Nie mehr Oma-Lina-Tag?
Ein Bilderbuch über den endgültigen Abschied
(pr).
Die schmerzliche Erfahrung, dass das Leben nicht von Dauer ist, muss auch der
kleine Jasper machen. Trauer und Tod sind die zentralen Themen des Bilderbuches
„Nie mehr Oma-Lina-Tag?“ von Hermien Stellmacher.
Jeden Mittwoch holt Oma Lina den aufgeweckten Jungen von der Schule ab und backt
mit ihm Pfannkuchen – ein Ritual, auf dass sich Jasper schon die ganze
Woche freut. Eines Tages wartet er allerdings vergeblich auf seine Oma. Statt
wie jeden Mittwoch von ihr abgeholt zu werden, kommt seine Mutter zur Schule
und muss ihm mitteilen, dass Oma Lina krank zu Hause im Bett liegt. Noch weiß
Jasper nicht, dass dieser Mittwoch der Beginn eines ersten traurigen Höhepunktes
seines noch kurzen Lebens ist. Oma Lina geht es seit diesem Tag immer schlechter
und muss schließlich ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie wenig später
stirbt. Für den sonst so unbekümmerten Jungen bricht eine Welt zusammen.
Was ist der Tod? Was geschieht mit dem Toten? Wie geht das Leben ohne diesen
geliebten Menschen weiter? Fragen über Fragen. Viele Eltern fühlen
sich damit überfordert. Jaspers Eltern nicht. Sie beantworten die Fragen
ihres Sohnes mit einer Überlegtheit, die andere Erwachsene staunen lässt.
Was viele nicht können, gelingt in diesem Fall Hermien Stellmacher, die
in ihrem Kinderbuch ganz offen über das in vielen Kreisen tabuisierte Thema
spricht. Warum auch nicht? Schließlich gehört der Tod wie die Geburt
zum Leben dazu. Denn würde unser Leben mit dem Tod beginnen, hätten
wir dann Angst vor der Geburt? Es ist vielmehr die Angst vor der Unwissenheit,
was nach dem Sterben kommt, als die Angst vor dem Tod selbst, die uns nicht
über das düstere Thema sprechen lässt.
Das Bilderbuch „Nie mehr Oma-Lina-Tag?“ überzeugt durch seinen
Vorbildcharakter. Das familiäre Zusammenleben zeichnet sich heutzutage
oftmals dadurch aus, dass viel zu wenig miteinander gesprochen wird. Das ist
hier nicht der Fall. Die Eltern des jungen Jaspers haben immer ein offenes Ohr
für ihren Sohn, so dass auch über das Thema Tod mit großer Bildhaftigkeit
gesprochen wird: „Wie ist das eigentlich“, fragt Jasper, „wenn
man stirbt?“ (...) „Vielleicht kann man es so erklären“,
sagt sein Vater schließlich. „Es gibt große und kleine Abschiede:
Wenn du morgens früh zur Schule gehst, ist das nur ein kleiner Abschied.
Du kommst ja mittags wieder nach Hause. Aber wenn jemand stirbt, ist das ein
großer Abschied, denn es ist ein Abschied für immer!“
Der Tod bedeutet das Ende des Lebens, aber nicht das Ende der Geschichte. Für
den tapferen Jasper beginnt nach dem Tod die eigentliche Trauerarbeit. So besucht
er etwa zum letzten Mal den Leichnam seiner Oma Lina im Krankenhaus, um sich
von ihr zu verabschieden. Ein weiterer Abschied folgt dann bei der Trauerfeier
und der anschließenden Beisetzung, und letztlich muss er auch noch den
sogenannten „Leichenschmaus“ überstehen, bei dem an die Lebzeiten
der Toten erinnert wird.
Die großformatigen, zum Teil zweiseitigen Illustrationen von Jan Lieffering
sind sehr anschaulich und untermalen die Handlung. Mimik und Gestik der abgebildeten
Figuren sind sorgfältig auf den Inhalt der Geschichte abgestimmt und drücken
sowohl anfängliche Freude und Lebenslust als auch anschließende Trauer,
Verzweiflung, aber auch Optimismus aus. Die zu jeder Situation passende Farbwahl
unterstützt die Stimmungsverbreitung, so dass der Betrachter schließlich
einem Mitfühlen nicht aus dem Weg gehen kann.
Rührend, traurig, herzzerreißend, aber auch zuversichtlich und tröstend
ist das Bilderbuch „Nie mehr Oma-Lina-Tag?“ – rundum gelungen!
© Copyright by: Public Dialog Hamburg