Nimm mich mit...

Eine kleine Geschichte der Reisebegleiter

Nimm mich mit...(pr). In der Einleitung zu ihrem Bildband „Nimm mich mit...“ erzählt Autorin Marie Simon eine kleine Anekdote über Mark Twain: Dieser registrierte sich ins Gästebuch eines kanadischen Hotels mit „Mark Twain und Koffer“, weil er in der Zeile darüber „Baron von Blanck und Diener“ gelesen hatte. Genau dies demonstriert, dass das Gepäck, das Reisende mit sich nehmen, viel über die Touristen selbst aussagt. Aus diesem Grund hat Marie Simon „Eine kleine Geschichte der Reisebegleiter“ verfasst.

„Nimm mich mit...“ beschäftigt sich ebenfalls mit der Geschichte des Reisens selbst. Das Buch, das von Angela Wagner aus dem Französischen übersetzt wurde, geht zunächst auf die Expeditionen des 18. und 19. Jahrhunderts, aber auch immer wieder auf deren Gepäck ein. Das Gepäck des Franzosen Désiré Charnay, der 1859 als erster die Tempel der Maya fotografierte, wog beispielsweise 1.800 kg. So beschreibt Marie Simon einige Pioniere und Abenteuer, wie auch Mary Kingsley, die im 19. Jahrhundert durch Westafrika reiste und das Buch „Die grünen Mauern meiner Flüsse“ über ihre Reise veröffentlichte.

Marie Simon erzählt außerdem von unzähligen Expeditionen an die Pole der Erde und in den Himalaja. Auf der Suche nach der Nordwestpassage 1845 starben alle 129 Teilnehmer der Expedition. So zeigt die Autorin auch die Probleme dieser Forschungsreisen auf, deren Teilnehmer oft Rivalitäten ausspielten, was schließlich meist zum Scheitern der Reisen führte, die zu dieser Zeit regelrecht „in Mode“ kamen. Allein zwischen 1883 und 1953, dem Jahr, in dem Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay erstmals den Mount Everest bestiegen, gab es 250 Expeditionen in den Himalaja.

Andere Arten des Reisens sind in „Nimm mich mit...“ ebenfalls zu finden. Die „Grand Tour“ der adeligen Engländer im 18. und 19. Jahrhundert wird ebenso beschrieben, wie die Reisen von Hippies und Rucksacktouristen. Darüber hinaus stellt die Autorin verschiedene berühmte Reisende im Porträt auf Extra-Seiten vor, beispielsweise Alexandra David-Néel, die als erste die verbotene tibetanische Stadt Lhasa bereiste, den Begründer des Baedeker-Reiseführers Karl Baedeker oder den Autor Jack Kerouac, der als Tramper die USA durchquerte.

Diese zahlreichen Informationen über das Reisen sind jeweils verbunden mit Fotos, die die Reisenden, aber auch deren Ausrüstung zeigen. Extra-Seiten dokumentieren zum Beispiel Reisenecessaires vom 18. Jahrhundert bis heute. Am Rand der Seiten finden sich Abbildungen verschiedener Gepäck- und Kleidungsstücke. Es werden beispielsweise die Jacken, die von 1885 bis heute bei Nord- und Südpolexpeditionen getragen wurden, verglichen. Insgesamt werden unzählige Gegenstände gezeigt, die für die Reisenden zu den bestimmten Zeiten unerlässlich waren. Es findet sich darin auch eine Übersicht über Uhren aus verschiedenen Jahrhunderten und vieles mehr. Dabei gibt das Buch ebenfalls Anregungen für zukünftige Reisen, da die modernsten Errungenschaften, beispielsweise in der Überlebenstechnik, dargestellt sind. Bereits der Einband von „Nimm mich mit...“ macht Freude auf das Buch, das innen sowieso ansprechend gestaltet ist. Das Cover sieht aus wie ein alter Koffer, mit nostalgischen Aufklebern verschiedener Orte und Hotels.

„Nimm mich mit...“ ist ein interessanter und informativer Bildband, der viele Aspekte des Reisens und der Gepäckstücke, die schließlich zum Reisen gehören, beleuchtet. Dabei ist er ansehnlich und liebevoll gestaltet. Eine Freude für alle, die selbst gerne reisen!

Autorenportrait:
Marie Simon ist Kunsthistorikerin und Moderedakteurin. Sie hat bereits mehrere Bücher über Stil- und Modethemen veröffentlicht.

Nimm mich mit...

Marie Simon
Nimm mich mit...
Eine kleine Geschichte der Reisebegleiter
Aus dem Französischen von Angela Wagner
Frederking & Thaler Verlag, München
ISBN 3-89405-651-7
1. Auflage 2005, 184 Seiten, mit 307 Farbfotos und 122 s/w-Abbildungen, Hardcover gebunden, Format 19,5 x 28,7 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 34,90 (D) / € 35,90 (A) / sFr 60,40

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