Schokolade
Die sündige Versuchung
(law).
Bildbände sind in der Regel friedliche Zeitgenossen. Sie sehen gut aus,
machen schlau und bereichern das Bücherregal. Doch dieser Bildband ist
sündhaft und böse. Wer zu lange hineinschaut, wird mit einer Gewichtszunahme
von nicht unter zwei Kilo bestraft. Und dennoch werden Sie ihm verfallen! „Schokolade
– Die sündige Versuchung“ von Laurent Schott zeigt nicht nur
eine, sondern gleich über 120 Schokoladenseiten, prall gefüllt mit
den 50 besten und raffiniertesten Rezepten französischer Patissiers. Die
ästhetisch brillanten und köstlichen Bilder von Thomas Dhellemmes
machen die Sünde perfekt.
Gruppiert sind die Rezepte passenderweise nach den sieben Todsünden: Müßiggang,
Wut, Wolllust, Hochmut, Neid, Geiz und – nicht zuletzt – Völlerei.
Die „Tarte Antillaise“, eine Köstlichkeit aus Mürbeteig,
Schokocreme und flambierten Bananen steht beispielsweise für Müßiggang,
weil die verträumte Inselgruppe der Antillen ihr den Namen gab. Die edel
geschichteten Schokoladenblätter des „Millefeuille au Chocolat“,
die sich piekfein vom Servierteller in die Höhe recken, stehen hingegen
für „Hoffart“ – Hochmut. Nicht immer sind diese Zuordnungen
ganz eindeutig: Warum sind zum Beispiel Schokomuffins geizig und die legendäre
Sachertorte wütend? Doch darauf werden Sie vermutlich schon gar nicht mehr
achten, wenn Sie beim Blättern durch die Köstlichkeiten immer weiter
dahinschmelzen.
Schuld daran sind vor allem die überragenden Fotografien im übergroßen
Format, die so gestochen scharf und verführerisch daherkommen, dass man
meint, die Schokoglasur von den Buchseiten naschen zu können. Die Aufnahmen
sind dem Stil antiker Gemälde nachempfunden und in jeder Hinsicht Meisterwerke
der Food-Fotografie. So träumt sich der Leser auf einer Reise in das Schokoladen-Wunderland
durch alte Villen, festliche Tafeln und teure Bestecke.
Die Rezepte kommen häufig mit erstaunlich wenig Zutaten aus und reichen
von schnellen Nachtischen, die auch für Anfänger machbar sind, bis
zu gewagten und exotischen Köstlichkeiten für Fortgeschrittene. Genial
ist die Idee des Autors, alle Anleitungen nochmals gesondert in einem 64-seitigen
kleinen Booklet abzudrucken, das aufwändig in den Boden des Buchrückens
eingelassen ist. Das Booklet kann man bequem in die Küche mitnehmen, ohne
dass der hochwertige Bildband Kleckerspuren fürchten muss. Für die
besonderen Schokoladenliebhaber finden sich auf den letzten Seiten neben einem
Register auch lesenswerte Biografien und Geheimtipps der französischen
Spitzenpatissiers. Die gelungene Übersetzung aus dem Französischen
stammt von Elisabeth Szilagyi-Westphal.
In seiner Danksagung gesteht der liebenswerte Autor, selbst „ein paar
Kilos süßes Glück“ angesetzt zu haben, während
er das großartige Kochbuch „Schokolade – Die sündige
Versuchung“ zusammengestellt hat. Wie gesagt: Dies ist kein harmloser
Bildband, sondern die wahrscheinlich leckerste Verführung des Jahres. Ein
absolutes Premium-Geschenk oder eine feine Leckerei für den privaten Augenschmaus.
Aber sagen sie hinterher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!
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