Open-Air-Galerie
Farbige Botschaften an die Welt
(emk).
Kunst im Öffentlichen Raum als Beitrag gegen die Anonymität in unseren
Städten – kann man das sammeln? – Die Fotografin Edith von
Welser-Ude sammelte im Laufe von 20 Jahren auf ihren Reisen in verschiedene
Länder und Städte Hauswände, Bauzäune, Mauern, Rollläden,
Bunker, Werbetafeln, indem sie sie fotografierte und zu einer „Open-Air-Galerie“
zusammenstellte. Eine originelle Idee und ein origineller Bildband!
Die „Open-Air-Galerie“ enthält Wandmalereien inzwischen berühmter
Künstler wie Keith Haring, Richard Haas oder Arik Braun. Außerdem
fotografierte Edith von Welser-Ude das Heizkraftwerk in Wien von Friedenreich
Hundertwasser, das ganze Dorf Orosolo auf Sardinien , das mit seinen Protestbildern
gegen einen NATO-Stützpunkt zum Freiluftmuseum wurde, die Berliner Mauer,
das Olympische Dorf in München und das älteste Werbebild, eine Reklame
für ein Bleichmittel von 1900, an einer Hauswand in Hamburg.
Die „farbigen Botschaften an die Welt“ sind vielfältig: politisch,
provozierend, künstlerisch, sozialkritisch, phantasievoll oder einfach
nur prächtig. Es sind Illusionsmalereien, manchmal über vier Stockwerke,
oder auch Reproduktionen aus der Kunstgeschichte. Entstanden sind sie –
wie man dem Vorwort von Christan Ude entnehmen kann – als staatlich unterstützte
Auftragsarbeiten, aus Ideenwettbewerben für die Ausgestaltung leerer Flächen
im Stadtbild, als Projekte gegen die Arbeitslosigkeit von Künstlern oder
von Firmen gesponsert zu Reklamezwecken.
Die Fotos der monumentalen Kunst sind thematisch geordnet und von Christin Ude
mit profunden, leider etwas zu ausführlichen Kommentaren versehen. Man
hätte sich die Informationen zusammengefasst an einer Stelle des Buches
gewünscht. So erdrücken die vielen Überschriften, die fett und
nicht fett gedruckten Texte auf manchen Seiten die Fotos. Wogegen gar keine
Information über ein Bild, wie auf Seite 4, auch zuwenig ist.
Die „Open-Air-Galerie“ ist mit einer Bibliografie, einem Verzeichnis
der Wandbilder nach Städten und einer Liste der von Edith von Welser-Ude
und Christian Ude besuchten Länder ausgestattet. Die „Vorworte aus
aller Welt“ beschränken sich auf die derzeitigen Bürgermeister
von Berlin, Wien, San Francisco, und rechnet man die „Einladung zur Entdeckungsreise“
am Anfang des Buches von Christian Ude, dem Oberbürgermeister von München,
dazu, sind es beträchtliche vier.
Die „Open-Air-Galerie“ ist ein üppig bebilderter Kunstband
zum Betrachten und Lesen. Die Wandmalereien versetzen in Erstaunen und regen
dazu an, mit offenen Augen durch die Trostlosigkeit mancher Städte zu gehen,
um dabei – wie von Edith von Welser-Ude hier ihren Fotos festgehalten
– die bunte Vielfalt weiterer „Botschaften an die Welt“ zu
entdecken.
Fotografenportrait:
Edith von Welser-Ude spürte als Fotografin zwei Jahrzehnte lang viele unbekannte
und verborgene Wandmalereien auf, die sie neben international bekannten „Klassikern“
präsentiert. Ziel ihrer Sammelleidenschaft mit der Kamera war nicht die
Vollständigkeit einer Dokumentation, sondern die Darstellung der Reichhaltigkeit
dieses Ausdrucksmittels in verschiedenen Ländern und Kulturen.
Autorenportrait:
Christian Ude arbeitete zunächst als Journalist und Rechtsanwalt und ist
seit 1993 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München. Er ist nicht
nur als engagierter Kommunalpolitiker bekannt, sondern auch als pointensicherer
Autor. Zusammen verwirklichen sie damit ein lang gehegtes Projekt: zu zeigen,
wie Wandmalerei die Städte in eine Open-Air-Galerie verwandeln kann.
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