschers
(gjk).
Der Niederländer Van Meegeren ist ein hochbegabter Künstler mit einem
ausgeprägten Hang zum Perfektionismus. Umso größer ist seine
Liebe zu den alten Meistern, die seine eigenen Gemälde stark beeinflussen.
Dies lässt ihn aber in eine zwiespältige Situation geraten, denn am
Anfang des 20. Jahrhunderts wehen in der Kunst andere Winde: Von der naturalistischen
Darstellung wird Abstand genommen, Neues und Kühnes wird gewagt, die strenge
Komposition und Technik aufgelöst. Kein Wunder also, dass Van Meegeren
bei den zeitgenössischen Kritikern nicht auf großen Anklang stößt.
– Der Roman „Das Doppelleben des Vermeer“ von Autor Luigi
Guarnieri beschreibt Van Meegerens Seiltanz zwischen Ambition und Schmach.
Schließlich kommt dem gescheiterten Künstler eine sehr waghalsige,
aber Erfolg versprechende Idee: Als Maler hatte er bei den Kritikern offensichtlich
keine Chance mehr, zumal man sogar meinen könnte, dass diese es besonders
auf ihn abgesehen hätten. Aber als Fälscher blieben ihm durchaus noch
Chancen. Außerdem bedurften seine Finanzen dringend einer Aufbesserung;
und sein durch dieses anspruchsvolle Projekt angestachelter Ehrgeiz schrie auch
schon bald nach Genugtuung. Doch vor allem der folgende Grund motivierte ihn
besonders zum Malen eines „Originals“ aus dem 17. Jahrhundert: „…das
Wissen, daß die wichtigsten holländischen Sammler sich um seine Werke
rissen – die Werke eines Künstlers, der von den Kritikern niedergemacht
und über Jahre um die Möglichkeit gebracht worden war, auch nur in
der unbedeutendsten Galerie seines Landes auszustellen.“
So macht sich VM, wie Van Meegeren das gesamte Buch hindurch genannt wird, an
das Werk seines Lebens. Sein „Opfer“ ist der berühmte Maler
Vermeer van Delft, vor allem bekannt für seine „Dame mit dem Perlenohrring“,
„die Mona Lisa des Nordens.“ Mit viel Fachwissen über
die Zubereitung der Farben und ein ausgeklügeltes System, seine eigenen
„Vermeers“ schnell altern zu lassen, malt VM nach jahrelangen Vorbereitungen
und ausführlichen Studien des Meisters seine erste Fälschung. Wie
erwartet fallen die bekanntesten Kritiker und Kunsthistoriker prompt darauf
herein, und von nun an hat VM leichtes Spiel. Die Kunstliebhaber sind begierig
nach mehr Originalen des alten niederländischen Meisters – und VM
beliefert sie großzügig. Langsam beginnt er sich selbst in einen
„Vermeer“ zu verwandeln, in einen um Jahrhunderte zeitversetzten
Doppelgänger. Dabei entwirft Autor Luigi Guarnieri mit viel Gespür
für die künstlerischen Subtilitäten der beiden Männer ihre
detaillierten Profile und nähert sich so genau wie möglich ihren Lebensläufen
an. Diese sind insofern auch äußerst interessant, da sich auffallende
Parallelen rekonstruieren lassen.
„Das Doppelleben des Vermeer“ ist eine sehr gut recherchierte und
auf überzeugendem Fachwissen basierende Roman-Biografie nach wahren Ereignissen,
aus dem Italienischen von Maja Pflug übersetzt. An einigen Stellen vielleicht
sogar zu ausführlich, denn der Leser könnte sich in den vielen Namen
der zweit- oder gar drittrangigen Personen leicht verlieren. Nichtsdestotrotz
ist es ein sehr spannendes und lebendig erzähltes Buch, das ein überaus
detailliertes Bild über die gesellschaftlichen Umstände und zeitlichen
Kontexte liefert.
Leser mit einem besonderen Faible
zur Kunstgeschichte werden „Das Doppelleben des Vermeer“ lieben!
Autorenportrait:
Luigi Guarnieri, geboren 1962 in Catanzaro, lebt als freier Schriftsteller in
Rom. Er ist Autor zweier Bücher über Cesare Lombroso und Jospeh Conrad.
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