Mythos Berge
Götter, Gipfel und Geschichten
(law).
Nirgends auf Erden ist man dem Himmel so nah wie auf den Gipfeln der Berge.
Dieser Gedanke fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden und schlägt sich
in unzähligen Sagen und Mythen nieder. Sitz der Götter, Heimat der
Zwerge, Revier des Yetis – die mächtigsten und merkwürdigsten
Wesen hielten jahrhundertelang auch den mutigsten Forscher von den Felsgiganten
fern. Inzwischen ist die Furcht gewichen und Bergsteigen zum Massenphänomen
geworden, doch der Blick hinab auf die Welt hat noch immer etwas Göttliches.
Diesem Gefühl sind Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld in ihrem
Buch „Mythos Berge – Götter, Gipfel und Geschichten“
nachgegangen und haben bergeweise Lesestoff für den Leser gesammelt, der
hoch hinaus will. In zehn Kapiteln geht es hauptsächlich um die sichtbare,
aber auch um die unsichtbare Faszination der Bergwelt: Das Kapitel „Berggeister
und Mythenberge“ erzählt schaurig-schöne Sagen und Märchen
aus den Hochregionen. Ansonsten geht es aber ganz real zu, und die beiden Autoren
liefern eine breite Palette an Themen, die über die Kompetenzen eines durchschnittlichen
Bergführers mit Rauschebart und Jodeldiplom weit hinausgehen.
Wie entstehen Berge geologisch überhaupt? Wer waren die ersten Bergsteiger?
Wie überleben Menschen dauerhaft in großen Höhen? Welche einzigartigen
Tiere und Pflanzen gibt es dort zu bewundern? Welche Möglichkeiten, aber
auch Gefahren bringt das Bergsteigen heute mit sich? Wie wurden Berge in Kunst
und Literatur verewigt? Dies ist nur eine Auswahl der Fragen, mit denen sich
das Buch „Mythos Berge – Götter, Gipfel und Geschichten“
auseinandersetzt.
Die Texte haben dabei eine ganz eigene Note – Veronika Straaß und
Claus-Peter Lieckfeld erzählen mit viel Sprachgefühl und einem Wortreichtum,
der selbst die trockensten Fakten lebendig macht. „Gebirgsbildung
ist im Grunde nichts anderes als ein gigantischer Auffahrunfall. Und was wir
als atemberaubende Gebirgswelten wahrnehmen, ist die Knautschzone“,
erzählen sie beispielweise zur Verschiebung der Erdplatten. Witzigen Passagen
wie diesen merkt man die Leidenschaft an, die die Autoren mit den Bergen verbindet.
Manches ist jedoch zu euphorisch geraten und anstrengend zu lesen, etwa wenn
Einträge in Berggipfel-Gästebüchern als „Talmi der
Lyrismen“ bezeichnet werden und Philosophen angeblich beim Bergsteigen
„den Extrakt des Menschseins in der Direttissima“ suchen
– aha. Schon in der Einleitung werden Einsteins Relativitätstheorie
und Nietzsches „Zarathustra“ zu ziemlich waghalsigen Vergleichen
herangezogen. So viel Umstand wäre gar nicht nötig, um den Leser restlos
vom „Mythos Berge“ zu überzeugen, denn die über 100 prächtigen
Fotografien und historische Abbildungen, die spannenden Themen und witzigen
Anekdoten tun bereits ihr Übriges.
„Mythos Berge – Götter, Gipfel und Geschichten“ ist ein
Buch wie der Mount Everest – manchmal schwer zu besteigen, aber letztendlich
einsame Spitze!
Autorenportrait:
Veronika Straaß ist Diplom-Biologin, Übersetzerin sowie Autorin vieler
Fach- und Naturbücher. Sie ist außerdem Autorin des Buches „Mythos
Pferd“.
Claus-Peter Lieckfeld ist Buchautor und Journalist. Er schreibt unter anderem
für das Fernsehen, für „GEO“, „Die Zeit“,
„Terra“ und „Merian“. Er ist außerdem Autor des
Buches „Mythos Meer“.
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