Weinmacher in Württemberg

Eine Weinregion im Aufbruch

Weinmacher in Württemberg(mag). „Dieses Buch ist ein Buch über Menschen, die Wein machen – über Weinmacher. Sie wollte ich porträtieren – in Bild und Wort“, so beschreibt Fotograf Chris Meier mit einfachen Worten die Idee, die hinter seinem Buch „Weinmacher in Württemberg“ steht. Zusammen mit dem Topsommelier Bernd Kreis ist es ihm gelungen, ein wunderbares Portrait der besten und kreativsten Winzer und Winzerinnen aus Württemberg abzubilden.


In der kurzen Einleitung erläutert der Stuttgarter Sommelier Bernd Kreis leicht nachvollziehbar die Veränderungen der Weinregion Württemberg. Bisher bauten die Württemberger hauptsächlich die Rebsorte Trollinger für den enormen Eigenbedarf an. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre änderte sich jedoch das Trinkverhalten der Schwaben: Es ging nicht mehr nur um Quantität sondern vor allem um Qualität. Erleichtert durch den Generationswechsel bei den Weingärtnern fand eine Umorientierung der Winzer statt. Es wurde weniger Trollinger in verbesserter Qualität hergestellt und gleichzeitig wandte man sich neuen Weinsorten zu.
Das darauf folgende kurze Kapitel „Die Weinlandschaften Württembergs“ ist sehr informativ, liest sich jedoch etwas trocken. Dies ist aber der einzige Wermutstropfen des Buches, der sich schnell überspringen lässt.


Der opulente Bildband „Weinmacher in Württemberg“ stellt insgesamt 27 Winzer und Winzerinnen vor, die alle den Aufbruch des Anbaugebietes Württemberg mitgetragen haben. Diese junge Generation von dynamischen Winzern hat mit viel Enthusiasmus neue Wege beschritten und gehört zusammen mit den traditionellen Spitzenweingütern mittlerweile zu den Stars der deutschen Weinszene. Jedem Weinmacher ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Neben einem blattgroßen Schwarzweiß-Bild steht eine kurze Notiz zu dem Portraitierten. Auf den folgenden Seiten kommen dann die Winzer und Winzerinnen selbst zu Wort. Sie erzählen von der Geschichte ihrer Weingüter und von den manchmal recht verschlungenen Wegen, wie sie zum Weinmachen gekommen sind. Es wird deutlich, dass Weinanbau viel mit Tradition und Familie zu tun hat. Die Winzer geben Einblicke in ihre Arbeit, erläutern ihre unterschiedlichen Konzepte und Schwärmen von ihrer Leidenschaft, Weine herzustellen.


Die Portraits sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Der jüngste Winzer Bernhard Ellwanger, ein junger Mann mit gegeltem Strubbelhaar, berichtet von einer Neuseelandreise und den Erfahrungen, die er dort für den heimischen Hof gesammelt hat. Der traditionell gekleidete, freundlich lachende Albert Schwengler erzählt von dem Unverständnis seiner Nachbarn als er seinen Trollingerweinberg roden ließ. Es gibt in „Weinmacher in Württemberg“ kein Kapitel, das einer einzelnen Winzerin gewidmet ist, das Portrait des Ehepaares Nanna und Ulrich Eißler zeigt aber eindrucksvoll, dass auch Frauen kenntnisreich und mit Leidenschaft Wein anbauen. Durch die sehr persönlichen Berichte der Winzer erhält der Leser einen privaten Einblick in die Arbeits- und Denkweise der Winzer. Der Mensch hinter dem Wein wird erkennbar, was den besonderen Reiz des Buches ausmacht.


Der Band „Weinmacher in Württemberg“ enthält aber nicht nur vorzügliche Portraits und Texte, er fällt vor allem durch die üppige Ausgestaltung mit hochwertigen Fotografien von Chris Meier auf. Wie den Winzern merkt man auch dem Fotografen, der ebenfalls aus Stuttgart stammt, die Liebe zu den Weinen und der Region an. Chris Meier gelingt es in seinen mit viel Sympathie gemachten Bildern, die Menschen von ihrer interessantesten Seite zu zeigen. Das bebilderte Inhaltsverzeichnis zeigt auf einer Doppelseite, wie hervorragend es dem Fotografen gelungen ist, diese sehr unterschiedlichen Menschen zu portraitieren. Zusammen mit den Texten meint man, den Menschen gegenüber zu sitzen und gebannt zuzuhören. Chris Meier ist aber auch ein preisgekrönter Food-Fotograf und so überrascht es nicht, dass das Buch großzügig mit zahlreichen stimmungsvollen farbigen Bildern rund um das Thema Wein ausgestattet ist. Die Detailfotos, die ungewöhnlichen Perspektiven und die eingestreuten Schwarzweiß-Aufnahmen lassen den Leser beim Blättern immer wieder innehalten und in die Welt der Weinherstellung eintauchen.


Im Anhang des Buches „Weinmacher in Württemberg“ gibt es ein kenntnisreiches Kapitel über die „Rebsorten in Württemberg“, eine Karte von Württemberg, in die die vorgestellten Weingüter eingezeichnet sind und eine Adressenliste der Weinmacher. Ein Glossar rundet den Anhang ab.


Der prächtige Bild- und Textband „Weinmacher in Württemberg“ ist ein schönes und interessantes Buch, das neugierig auf die Winzer und ihre Weine macht sowie zu einer Weinreise in die Region einlädt!

Autorenportrait:

Bernd Kreis, Jahrgang 1963, wurde 1992 während seiner Tätigkeit in der Spitzengastronomie zu Europas bestem Sommelier gekürt. Der Stuttgarter schreibt für die führenden Weinmagazine Deutschlands, ist Autor diverser Bücher und regelmäßiger Kolumnist im „Stern“. Er betreibt in Stuttgart zwei Weinhandlungen.

Fotografenportrait:
Chris Meier, Jahrgang 1951, setzt als Food-Fotograf seit über 20 Jahren für Verlage und Agenturen Köstlichkeiten ins rechte Licht. Das Buch „Mythos Barolo“ des Stuttgarters wurde international als Europas bestes Weinbuch prämiert und erhielt die Goldmedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands.

Weinmacher in Württemberg

Bernd Kreis
Weinmacher in Württemberg
Eine Weinregion im Aufbruch
Mit Fotos von Chris Meier
Walter Hädecke Verlag, Weil der Stadt
ISBN 3-7750-0430-0
1. Auflage, 192 Seiten, mit ca. 300 meist farbigen Fotos, Leinen gebunden mit Schutzumschlag, Format 24 x 30 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 69.- (D) / € 71.- (A) / sFr 117.-

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