Parfum
Ästhetik und Verführung
(asp).
Bestimmte Düfte sind oft untrennbar mit einer Erinnerung verbunden, nicht
selten mit einer alten Liebe. Es ist, als hätten Gerüche einen direkten
Zugang zur menschlichen Seele. Bereits vor 5.000 Jahren begann in Mesopotamien
der kultivierte Umgang mit schönen Gerüchen. Priester verbrannten
in den Tempeln Babylons duftende Kräuter, Hölzer und Harze, um die
Götter zu erfreuen. Über die Rauchschwaden suchten die Menschen den
Kontakt zum Himmel – per fumum (lateinisch: durch den Rauch) ist die Wurzel
des Wortes Parfüm. In einer 5.000-jährigen Entwicklungsgeschichte
hat sich das Parfüm von einer Göttergabe zu einem riesigen, internationalen
Wirtschaftszweig entwickelt.
Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg hat dieser faszinierenden Entwicklungsgeschichte
des Parfüms, den faszinierenden Verpackungen, neuen Aromen und raffinierten
Werbestrategien eine Ausstellung gewidmet. Jürgen Döring hat dies
zum Anlass genommen, diesem duftenden Phänomen in einem Buch nachzuspüren.
Als Herausgeber hat er mit der Hilfe zahlreicher Fachautoren das Werk „Parfum“
verfasst – ein reich bebildertes Buch im Bildbandformat, das in vier Kapiteln
und zahlreichen Abbildungen Flakons und Anzeigen der vergangenen 15 Jahre in
den Mittelpunkt stellt.
Von einer kurzen „Kulturgeschichte“ des Parfüms führen
die Kapitel über „Flakongestaltung“ und „Parfümwerbung“
schließlich zum verbreiteten „Menschenbild“ in Werbekampagnen
und Marketingstrategien der Parfümfirmen. Neben Jürgen Döring,
verfassten Christine Barsch, Isabelle Beilfuss, Doris Burchard, Kathrin Hain,
Andrea Helfenrath, Rüdiger Joppien, Carlos Obergruber-Boerner und Regina
Spelman die Texte für den opulenten Band. Der schriftliche Teil des Bandes
ist zu jedem Kapitel relativ knapp, schafft es aber trotzdem, die Kerninformationen
gekonnt zu vermitteln.
Das eigentliche Herzstück von „Parfum“ stellen die Abbildungen
und Fotografien dar: Plakate des frühen 30. Jahrhunderts, Flakons vom Klassiker
Chanel bis zum Avantgardisten Gaultier sowie Printkampagnen mit extravaganten
Fotoinszenierungen von Herb Ritts, Richard Avedon oder Jürgen Teller. Insbesondere
der Blick auf die Vergangenheit des Parfüms – die wundervollen gläsernen
Flakons aus den goldenen Zwanzigern des 20. Jahrhunderts oder die unvergesslichen
blau-roten Verpackungen der Produktlinie „Loulou“ aus den ausgehenden
1980ern – lassen das Herz jedes nostalgischen Ästheten höher
schlagen. Selbstverständlich kennt man viele Flakons und Anzeigen der letzten
15 Jahre, doch gerade die Gegenüberstellung unterschiedlicher Hersteller
und Marken ist ausgesprochen interessant und lässt erkennen, dass es oft
nicht der Duft ist, der den Wert einer Marke darstellt, sondern vielmehr der
exquisite Name und das hervorgehobene Image.
„Parfum“ ist ein wirklich herausragender Bildband, der neben fundierten
Texten vor allem durch die sinnstiftende Gliederung und die exzellenten Abbildungen
brilliert!
Herausgeberportrait:
Dr. Jürgen Döring ist langjähriger Leiter der grafischen Sammlung
des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg.
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