Schiller

Elend der Geschichte, Glanz der Kunst

Schiller(sgr). Norbert Oellers, seit Jahren profunder Kenner des Schillerschen Werkes und Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe, unternimmt den Versuch, auf gut 500 Seiten Leben, Schaffen und Wirken Friedrich Schillers darzustellen. Notwendigerweise müssen dabei Kürzungen und Einschränkungen erfolgen; doch bleibt es der Verdienst von „Schiller – Elend der Geschichte, Glanz der Kunst“, dass eben nicht eine massive Reduzierung auf den bildungsbürgerlichen, bloß aus Zitaten bekannten „Schulbuch-Schiller“ erfolgt, sondern das gesamte Werk behandelt wird.


Der Leser hat hier die Möglichkeit, nicht nur über „Die Räuber“, „Wilhelm Tell“ oder „Das Lied von der Glocke“ zu lesen, sondern auch die erzählerischen, philosophischen und historischen Schriften vorgestellt zu bekommen, die zu weiten Teilen Friedrich Schillers Leben prägten. Nur über diesen ganzheitlichen Zugriff können Geschichte und Kunst als die zentralen Aspekte begriffen werden, die Schillers Werk eine derartige innere Spannung verleihen, dass eben auch heute noch die Lektüre seiner Schriften reizt. Die Auseinandersetzung mit Klassikern erfordert stets aufs Neue, den Reiz zu ermitteln, den sie bis in unsere Zeit ausstrahlen. Norbert Oellers gelingt es, den kritischen Schiller vorzustellen, den scharfsinnigen Beobachter, dessen Gespür für die Misere der Moderne ein Werk entstehen ließ, das nur in der künstlerischen Schulung und Bildung die Möglichkeit sieht, soziale und kulturelle Problemlagen zu meistern.

Dem Leser bietet „Schiller – Elend der Geschichte, Glanz der Kunst“ neben den fundierten Darstellungen der einzelnen Werke auch weiterführende Anregungen. Neben zeitgenössischen Abbildungen stehen Fotos von Schiller-Theaterinszenierungen, zu dem umfangreichen Register gesellt sich eine ergänzende Bibliographie. Doch vor allem über die Vollständigkeit besticht Norbert Oellers. Denn Friedrich Schiller zu reduzieren auf den Dichter und Dramatiker, leider auch heute noch in Neuerscheinungen zu beobachten, hieße, gewichtige Motive seines Schaffens zu ignorieren. Als idealistischer und methodisch unscharfer Philosoph mag Friedrich Schiller überholt, als Historiker zu ästhetisch sein – in der Gesamtheit dieser Aspekte jedoch erreicht sein Werk eine Aktualität, die ungeachtet innerer Schwankungen zum Denken anregt. Die Vermittlung der Grundspannung eines Denkers und Autors, der eine außergewöhnliche Empfindung für die Problemlagen seiner Zeit und die befreiende Wirkung der Kunst aufweist, macht „Schiller – Elend der Geschichte, Glanz der Kunst“ zu einer spannenden und ausführlichen Einführung. Unter den Neuerscheinungen zu Friedrich Schiller nimmt Norbert Oellers’ Buch eine außerordentliche Stellung ein, die umfassende wie fundierte Darstellung markiert die grundlegenden Pole eines künstlerischen und philosophischen Schaffens, das, veränderlich und dennoch beständig, den Menschen zum Ausgangspunkt idealistischen Denkens macht, dabei stets auf die Verwirklichung der Humanität abzielt.

Autorenportrait:
Norbert Oellers, geboren 1936 in Ratingen, 1975 bis 2002 Professor für Neure deutsche Literaturgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 1978 Mitherausgeber, seit 1991 alleiniger Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe. 1984-1987 Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes. 1995 Schiller-Preis der Stadt Marbach am Neckar.

Schiller

Norbert Oellers
Schiller
Elend der Geschichte, Glanz der Kunst
Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart
ISBN 3-15-010565-X
Originalausgabe, 1. Auflage 2005, 520 Seiten, mit 38 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 12,2 x 19,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 19,90 (D) / € 20,50 (A) / sFr 34,90

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