SchreibKunstRäume
Kalligraphie im Raum
(asp).
Die Kunst des Schönschreibens verliert in unserer computerdominierten Welt
zunehmend an Bedeutung. Während früher Generationen kunstvolle Handschriften
beherrschten, die sich dem Leser sofort erschlossen, sind die handschriftlichen
Texte vieler junger Leute heute kaum zu entziffern. Die Sehnsucht nach Schönheit
allerdings ist nach wie vor ungebrochen, und so werden nicht selten die schönsten
Schriften ausgewählt, um eine Geburtstagskarte zu schreiben – auf
dem Computer selbstverständlich.
Der Farbdesigner und Kalligraph Joachim Propfe hat es sich zur Aufgabe gemacht,
diesem Kulturverlust entgegenzuwirken: „Mein Ziel ist es Räume
in Kunst zu verwandeln“ – er tut es seit seinem Studium und
zwar mithilfe der Schrift. „Im künstlerisch-kalligraphischen
Schaffensprozess wuchsen mir die Buchstaben auf dem Papier zunehmend größer,
bis das Papier zu klein wurde und die Wände meines Arbeitszimmers herhalten
mussten“. In seinem reich bebilderten Bildband „SchreibKunstRäume“
zeigt er, dass Schrift und Kalligraphie mehr sind als nur die Fixierung von
Worten und die graphische Kunst am Geschriebenen – nämlich ein Mittel
zur Raumgestaltung. Joachim Propfe verziert private und öffentliche Räume
sowie Arbeitsräume. Er stellt in „SchreibKunstRäume“ die
Ergebnisse von 26 Projekten in drei entsprechenden Kapiteln vor.
Kalligraphie vereint zwei Kunstformen: Literatur und bildende Kunst. Als Kunstform
vermittelt sie in erste Linie Inhalt und Bedeutung, kann im Raum allerdings
auch ausgesprochen dekorativ sein. Bei der Umgestaltung eines Zimmers zu einem
„SchreibKunstRaum“ ist demnach zunächst einmal die Raumsituation
zur Auswahl eines passenden Textes von entscheidender Bedeutung. Ist diese analysiert
und der richtige Text gefunden, gilt es die vielfältige gestalterischen
Möglichkeiten zu planen. Das Wirkungsspektrum der Kalligraphien entfaltet
sich durch Farbe, Größe, Form, Intensität oder durch das Übereinanderlegen
mehrerer graphischer Ebenen.
Den Möglichkeiten sind bei dieser besonderen Form der Raumgestaltung keine
Grenzen gesetzt: Joachims Propfes Verwirklichungen reichen von einem mit Rilkes
„Drachtöter“ verzierten Flur, über eine mit den Worten
„Panta Rhei“ („Alles fließt“) verzierte Servicehalle
einer Volksbank bis hin zu Kalligraphien im Eingangsbereich eines Vermessungsbüros,
in die eine schwarz-weiße Messlatte integriert wurden. Die Texte erschließen
sich nicht wie bei einer Zeitungsüberschrift auf den ersten Blick, aber
lässt der Betrachter seine Augen einen Moment auf den Kalligraphien verweilen,
eröffnet sich ihm eine gewisse Tiefsinnigkeit, die sich aus der Verbindung
des ausgewählten Textes zur Situation und Funktion des Raumes ergibt. Das
kann ein Nachtgedicht im Schlafzimmer, ein Gedicht über Wein in einer Kalligraphie
am Boden eines Esszimmers oder eine Liste lateinischer Brotnamen im Römercafé
sein.
Die Texte zu den Projekten gliedern sich in „Informationen zur Raumsituation“,
zur „Planung und Umsetzung“ und schließlich zur „Wirkung“
und geben einen Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers. Ergänzt
wird die Vorstellung der Projekte durch Skizzen und Wandmuster, welche den Arbeitsprozess
im Detail nachvollziehbar machen.
Zahlreiche Fotos zeigen, was die Kalligraphie im Raum alles möglich macht.
Ob die Ergebnisse letztlich Gefallen finden, ist Geschmackssache. Ungewöhnlich
sind die Raumgestaltungen von Joachim Propfes allemal, eröffnen sie doch
ungeahnte Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung von Wohn- und Arbeitsräumen,
die ihresgleichen suchen.
„SchreibKunstRäume“ ist ein inspirierender Bildband, sorgfältig
zusammengestellt und anschaulich bebildert – für Innenarchitekten,
Maler, Raumgestalter und mutige Heimwerker ein Fundus voller kreativer Ideen!
Autorenportrait:
Joachim Propfe, geboren 1966, ist Diplom-Farbdesigner und Kalligraph. Neben
seinen kalligraphischen Arbeiten erstellt er Farb- und Materialkonzepte für
Innen- und Außenräume und gestaltet Räume mit dekorativer Malerei.
Darüber hinaus ist er als Referent tätig. Viele seiner Arbeiten wurden
in Zeitschriften veröffentlicht.
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