Stirb ewig
Thriller um einen lebendig vergrabenen Bräutigam
(sl). Michael Harrison ist beruflich
erfolgreich, vermögend und mit einer bildschönen Frau verlobt. Vier
Tage vor seiner Hochzeit steht der Junggesellenabschied an, für den sich
seine Freunde etwas ganz besonderes ausgedacht haben: Nach einigen Zwischenstops
in verschiedenen Pubs fahren sie mit dem alkoholisierten Bräutigam in ein
abgelegenes Waldstück, wo sie tags zuvor bereits eine Grube ausgehoben
haben. Sie werfen Michael in einen Sarg, legen ihm eine Flasche Whiskey und
ein Walkie-Talkie dazu und schrauben den Deckel zu. Als sie den Sarg in die
Grube gelassen haben – das Grundwasser, das sich dort bereits gesammelt
hat, stört die Betrunkenen nicht weiter –, schaufeln sie so viel
Erde ins Grab, dass der dünne Atemschlauch nur noch wenige Zentimeter aus
dem Deckel herausguckt. Dann machen sich Robbo, Josh, Pete und Luke aus dem
Staub und fahren wieder zurück in den Pub. Doch die vier Freunde kommen
dort nicht an: Sie verunglücken mit dem Auto auf dem Rückweg –
tödlich. Zurück bleiben eine verzweifelte Verlobte, ein Trauzeuge,
der wegen Nebels zu spät zur Feier kam und vorgibt von nichts zu wissen,
und ein geistig zurückgebliebener Junge, der das zweite Walkie-Talkie beim
Wrack des verunglückten Fahrzeugs findet und sonst nur mit seinen Phantasie-Freunden
und TV-Serienhelden redet…
Autor Peter James baut die Spannung seines Romans „Stirb ewig“ gekonnt
auf, lässt den Leser manches Mal in die falsche Richtung tappen. Aus verschiedenen
Erzählfäden webt er kunstvoll ein dichtes Netz zusammen, in dem sich
der Leser mehr und mehr verfängt. Doch spätestens nach der Hälfte,
als klar wird, dass Ashley Harper, die Verlobte des verschwundenen Bräutigams,
doch nicht die „Unschuld vom Lande“ ist, und Mark Warren, Geschäftspartner
und langjähriger Freund von Michael, doch nicht so unwissend ist wie er
tut, verliert der Roman zunehmend seinen Spannungsbogen. Daran kann auch der
überaus sympathische Chief Inspector Roy Grace nichts ändern, der
einem im Laufe der über 300 Seiten mit seiner klugen und zurückhaltenden
Art ans Herz wächst und der den Fall nur durch Zufall von einem Kollegen
übernommen hat.
Die „Zutaten“ des Thrillers geraten leider im Laufe des Buches etwas
zu heftig: Fast scheint es, als hätte Peter James „seine Suppe“
versalzen und versucht nun mit anderen Gewürzen den Geschmack zu korrigieren.
Mord und Totschlag, Betrug und Sex, Lügen und Verleumdung, Geldwäsche
und falsche Identitäten, Erpressung und Folter, wilde Verfolgungsjagden
sowie gleich mehrere übersinnliche Medien sind einfach zuviel des Guten.
Der Autor, der eine eigene Filmfirma besitzt, hat wohl in Gedanken schon den
Kinofilm zu seinem Roman „Stirb ewig“ produziert, denn die Handlung
wird zunehmend filmreif, büßt aber dadurch ihre bis dahin intelligente
und raffinierte Logik ein. Der Verlauf ist zu hektisch, das dramatische Ende
wirkt übertrieben – und leider bleibt beim Leser mehr als eine Frage
offen, was das zuvor detailliert beschriebene Privatleben von Ermittler Roy
Grace betrifft.
Gelungen sind Peter James aber die bildhaften Beschreibungen von Brighton und
Umgebung, durch die das Buch viel Lokalkolorit erhält, was den Liebhaber
Südenglands und speziell Sussexs erfreuen wird. Auch die Charaktere sind
fein gezeichnet, man sieht die Protagonisten stets buchstäblich vor sich.
Da hat der Verlag weniger Gespür bewiesen: Das Cover ist so hässlich,
dass das Buch, aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg übersetzt,
nicht gerade einladend auf den Leser wirkt – es hätte trotz der kleineren
„Mängel“ der Story wirklich besseres verdient.
Weniger ist manchmal mehr: „Stirb ewig“ garantiert spannende Unterhaltung
– auch wenn der Thriller im zweiten Teil arg ins Schlingern gerät!
Autorenportrait:
Peter James, geboren 1948, ist Schriftsteller und Filmproduzent, liebt schnelle
Autos und hat ein Faible für das Übersinnliche. Er hat lange Jahre
in den USA gelebt und war dort als Drehbuchautor und Filmproduzent tätig.
Mittlerweile leitet er seine eigene Filmproduktionsfirma in England. Er lebt
heute in Sussex und in London.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg