Mythos Pferd
Geschichten und Legenden von der Antike bis heute
(flk).
Ein jeder hat sein Steckenpferd, und bei manch einem ist dies nicht die Modelleisenbahn
oder der Kegelclub, sondern eben der edle Schimmel oder Rappen selbst. Das Thema
Pferd weckt bei jedem Menschen andere Assoziationen: Mal sind es die edlen Ritter
der Tafelrunde auf ihren Rössern, die tapferen Streiter für die gute
Sache aus Karl Mays „Winnetou“-Filmen oder die lässigen Cowboys
aus der Kinowerbung. So viele unterschiedliche Facetten sind es auch, die Veronika
Straaß und Claus-Peter Lieckfeld in ihrem überaus gelungenen Sachbuch
„Mythos Pferd“ beleuchten.
In acht Hauptkapitel haben sie ihr Werk gegliedert, angefangen bei den Vorfahren
unserer heutigen Reittiere, den Urpferdchen, bis hin zu den ersten Anzeichen
der „Obsessionis equitanae“ genannten Pferdeverrücktheit
junger Mädchen, die im übermäßigen Konsum von Pferdebüchern
ihren Ausdruck findet. „Mythos Pferd“ will keine allgemeingültige
Antwort auf die andauernde Faszination der Menschen für die großen
Vierbeiner geben, dafür ist das Thema einfach zu komplex. Was es aber will,
ist den Leser auf eine faszinierende Reise mitzunehmen, die das Verhältnis
des Menschen zu den mal als Partner mal als Nutztier betrachteten Tieren näher
beleuchtet.
Was „Mythos Pferd“ auszeichnet, ist seine Detailfülle und Vielschichtigkeit
an Informationen, die sich durch die geschickte Einordnung in die verschiedenen
Kapitel auch der nicht so kundige Leser schnell erschließen kann. Ebenso
gelungen ist die Auswahl der zahlreichen Abbildungen, wie Fotos antiker Statuen
und mittelalterlicher Kupferstiche, die den Leser sowohl emotional ansprechen,
– etwa wenn eine Herde Pferde durch eine unberührte Winterlandschaft
tobt – die aber auch durch ihre sehr informativen Bilderläuterungen
glänzen. Viele Abdrucke alter Zeichnungen und Radierungen zeigen zudem
die historischen Dimensionen der Beziehung zwischen Mensch und Pferd, man denke
dabei nur an das berühmte Gemälde, das Napoleon auf seinem Schimmel
vor der Schlachtkulisse zeigt.
Die Autoren Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld widmen dem Thema
„Pferde im Krieg“ auch eines der eindrucksvollsten Kapitel des ganzen
Buches. Angefangen bei den Streitwagen der Antike, lässt es zwei Jahrtausende
Geschichte der Kavallerie Revue passieren und endet mit Schwarzweiß-Aufnahmen
durch Gasmasken geschützter Frontpferde in den Schlachten des Ersten Weltkrieges
und dem dramatischen Bild eines Soldaten, der an seinem verendenden „Kameraden“
wacht.
„Mythos Pferd“ ist ein eindrucksvoller und vor allem informativer
Band, der durch seine Ausgewogenheit zwischen Informationsvermittlung und emotionaler
Fesselung besticht. Das Werk bietet eine Fülle an Faktenwissen über
Pferde selbst, aber auch ihre Beziehung zum Menschen und ist somit nicht nur
für ausgewiesene Pferdenarren zu empfehlen!
Autorenportrait:
Veronika Straaß, Diplombiologin, Wissenschaftsjournalistin und langjährige
Reiterin, hat viele Sachbücher und Publikationen zu Umweltthemen, Ökologie
und Tierverhalten geschrieben. Als Redakteurin war sie drei Jahre lang für
eine Umweltzeitschrift verantwortlich. Sie ist außerdem Autorin des Buches
„Mythos Berge“.
Claus-Peter Lieckfeld, Co-Autor und Ehemann, ist seit Anfang der 1980er für
diverse Magazine (u.a. „GEO“, „Merian“ und „mare“)
überwiegend als Spezialist für Tiere/Pflanzen/Natur tätig.
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