Schiller, Lotte und Line
Eine klassische Dreiecksgeschichte
(gjk).
Autorin Ursula Naumann dokumentiert in ihrem kurzweiligen Buch „Schiller,
Lotte und Line“ wie sich der große Dichter gleichzeitig in zwei
Schwestern verliebt. Die eine beschließt er zu heiraten, die andere liebt
er deswegen nicht minder. Sogar nach der Verlobung mit Charlotte von Lengefeld,
kurz „Lotte“, schreibt er ihrer älteren Schwester, die zudem
auch noch eine verheiratete Frau ist, gefühlvolle Liebesbriefe. Und Lotte?
Friedrich Schiller liebt sie ebenfalls – nur auf eine andere Art und Weise.
Am liebsten hätte er beide Schwestern um sich und müsste nur von einem
Zimmer ins andere gehen, um sich in Gesellschaft von Charlotte und Caroline
von Lengefeld geistreichen Diskussionen und angenehmen Mußestunden hinzugeben.
„Ach wie schön wird es in Zukunft seyn, wenn alles unter uns
gemeinschaftlich seyn wird“, schreibt er in einem seiner Briefe.
Aber wie kam es zu solch einer „ménage à trois“? Entscheidungsfreudig
war Friedrich Schiller offenbar in Sachen Liebe niemals wirklich gewesen, wie
zahlreiche Briefe an seinen Freund Körner belegen. Doch vielleicht mag
es an der damaligen Zeit gelegen haben, dass Mann sich nicht entschließen
konnte. Denn die „doppelte Moral“ und die „Klassifizierung
der Frauen in Gattinnen und Geliebte, Heilige und Huren“ scheint
nicht nur für Friedrich Schiller ein Problem gewesen zu sein. Doch er ließ
sich immer wieder auf die Frauen ein, die er nicht hätte heiraten können,
weil sie bereits vergeben waren – und wahrscheinlich auch nicht hätte
heiraten wollen, weil sie dem Idealbild der häuslichen Dame wenig entsprachen.
Die Beziehung zu einer Frau endete offenbar in einem rationalen Abwägen,
auch wenn starke Gefühle nicht zu leugnen waren.
So führt auch die Liebe zu den zwei Schwestern von Lengefeld zu einem kritischen
Vergleich – Line ist „klüger und unterhaltender“
und auch verheiratet, Lotte ist hingegen „hübscher“
und „unschuldig“. Letztere wird schließlich Frau
Schiller. Es sind ihre Eigenschaften, die der Dichter an ihr so schätzt:
„Sanftheit, Nachgiebigkeit, Selbstbeherrschung, Verbindlichkeit, Natürlichkeit,
Ausgeglichenheit, Heiterkeit, vor allem aber Ruhe“, während
ihre Schwester Line das Gegenteil ist, schlicht „Unruhe“.
Zahlreiche Abbildungen, darunter Porträts, diverse Zeichnungen und damals
modische Silhouettenbilder, illustrieren Ursula Naumanns subtile Untersuchung
dieser Dreiecksbeziehung. Ihre scharfsinnigen Beobachtungen spitzen sich immer
mehr auf die Frage zu, welche der beiden Schwestern sein Herz stärker erobert
hatte, und vor allem, ob er die eine heiratete, um der anderen nahe sein zu
können?
Alle Personen, die in „Schiller, Lotte und Line“ vorkommen, werden
im Personenverzeichnis noch einmal alphabetisch aufgeführt. Das ausführliche
Quellen- und Literaturverzeichnis bietet besonders Interessierten eine reizvolle
Auswahl an weiterführender Lektüre.
Der große Dichter zerrissen zwischen der Liebe zu zwei Frauen? Oder geeint
durch geteilte Liebe? In ihrer spitzfindigen Analyse des Briefwechsels zwischen
Friedrich Schiller und den beiden Schwestern von Lengefeld nähert sich
Ursula Naumann der lange Zeit verheimlichten Dreiecksbeziehung. „Schiller,
Lotte und Line“ ist eine sehr feinspürige, unverschleierte Betrachtung
dieses Dreierverhältnisses, welches das Privatleben des Dichters prägte!
Autorenportrait:
Ursula Naumann, geboren 1945, lebt als freie Autorin bei Erlangen. Sie war Mitarbeiterin
an der „Schiller-Nationalausgabe“, für sie sie einen Band mit
Briefen an Schiller herausgegeben hat.
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