Noch mehr Kunst aufräumen

Die Ordnung auf Gemälden geht weiter

Noch mehr Kunst aufräumen(asp). An den Wänden des Ateliers von Ursus Wehrli hängen Gemälde von Léger, Kandinsky, Miró und Picasso. Dazwischen findet man das einohrige Selbstporträt van Goghs sowie einige Rembrandts, da Vincis und Dürers. Jedes Bild ist ein Unikum, und doch haben sie für Ursus Wehrli in ihrer Einzigartigkeit alle etwas gemeinsam – sie sind unordentlich. Das will der Ordnungsfanatiker ändern und tut das Unfassbare: Er zerschneidet die Gemälde fein säuberlich in Einzelteile und setzt sie neu zusammen. „Kunst aufräumen“ nennt er diese Methode, die ungeahnte Erkenntnisse über die großen Gemälde der Kunstgeschichte ermöglicht.


Nach dem Bestsellererfolg „Kunst aufräumen“ folgt nun der zweite Bildband des Komikers, Kabarettisten und freischaffendem Künstler Ursus Wehrli „Noch mehr Kunst aufräumen“ und verblüfft durch einen schier unerschöpflichen Ideenreichtum. Unter dem Motto „Weniger ist manchmal mehr“ führt der Bildband dem Betrachter die Existentialität der Kunst vor. Das vom Chaos beherrschte Bild „Convergance: Number 10“ von Jackson Pollock – ein abstraktes Durcheinander von Farben – zeigt sich nach dem Aufräumen als das, was es im Grunde ist: ein Nebeneinander von fünf Farbtöpfen. Auch Egon Schieles „Liegender weiblicher Akt mit angezogenen Beinen“, eine einfache Kohlezeichnung, wird in Ordnung gebracht und präsentiert sich danach als schwarzes Fadenknäuel.

Von Picasso bis Oppenheim, von Lichtenstein bis Beethoven – die Aufräumaktionen des ordnungsliebenden Künstlers machen weder vor antiken Statuen noch vor berühmten Liedern, geschweige denn vor großen Namen der Kunstgeschichte halt. Herkunft, Titel, Entstehungsjahr und Maße der verwendeten Kunstwerke werden am Ende des Bildbandes „Noch mehr Kunst aufräumen“ mit entsprechender Seitenzahl angegeben.

Im Vorwort des Bildbandes berichtet Albrecht Götz von Olenhusen über seinen „Atelierbesuch bei Meister Wehrli“, der zwar sehr berühmt aber zugleich auch sehr publikumsscheu sei. So soll auf dem von Karl Lagerfeld entworfenen Schild vor dem Tor des Züricher Ateliers stehen: „Besuche bitte unterlassen, es ist nie jemand anzutreffen. Fernsprecher haben wir nicht!“ Diese und weitere kleine Anekdoten entwerfen das Bild eines extravaganten und egozentrischen Künstlers und bedienen damit den Wunsch, immer auch etwas Privates des verehrten Künstlers zu kennen.


Originell, witzig und unkonventionell plädiert Ursus Wehrli erneut für eine ordentliche Kunst. „Noch mehr Kunst aufräumen“ ist für alle, die bereits vom ersten Band „Kunst aufräumen“ nicht genug bekommen konnten und klassische Kunstwerke einmal anders erleben möchten, ein Muss!

Autorenportrait:
Ursus Wehrli, Jahrgang 1969, ist immer noch Linkshänder, Querdenker und gelernter Typograf. Seit 17 Jahren tourt er zusammen mit Nadja Sieger als Komikerduo „Ursus & Nadeschkin“ zwischen Beinwil, Basel, Berlin und New York und wurde in dieser Konstellation mehrfach ausgezeichnet – zuletzt mit dem „New York Comedy Award“, dem „Salzburger Stier“ und dem „Deutschen Kleinkunstpreis“. Er lebt als Komiker, Kabarettist und freischaffender Künstler in Zürich und macht auf den expliziten Wunsch auch Live-Performances zu seinem Buch. Dass er auf die Idee des „Kunst aufräumens“ gekommen sei, als er eines morgens beim Brötchenholen vom Winteranfang überrascht wurde, ist ein Gerücht. Wahrscheinlicher ist, dass die Idee im Anzeigenteil einer Tageszeitung stand, deren einziger Abonnent er ist.

Noch mehr Kunst aufräumen

Ursus Wehrli
Noch mehr Kunst aufräumen
Kein & Aber Verlag, Zürich
ISBN 3-0369-5223-3
48 Seiten, mit zahlreichen farbigen Abbildungen, Hardcover gebunden, Querformat 27 x 21 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 14,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 28.-

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