Pariser Erinnerungen

Zeugnisse eines Lebens inmitten der künstlerischen Avantgarde

Pariser Erinnerungen(ini). Das Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts und besonders die 20er Jahre gehört zu jenen magischen Orten, die prädestiniert sind, zum Mythos zu werden. Eine der zentralen Persönlichkeiten dieser Epoche war Misia Sert, deren „Pariser Erinnerungen“ Zeugnisse eines Lebens inmitten der künstlerischen Avantgarde sind.


Misia Sert entstammt einer polnisch-französischen Künstlerfamilie. Bereits als Kind entwickelte sie eine große Leidenschaft für die Musik, die sie ihr Leben lang begleiten sollte. Ihre unkonventionelle Herkunft setzte sich in ihrem ebenso außergewöhnlichen Lebensweg fort. Bereits mit 15 heiratete sie das erste Mal, und schon in diesen frühen Jahren führte sie einen Salon, in dem sie unter anderem Mallarmé und Toulouse-Lautrec versammelte. Ihre zweite Ehe setzte sie kurze Zeit später endgültig in die Lage, von ihr geschätzte und verehrte Künstler wie Strawinsky oder Renoir zu unterstützen.


Einen Großteil ihres Lebens verbrachte Misia Sert in Paris, dem Zentrum der damaligen Avantgarde in Kunst und Kultur. Als Muse zahlreicher Schriftsteller, Musiker und Maler war sie selbst ein Dreh- und Angelpunkt des Kulturbetriebs. So widmete ihr Ravel „La valse“, Renoir malte ihr Portrait.


Es sind gerade die Begegnungen mit diesen Persönlichkeiten der Moderne, die „Pariser Erinnerungen“ zu einer interessanten Lektüre machen. Anekdote reiht sich an Anekdote, das Buch, aus dem Französischen von Hedwig Andertann übersetzt, liest sich wie ein „Who’s who“ der 1920er Jahre. Leider ist der Stil der Autorin nicht so attraktiv wie der Inhalt der geschilderten Szenen, ihre Prosa klingt häufig bemüht und ist über weite Strecken nur mit Mühe zu lesen. Eine Schriftstellerin ist sie – trotz des intensiven Kontakts mit Literaten von Weltruhm – leider nicht.


Die letzten 50 Seiten ihrer Erinnerungen hat Misia Sert dem großen Drama ihres Lebens gewidmet, ihrer unglücklichen Liebe zum spanischen Maler und Bildhauer José-Maria Sert, dem späteren Lehrer Dalis. Nachdem Misia lange Jahre glücklich verheiratet waren, verlor sie ihn an eine jüngere Frau, ein Schlag, von dem sie sich nie wirklich erholte. Und so enden ihre Memoiren auch mit dem traurigen Satz: „Mit seinem Tod verlor mein Leben jeden Sinn.


Ergänzt werden die Texte durch 16 Fototafeln, die einige der erwähnten Künstler und Kunstwerke zeigen.


Misia Serts „Pariser Erinnerungen“ sind keine literarischen Meisterwerke, wohl aber Zeugnis eines höchst interessanten Lebens inmitten der glanzvollen Epoche der „Goldenen Zwanziger“, die auch heute noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben!

Autorenportrait:
Misia Sert, eigentlich Maria Sophie Olga Zenaide Godebska, geboren am 30. März 1872 in Petersburg kannte sie alle, die Künstler, die seit der Jahrhundertwende das kulturelle Leben von Paris prägten. Sie war Muse zahlreicher Musiker, Schriftsteller und Maler und führte in Paris einen Salon, in dem in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts alle großen Künstler dieser Zeit verkehrten. Misia Sert war drei Mal verheiratet und starb am 15. Oktober 1959 in Paris.

Pariser Erinnerungen

Misia Sert
Pariser Erinnerungen
Aus dem Französischen von Hedwig Andertann
Insel Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-458-32880-7
3. Auflage 2004, 318 Seiten, mit 16 s/w-Abbildungen, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 11.- (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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