„Und das Schöne blüht nur im Gesang“

Friedrich Schiller und die Oper

„Und das Schöne blüht nur im Gesang“(flk). Friedrich Schiller bezeichnete sich einst in einem Brief als „vollkommenen Laien“ auf dem Gebiet der Musik, wozu auch passt, dass er nie ein Instrument spielen lernte. Dass seine Werke trotzdem zur Vorlage unzähliger Operninszenierungen wurden, mag man als Ironie der Geschichte abtun, verständlich ist es dennoch. Die Dramen und Balladen, die der so jung verstorbene Dichter schuf, handeln von genau den Themen, die die Oper braucht: Liebe und Verrat, Freiheit und Zwänge, Macht und Abhängigkeit. Große Gefühle mit einer dazu passenden Musik, die emotionalisiert, aufrüttelt und den Zuschauer mitreißt.

Das Hörbuch „Und das Schöne blüht nur im Gesang“ widmet sich dieser Wechselwirkung zwischen der Person Friedrich Schiller, seinen Werken und ihrer Umsetzung auf der Opernbühne. Die Sprecher Elke Heidenreich und Christian Schuller, Oberspielleiter der Kölner Oper, führen den Hörer kompetent durch den bunten Querschnitt aus 16 verschiedenen Stücken von „Kabale und Liebe“ bis „Don Carlos“. Sie machen so auch weniger belesene Hörer mit den Werken des großen deutschen Dichters bekannt und führen Opernmuffel in diese Art der musikalisch-künstlerischen Darstellung ein.

Was „Und das Schöne blüht nur im Gesang“ wirklich auszeichnet ist dabei vor allem das Hintergrundwissen, das die Sprecher vermitteln. So erfährt der Hörer beispielsweise viel von den persönlichen Umständen, die Friedrich Schiller beim Verfassen seines Erstlingswerkes „Die Räuber“ beeinflusst haben. Die Jugend des Dichters und die Flucht vor seinem tyrannischen Landesvater Carl Eugen finden sich hier ebenso wieder, wie seine ständige Kritik an bürgerlichen Unfreiheiten und Fürstenwillkür – Themen, die Giuseppe Verdi dankbar aufgriff und in seinen Werken weiterverwendete. Schließlich herrschten auch in dessen italienischer Heimat ähnliche politische Verhältnisse wie im zersplitterten Deutschland.

Es sind zahlreiche dieser kleinen Anekdoten und Geschichten, die den Dichter auch als Menschen darstellen und dem Hörer näher bringen. Zusätzlich zu zahlreichen Passagen, in denen Elke Heidenreich und Christian Schuller aus den Stücken vorlesen, nehmen die Musikausschnitte großen Raum im Hörbuch ein. Neben Chorstücken finden sich auf den zwei CDs auch Arien zum Teil bekannter Solisten wie Montserrat Caballé oder Placido Domingo. Die Musik stammt von verschiedensten Orchestern wie von der Wiener Philharmonie bis zum London Symphony Orchestra unter der Leitung von renommierten Dirigenten wie Lorin Maazel.

Wirklich nervig ist bei dem ansonsten sehr gelungenen Hörbuch das völlig missgestaltete Booklet: Dieses enthält zwar einige schöne Abbildungen von Operninszenierungen, dafür aber muss man die Inhaltsangabe als mangelhaft bezeichnen. Die Nummerierung im Booklet stimmt nicht mit der Reihenfolge auf den CDs überein, so dass die Suche nach bestimmten Textstellen oder Musikausschnitten schnell zu einer zeitaufwändigen und nervenaufreibenden Angelegenheit ausartet.

„Und das Schöne blüht nur im Gesang“ beeindruckt durch seine Vielfalt und Informationsfülle und ist damit das ideale Hörbuch für Kulturfreunde!

Sprecherportrait:
Elke Heidenreich gehört zu den populärsten deutschen Schriftstellerinnen, Kritikerinnen und Hörbuchsprecherinnen.
Christian Schuller ist Oberspielleiter der Oper Köln.

„Und das Schöne blüht nur im Gesang“

Christian Schuller und Elke Heidenreich
„Und das Schöne blüht nur im Gesang“
Friedrich Schiller und die Oper
Random House Audio Verlag, Köln
ISBN 3-89830-977-0
2 CDs, ca. 150 Minuten Laufzeit, 16-seitiges Booklet mit 5 farbigen und 3 s/w-Fotos.
Unverbindliche Preisangabe: € 19,50 (D) / € k. A. (A) / sFr 36.-

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