100000 Jahre Sex

Liebe und Erotik in der Geschichte

100000 Jahre Sex(law). Was prüde Paare schockieren wird: Freizügigen Sex gibt es nicht erst seit der sexuellen Revolution der 1960er und 70er Jahre. Praktiken, die uns heute als lüstern und verrucht verkauft werden, konnten unsere Vorfahren schon lange. Denn wie sonst hätten Adam und Eva ihre Nachkommen Kain und Abel zeugen können als mit paradiesischer Liebe im Freien? Und welchen Sinn hätten Keuschheitsgürtel gehabt ohne die dazugehörigen unkeuschen Mädchen? Sex gibt es, Sex gab es, und Sex wird es immer geben.

Den Beweis dafür treten 31 Historiker und Autoren in dem witzigen und lehrreichen Buch „100000 Jahre Sex – Liebe und Erotik in der Geschichte“ an. Die Herausgeber Vincent T. van Vilsteren und Rainer-Maria Weiss haben auf über 100 Seiten 35 Artikel zusammengestellt, in denen erotische Fundstücke von der Stein- bis zur Neuzeit unter provokanten, aber stets auch wissenschaftlichen Aspekten beleuchtet werden. Das Buch wurde aus dem Niederländischen, Englischen und Französischen von Martin Devens übersetzt und ist der Begleitband zu einer europaweiten Wanderausstellung, in der man die abgebildeten Objekte „leibhaftig“ bewundern darf.

Die Artikel sind chronologisch geordnet und sechs Kapiteln zugeteilt. Das literarische Lustspiel beginnt mit der „Sexuellen Bildersprache in der Kunst der Altsteinzeit“, streift die „Sexualität bei den Griechen“ und endet beim „Schmutz unter Victoria“ im Großbritannien des 19. Jahrhunderts. Fast alle Autoren sind Wissenschaftler aus den Niederlanden, forschen aber in ganz Europa nach den Ursprüngen von Liebe und Erotik. So fand man in Bulgarien das „Grab des goldenen Penis“, an den gekalkten Wänden der italienischen Stadt Pompeji gibt es unanständige Kritzeleien zu lesen, und in Baden-Württemberg wurde ein großer Kerzen-„Ständer“ gefunden, der seinem Namen alle Ehre macht. Diese Lustobjekte werden nicht nur auf mehr als 170 überwiegend farbigen Fotografien und Zeichnungen ansprechend präsentiert, sondern in den Texten auch ausführlich analysiert. Wer benutzte sie? Wann und zu welchem Zweck? Welche lüsternen Geschichten verbergen sich dahinter?

Manche Autoren beantworten diese Fragen leider zu wissenschaftlich nüchtern und trocken, die meisten finden aber immer wieder witzige und unterhaltsame Anekdoten, die zeigen, dass schon unsere Urahnen immer nur an das Eine dachten. Und wie unsere Geschichtsschreibung aus Scham alte römische Inschriften wie „Hic ego cum veni futui Deinde redei domi“ lange Zeit ignoriert hat. Dabei verbirgt sich dahinter nicht weniger als die kürzeste Zusammenfassung eines One-Night-Stands in der Literaturgeschichte: „Ich kam, bumste und ging danach nach Hause.

Die Abbildungen von Phallusamuletten, griechischen Vasen mit erotischen Motiven, römischen Lederbikinis und dem ältesten Kondom der Welt wird der heutige Leser zwar eher skurril als erregend finden. Wer auf eine heiße Fleischbeschau hofft, wird enttäuscht. Das Buch regt aber vor allem die Fantasie an – und zeigt auf sehr unterhaltsame Weise, dass Sex schon immer die natürlichste und schönste Sache der Welt gewesen ist. Erotik ist ein Grundbedürfnis des Menschen – und „100000 Jahre Sex“ ein historischer Höhepunkt für Ihr Bücherregal!

100000 Jahre Sex

Vincent T. van Vilsteren und Rainer-Maria Weiss (Hrsg.)
100000 Jahre Sex
Liebe und Erotik in der Geschichte
Aus dem Niederländischen, Englischen und Französischen von Martin Devens
Konrad Theiss Verlag, Stuttgart
ISBN 3-8062-1949-4
1. Auflage, 108 Seiten, mit über 170 meist farbigen Abbildungen, Hardcover gebunden, Querformat 24 x 22 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 22.- (D) / € k. A. (A) / sFr 38,60

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