Pferde
Exquisiter Bildband über die Liebe zum Pferd
(asp).
Es gibt eine traditionelle, offizielle, akademische Art, Pferde zu fotografieren:
Im Profil, standfest auf allen vier Hufen stehend, die Vorderbeine parallel
ausgerichtet und die Hinterbeine leicht versetzt. Damit der kraftvolle Hals
gut sichtbar ist, muss das Pferd seinen Kopf dabei hoch halten, und die Mähne
sollte auf die dem Fotografen zugewandte Seite fallen.
Yann Arthus-Bertrand, Fotograf des Weltbestsellers „Die Erde von Oben“,
sind diese Regeln völlig gleichgültig, denn er macht seine Pferdeaufnahmen
nicht für Gestütsakten oder Verkaufszeitschriften, sondern will die
Vierbeiner zeigen wie sie sind und wie wir Menschen sie seit Jahrtausenden lieben:
lebendig, feurig, anmutig, robust und wunderschön.
Mehr als 15 Jahre und mehr als 10.000 Aufnahmen hat es gebraucht, bis aus seiner
Leidenschaft zum Pferd ein Buch entstanden ist – und was für eins!
Der Bildband „Pferde“ ist ein wahrhaft angemessenes Werk, um eines
der schönsten Tiere der Welt zu ehren. Er vereint über 200 Farbfotos
im Panoramaformat und ist allein schon in seiner überdimensionalen Größe
einzigartig.
Die Texte stammen vom renommierten Pferdekenner Jean-Louis Gouraud und ergänzen
die Fotografien um informative Fakten und Geschichten rund ums Pferd, aus dem
Französischen von Cornelia Panzacchi übersetzt. Mit den Kapiteln „Eurasien,
die Wiege der Pferde“, „Nordafrika – Zentrum der weltweiten
Ausweitung“ und „Der Orient, Land des Vollbluts“ – den
Ursprungsorten der Verbreitung der Pferde – beginnen Yann Arthus-Bertrand
und Jean-Louis Gouraud ihren „Atlas für Liebhaber“,
stellen dann die „Großen Pferde“, die „Kleinen Pferde
und die Ponys“ und „Die Cousins“ vor.
Wer bei dieser Einteilung an eine historische Analyse über die Verbreitung
der Pferde in alle Teile der Erde denkt, liegt nur zum Teil richtig, denn „Pferde“
ist vor allem eine Hommage an das Pferd. Yann Arthus-Bertrand porträtiert
die anmutigen Vierbeiner in seinen faszinierenden Fotografien als Persönlichkeiten
und ausdrucksstarke Charaktere. Das arabische Vollblut etwa weiß er in
seinem unbezähmbaren Temperament und seiner unbeschreiblichen Eleganz festzuhalten,
während er das von Natur aus wesentlich ruhigere Kaltblut frech und gemütlich
neben seinem Besitzer fotografiert. Die Pferde gemeinsam mit den Menschen abzulichten,
die sie in ihrem Leben begleiten, ist ein besonderer Blickwinkel, den der Fotograf
gewählt hat, um die Beziehung zwischen Mensch und Pferd einzufangen. Man
ist geneigt zu behaupten, ein Pferd ermögliche Rückschlüsse auf
seinen Besitzer, denn auf irgendeine wundersame Weise scheinen sich alle abgelichteten
Personen in ihrem Pferd widerzuspiegeln. Von menschlichen Partnerschaften sagt
man, umso länger sie zusammen seien, desto ähnlicher würden sie
sich in ihrem Äußeren – vielleicht gilt das auch für die
Beziehung zwischen Menschen und Pferden? Die Fotografien von Yann Arthus-Bertrand
würden dafür sprechen.
Weder Fotograf noch Autor beanspruchen
mit ihrem Bildband ein Inventar aller Pferderassen der Welt darzulegen –
ein Anliegen, das bereits vor seiner Umsetzung zum Scheitern verurteilt gewesen
wäre. Stattdessen haben sie ausgewählt, was ihnen am besten gefiel,
ohne irgendwelche züchterischen Kriterien zu berücksichtigen. Trotz
ihres unwissenschaftlichen Ansatzes ist es ihnen gelungen, stolze 86 Pferderassen
aller Welt vorzustellen. Sie schildern ihre Entstehung in der eurasischen Steppe
und berichten von ihrer Ausbreitung und Zähmung durch den Menschen. Mitgenommen
haben sie in alle Länder eine goldockerfarbene Leinwand, die sie mitten
in der Wüste, auf der Rennbahn in Dublin oder in einem afrikanischen Dorf
aufbauten. Oft wirkt sie wie ein Bild im Bild und trägt wesentlich dazu
bei, dass jede Pferderasse in seiner ganz typischen Pose erscheint.
Über Jahrhunderte hat der Mensch die Pferderassen nach seinen Wünschen
und Bedürfnissen geformt. So gibt es neben den ausdauernden Pferden der
Steppenvölker, die muskulösen Arbeitstiere der gemäßigten
Breiten oder die schnellen, wendigen und feurigen Vollblüter. Die Entwicklung
der Pferderassen ist zugleich auch ein Stück Kulturgeschichte, die „Pferde“
in einzigartigen Fotografien und sachkundigen Texten erzählt. Auf kunstvolle
Weise schafft es der hochwertige Bildband, den Pferden ihre ganz individuelle
Persönlichkeit zu entlocken, ohne zu vergessen, wie stark ihre heutige
Erscheinungsform vom Menschen über Jahrtausende geprägt wurde.
„Pferde“ ist ein wahres Liebhaberstück – sensationell,
sinnlich und zuweilen auch tierisch komisch!
Fotografenportrait:
Yann Arthus-Bertrand, geboren 1946, war als Naturschutz-Manager in Frankreich
tätig, bevor er im Alter von 30 Jahren mit seiner Frau für einige
Zeit nach Afrika ging. Nach seiner Rückkehr aus Kenia wandte er sich endgültig
der Fotografie zu und arbeitet seither als Naturfotograf und Fotoreporter.
Autorenportrait:
Jean-Louis Gouraud war fast zehn Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift „Jeune
Afrique“ und reiste in dieser Zeit kreuz und quer durch Afrika, oft zu
Pferde. 1990 ritt er in zweieinhalb Monaten die 3.000 Kilometer lange Strecke
von Paris nach Moskau; auch in Mittelasien, Indien und China unternahm er ausgedehnte
Reittouren. Er ist Autor zahlreicher Romane, Essays und Sachbücher.
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