Schriftstücke
Autographen aus sieben Jahrhunderten aus der Sammlung von Pedro Corrêa do Lago
(pr).
Welches Buch vereint Elisabeth I. von England mit Lenin oder den französischen
Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry mit den „Rolling Stones“?
Diese und zahlreiche weitere berühmte Persönlichkeiten der Weltgeschichte
finden sich in dem wunderschönen Bildband „Schriftstücke“
des Brasilianers Pedro Corrêa do Lago. Denn der Autor ist ein begeisterter
Sammler von Autographen der verschiedensten berühmten Persönlichkeiten
aus mehr als sieben Jahrhunderten. Nun lässt er den Leser mit dem Buch
„Schriftstücke“ an dieser fantastischen Sammlung teilhaben.
In einem Vorwort zu dem Bildband geht der Historiker Carlo Ginzburg darauf ein,
dass die abgebildeten Autographen im Betrachter eine Erschütterung hervorrufen,
die zeigt, „dass hinter der Unkörperlichkeit von Texten, die
seine Reproduzierbarkeit garantiert, Männer und Frauen aus Fleisch und
Blut existieren (oder existiert haben).“ Der Autor Pedro Corrêa
do Lago beschreibt in seiner Einleitung, warum er diese seltenen Schriftstücke
sammelt. „Seit 35 Jahren ist das Sammeln von Autographen für
mich eine Quelle ungeheuren Vergnügens.“ Dabei würden diese
Schriftstücke „einen zugleich unaufdringlichen und mächtigen
Zauber“ auslösen. Vor allen Dingen sieht er darin ein Fenster
auf einen Ausschnitt in der Vergangenheit.
Der zweite Teil der Einleitung beschreibt, was Autographen eigentlich sind.
So gehören zu diesen besonderen Schriftstücken handschriftliche Briefe
berühmter Persönlichkeiten. Dabei sind solche, die mit Tinte geschrieben
und mit vollem Namen unterschrieben sind, am wertvollsten. Außerdem sind
Original-Manuskripte von literarischen Werken, die Korrekturen des Autors enthalten,
besonders wertvoll. Auch maschinengeschriebene Briefe mit Unterschriften sowie
Schecks oder schlichte signierte Fotos zählen zu den Autographen.
Der opulente Bildband enthält Abdrucke von 350 Stücken aus der Sammlung
von Pedro Corrêa do Lago, die der Autor jeweils mit einem ausführlichen
Kommentar versehen hat, in dem die Entstehungsgeschichte der Manuskripte sowie
geschichtliche Hintergründe dargestellt werden, aus dem Französischen
von Eva Plorin und Ilse Strasmann übersetzt. Bei den meisten Schriftstücken
gibt es zudem ein Bild des jeweiligen Verfassers.
Unter den Schriftstücken findet sich beispielsweise ein Brief aus dem Jahr
1768 von Maria Theresia von Österreich an ihre Tochter Marie-Karoline,
die zukünftige Königin von Neapel, in der ihr die Mutter Ratschläge
für die Ehe mit auf den Weg gibt: „Sie haben alles, einen Gatten
glücklich zu machen, es ist also jetzt ihr Ziel, ihm zu gefallen, ihm nützlich
zu sein, ihn zu erfreuen...“ Weiterhin gibt es einen maschinengeschriebenen
Brief von Mahatma Ghandi aus dem Jahr 1949 an einen Freund, in dem er diesem
mitteilt, dass er erschöpft sei und Ruhe benötige. Elf Monate nach
diesem Brief wurde Ghandi ermordet. In dem Buch sind Monarchen, Staatsmänner,
Künstler, Musiker und Schauspieler gleichermaßen vertreten, denn
der Autor legt Wert auf eine umfassende Sammlung. Für viele Leser können
dabei die Schriften der einzelnen Personen besonders interessant sein. Und für
Historiker ist der Bildband „Schriftstücke“ eine umfangreiche
Fundgrube.
Im Anhang sind alle Schriftstücke, bis auf die, die nur Unterschriften
enthalten, transkribiert, da die Originale teilweise schlecht zu entziffern
sind. Da viele Autographen auf verschiedenen Sprachen verfasst sind, gibt es
zusätzlich zu den Transkriptionen Übersetzungen. Dabei wurden bedauerlicherweise
russische und japanische Texte nicht transkribiert und englische, die einen
großen Teil der Zusammenstellung ausmachen, nicht übersetzt.
„Schriftstücke“ ist ein sehr schöner Bildband, der einen
umfassenden Überblick über „Autographen aus sieben Jahrhunderten“
bietet. Dabei erfährt der Leser etwas über die Verfasser der einzelnen
Texte, aber auch über die Autographen an sich. So ist das gelungene Werk
gleichermaßen eine Freude für Geschichtsinteressierte und Sammler.
Autorenportrait:
Pedro Corrêa do Lago, geboren 1958 in Rio de Janeiro, stammt aus einer
Diplomatenfamilie. Er hat Wirtschaftswissenschaften studiert und leitet heute
die Nationalbibliothek Brasiliens. Seit nunmehr dreißig Jahren sammelt
er leidenschaftlich Autographen und Manuskripte. Seine Sammlung gehört
zu den schönsten und umfangreichsten der Welt.
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