Nach dem Regen
Eine Hommage an den ganz normalen Alltag
(tep).
Wer Owen Meany von John Irving mochte, wird auch dieses Buch lieben. Die Geschichte
in „Nach dem Regen“ ist so aufgebaut, dass der Leser bereits zu
Beginn von einem denkwürdigen, einschneidenden Ereignis erfährt, das
sich an einem Nachmittag im Sommer ereignet. Worum es sich handelt, wird jedoch
erst auf den letzten zehn Seiten aufgelöst. Also nicht vorher gucken, sondern
tapfer die 300 vorigen Seiten lesen und sich auf den Aspekt des Geschichtenerzählens
freuen, dann macht dieser Roman Spaß, dann entfaltet er seine ganze Kraft
und die hat er zweifellos. Nicht umsonst wurde Jon McGregor nach Erscheinen
mit dem „British Book Award“ ausgezeichnet.
Wie mit Röntgenaugen bohrt sich der Erzählerblick in die Wohnungen
der Straße, in der sich besagtes Ereignis zutrug. Die Geschichten der
Anwohner verweben sich, Menschen begegnen sich. Jede Macke, jedes vergangene
und lieber verborgen gehaltene Erlebnis wird hervorgeholt und betrachtet. Nicht
aufdringlich, im Gegenteil, sehr leise und eindringlich. Eine ganze Zeit lang
ist man versucht zu glauben, der Ich-Erzähler sei männlich. Doch in
der Mitte des Buches ist er schwanger, also weiblich. Reingefallen: Autor nicht
gleich Ich-Erzähler. Und nicht die einzige Überraschung in dem Buch.
„Nach dem Regen“, aus dem Englischen von Caroline Burger übersetzt,
baut seine Spannung auch dadurch auf, dass nicht klar ist, welche dieser Figuren
am Ende selbst nur Beobachter bleibt und wer Akteur sein wird. Scheinbar ist
jeder in das sich anbahnende, unabwendbare Schicksal verwickelt. Und nahezu
jede Biografie hat einen Bruch. Nur: Der Zufall wählt seine Protagonisten
nicht nach moralischen Maßstäben aus. „Es passieren ständig
bemerkenswerte Dinge, direkt vor unseren Augen, aber unsere Augen sind, als
wären Wolken vor der Sonne, und unser Leben ist blasser und ärmer,
wenn wir sie nicht als das erkennen, was sie wirklich sind.“
Letztlich ist „Nach dem Regen“ eine Hommage an den ganz normalen
Alltag, in dem viele große Momente versteckt sind. Kein Roman für
Ungeduldige, aber eine Bereicherung für alle, die Intensität gern
aushalten!
Autorenportrait:
Jon McGregor wurde 1976 in Bermuda (GB) geboren. Er wuchs in Norfolk (GB) auf
und lebt nun in Nottingham. „If nobody speaks of remarkable things”
(„Nach dem Regen“) ist sein erster Roman. Er entstand im Laufe von
zwei Jahren auf einem Hausboot. 2002 gelangte er damit als einziger Debütant
auf die „Booker Prize Longlist“, im Jahr darauf erhielt er den „Somerset
Maugham Award“ und 2004 in der Kategorie Best Newcomer den „British
Book Award“.
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