Venedig

Eine akustische Hommage an die Lagunenstadt

Venedig(flk). Nachdem Schauspieler Ulrich Tukur lange Jahre sein Leben in Hamburg verbracht hatte, zog es ihn im Jahre 2000 nach Venedig, die Stadt, die sich wie Hamburg über ihre Nähe und Affinität zum Wasser definiert. Das Hörbuch „Venedig“ ist ein akustischer Streifzug durch diese Stadt der Kanäle und Gondoliere. Ulrich Tukur redet mit Bewohnern des alten Arbeiterviertels Giudecca, mit Künstlern, Zugezogenen und Alteingesessenen. Er lässt Menschen zu Wort kommen, die die stetigen Veränderungen in der Stadt seit Jahren miterleben, denen bewusst ist, dass es das alte Venedig der Vergangenheit so nie wieder geben wird, aber auch solche, die den Wandel als nicht so gravierend empfinden wie der Galerist Pierre Higonnet: „Die Leute verändern sich nicht so schnell“, so sein Fazit.

Es sind vor allem die Gespräche mit den einfachen Leuten, die den Reiz des Hörbuches „Venedig“ ausmachen. Den Übersetzern Valerie Schneider und Wolfgang Stockmann gelingt es hier, den speziellen Charme der Venezianer ins Deutsche herüberzubringen. Ihr Leben, das seit Jahrzehnten vom Rhythmus der Stadt bestimmt wird, zieht vor dem inneren Auge des Hörers vorüber, man sieht die kleinen Lokale der Giudecca förmlich vor sich, in denen einst die Arbeiter und Handwerker Wein und Brot verzehrten.

Die CD „Venedig“ ist ein Streifzug durch alle Facetten dieser Stadt, so dass auch Architekten zu Worte kommen, die sich viel mit dem baulichen Erbe der Lagunenstadt beschäftigt haben. Diese Passagen verlangen vom Hörer Fachkenntnisse und historisches Wissen, um die teils komplizierten Hintergründe zu verstehen. Im Booklet fehlen solche Informationen leider völlig, es versöhnt jedoch mit schönen Schwarzweiß-Fotos einiger in dem Hörbuch vorkommender Venezianer, von Katharina John aufgenommen.

Von besonderem Reiz sind die Passagen, in denen Ulrich Tukur aus den Werken von Goethe, Ernest Hemingway und anderer Schriftsteller liest, die sich einst für einen Besuch in Venedig aufhielten. Ulrich Tukurs schön akzentuierte Stimme weiß den Hörer hier in seinen Bann zu ziehen, wenn die Nachkriegszeit, wie sie Hemingway in „Über den Fluss und in die Wälder“ beschrieb, wieder lebendig wird. Italienische Leichtigkeit mischt sich in die Gespräche mit den Einheimischen, im Hintergrund klingt eine Gitarre an. Man fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, in der Bohèmes aus allen Teilen der Welt Venedig in einen der mondänsten Orte verwandelten, die Partys des Engländers Geoffrey Humphries die Nabelschau der Stadt waren.

Das Hörbuch „Venedig“ ist eine akustische Hommage, sie vereint die unterschiedlichsten Teile der Stadt in sich und ist in ihrer Gesamtheit so auch ein Abbild des Lebens an den Kanälen in all seinen Facetten.

Autorenportrait:
Ulrich Tukur, mittlerweile international anerkannter Schauspieler, gehört zu den wenigen Menschen, die keinen Führerschein besitzen, weshalb er im Jahr 2000 seinen Wohnsitz nach Venedig verlegte, um mit seinem Motorboot (24 PS) führerscheinfreie Fahrt genießen zu können.

Venedig

Ulrich Tukur
Venedig
Mit Fotos von Katharina John
Aus dem Italienischen von Valerie Schneider und Wolfgang Stockmann
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
ISBN 3-455-30382-X
1 CD, Laufzeit ca. 80 Minuten, 16-seitiges Booklet mit 21 s/w-Fotos.
Unverbindliche Preisangabe: € 9,95 (D) / € 10,30 (A) / sFr 18,90

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