Rheingold
Geschichte eines Luxuszuges
(law).
„Da steht er im ersten Sonnenlicht in der Bahnhofshalle, im satten
Violett schimmernd bis zu den riesigen Fenstern, elfenbeinfarben sich fortsetzend
bis zu den silbergrauen Dächern ...“, schreibt das Begleitheft
des berühmtesten deutschen Zuges im Jahr 1932. Der „Rheingold“
und seine traumhafte Strecke von Holland bis in die Schweiz sind zur Legende
unter Bahnfans geworden. Der Zug war nicht nur eine majestätische Erscheinung,
sondern glänzte auch mit seiner luxuriösen Ausstattung. „Dieses
behagliche Heim, das zu langer Reise lockend ladet“ fuhr in den 20er
und 30er Jahren – und in einer Neuauflage ab 1962 – immer entlang
des Rheins, vorbei an berühmten Burgen, Weinbergen und mittelalterlichen
Städten. Herausgeber Jürgen Franzke hat in dem attraktiven Bildband
„Rheingold – Geschichte eines Luxuszuges“ sowohl wunderschöne
Eindrücke der Strecke als auch technische Details dieses außergewöhnlichen
Zuges festgehalten.
Auf 180 Seiten finden sich 230 großformatige historische und aktuelle
Fotos, die dem Streckenverlauf von Hoek van Holland bis Luzern oder Zürich
nach geordnet sind. Oben auf jeder Seite steht der Ort, von dem aus der rollende
„Rheingold“ bei seiner Durchreise fotografiert wurde. Außerdem
wird zwischendurch das originale Zugbegleitblatt von 1932 abgedruckt, das dem
Reisenden die wichtigsten Informationen über Orte, Landschaften und Streckenverlauf
bot. So lädt der Bildband beim Durchstöbern ein, die alte Strecke
noch einmal mitzufahren.
Schwarzweiß-Aufnahmen der bekannten Eisenbahnfotografen Carl Bellingrodt
und Paul Wolff zeigen verträumte Blicke der Fahrgäste, alte Gentlemen
in edlen Sitzen, romantische Fensterausblicke, feierliche Ankünfte in Bahnhöfen
und Panoramaansichten des „Rheingold“ bei voller Fahrt. Dazwischen
finden sich immer wieder aktuelle Bilder der Strecke, auf der für gelegentliche
Nostalgiereisen noch heute der historische „Rheingold“ eingesetzt
wird. Dabei hat der Fotograf Helmut Dollhopf zusammen mit Jürgen Franzke
versucht, die fotografischen Blickwinkel der alten Bilder wieder einzunehmen
und mit der Gegenwart zu vergleichen.
Die literarische Reise entlang der romantischen Bahnstrecke wird gelegentlich
unterbrochen, um anerkannte „Rheingold“-Experten in längeren
Artikeln zu Wort kommen zu lassen. Friedhelm Ernst und Alfred Gottwald erläutern
Zugtechnik und Bauform, Fahrplangestaltung und Geschichte des 1928 ins Leben
gerufenen Fernschnellzuges, die Historikerinnen Gesa Büchert und Martina
Mittenhuber recherchierten die Designgeschichte der Innenausstattung. Jürgen
Franzke schildert seine Erlebnisse beim Neuentdecken der historischen Strecke.
Die Texte sind teilweise unterhaltsam und lebendig geschrieben und machen auch
dem Gelegenheitsbahnfahrer Spaß beim Lesen, teilweise aber auch technisch
orientiert und voller Fakten, was eher den Bahnliebhaber ansprechen wird. Wer
mit Details wie der „bayerischen S3/6 (18^4-5) bzw. umgekehrt der
badischen IV h (18^3)“ wenig anfangen kann, lässt einfach einige
Abschnitte aus.
Was bleibt, ist aber immer noch genug, um jeden zu begeistern, der gern unterwegs
ist: Wunderschöne Aufnahmen von Landschaften und Menschen in einem einmaligen
und legendären Zug nehmen den Leser in „Rheingold – Geschichte
eines Luxuszuges“ auf eine vergangene, aber dennoch unvergessliche Reise
mit.
Herausgeberportrait:
Dr. Jürgen Franzke ist als Direktor des DB Museums in Nürnberg ein
exzellenter Kenner der „Rheingold“-Historie.
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