Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns
Herrlich böser Reiseführer über ein Land, das es nicht gibt
(dsz).
Der Jetlag-Reiseführer „Molwanîen“ unterscheidet sich
nicht sonderlich von anderen Reiseführern. Hauptstadt und Gegenden des
kleinen osteuropäischen Landes werden vorgestellt; Restaurants und Hotels
in verschiedenen Preisklassen präsentiert. Landkarten, Fotos und Zeichnungen
von historischen Persönlichkeiten vervollständigen den Eindruck dieses
Landes der Gegensätze, das sich „von den felsigen, größtenteils
unfruchtbaren Bergen bis zu den felsigen, größtenteils unfruchtbaren
Ebenen“ erstreckt. Die Autoren Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob
Sitch haben alles Nützliche und Brauchbare in diesem Führer festgehalten;
besonderer Wert kann auf die Tipps gelegt werden, die sie in ihre präzise
recherchierten Informationen einfließen lassen.
So sei beispielsweise zu beachten, dass ein Glas molwanîsches Leitungswasser 80% des Jahresbedarfs einer Person an Spurenelementen und Kolibakterien deckt. Auch die Weine des Landes haben es in sich: Mit einem Alkoholgehalt von 15-18% sind sie den Bieren um Längen überlegen. „Bier ist etwas leichter (5-6%), aber es gibt ja auch das jeweilige örtliche Mineralwasser (3,5%).“ Zur Verdauung hingegen wird eine Tasse „tzerca“ empfohlen: „Ein regionaler Kräutertee mit bemerkenswerten medizinischen Eigenschaften – er führt zum Erbrechen.“
Die Molwanîer an sich sind, wie allgemein bekannt, ein liebenswerter Volksstamm, der alte Traditionen pflegt. „In vielen Dörfern dieser Gegend ist es nicht ungewöhnlich, dass ältere Frauen einen bei den Ohren fassen und einem dreimal ins Gesicht spucken, angeblich ein Schutz gegen böse Geister. Es schützt jedoch nicht gegen Tuberkulose, und angemessene medizinische Vorkehrungen sind anzuraten.“
„Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“, das im Originaltitel „A Land Untouched by Modern Dentistry“ heißt und von Gisbert Haefs aus dem australischen Englisch übersetzt wurde, ist der komischste Reiseführer, den je ein Urlauber gesehen hat. Denn Molwanîen gibt es gar nicht! Die bitterbösen Beschreibungen dieses fiktiven Landes sind, ebenso wie die dazugehörigen Fotos, von einem schwarzen Humor geprägt, der dem Leser von Anfang an ein „schadhaftes Lächeln“ ins Gesicht malt. Alle bekannten Stereotypen werden konsequent verfolgt – und die Grundlagen der Geschichte Europas werden ironisch verzerrt wiedergegeben. Molwanîen ist ein Land, das alle Vorurteile in sich vereint und stellt genau das Urlaubsziel dar, an dem niemand gern die Ferien verbringen möchte.
Abgerundet wird der Eindruck von Molwanîen durch die Illustrationen und Karten, die dem Design von Trasha Garner und Kim Roberts entstammen. Wie in jedem anderen Reiseführer auch sind Stadt- und Landkarten zu finden, in denen die wichtigsten Denkmäler und Sehenswürdigkeiten eines jeden Ortes eingezeichnet sind – welche sich zumeist auf den Großen Platz mit dem Rathaus und ein Museum beschränken; denn in den Städten dieses Landes gibt es leider nicht besonders viel zu sehen. Die realen Fotos sind passend in den Text eingegliedert und lassen dem Leser wegen ihrer überaus sarkastischen Bildunterschriften hin und wieder das Lächeln im Gesicht gefrieren. Die bissigen Bemerkungen zu den zusammengestellten Fotos, die offensichtlich zumeist osteuropäischen Ländern entstammen, sind derart böse, dass sich der Kauf des Reiseführers „Molwanîen“ schon allein deshalb lohnt.
Politische Unkorrektheit sowie Respektlosigkeit gegenüber unseren osteuropäischen Nachbarn könnte den Autoren schon vorgeworfen werden. Doch gerade die aus den gesammelten Vorurteilen und Übertreibungen resultierende Frechheit ist es, welche die Komik dieses Buches ausmacht. „Bitte beachten Sie, dass man in Molwanîen auf der rechten Seite fährt, wiewohl diese Regel um Weihnachten und an staatlichen Feiertagen ein wenig aufgeweicht wird.“
Der außergewöhnliche Jetlag-Reiseführer wurde, als Parodie auf übliche Reisehandbücher, erstmals in Australien veröffentlicht; nun tritt „Molwanîen“ seinen Siegeszug auch hierzulande an. „Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“ informiert den Leser in der für Reiseführer üblichen Manier über Land, Leute, Sitten und Gebräuche. Das eigenartige Fleckchen Erde, das von der UNESCO wegen der „grandiosen Monotonie“ zum Weltkulturerbe ernannt wurde, macht neugierig und weckt die Reiselust. Allerdings nicht unbedingt die Lust, nach Molwanîen zu reisen.
„Molwanîen – Land des schadhaften Lächelns“ ist der ideale Reisebegleiter für jeden Nicht-Reisenden, der sich bei der Lektüre daran erinnert, wie schön doch Urlaub auf Balkonien sein kann. Und falls es doch weiter weg gehen sollte: „Molwanîen“ ist ab jetzt ein echter Insider-Tipp!
Autorenportrait:
Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob Sitch sind Mitglieder der australischen
Comedy-Truppe „Working Dog“, die mit ihrer wöchentlichen Show
„The Panel“ und vielen anderen TV- und Radioproduktionen hinter
„AC/DC“ und Russell Crowe die erfolgreichsten Entertainer des Landes
sind. Von ihnen stammt auch das Buch „Phaic
Tan – Land des krampfhaften Lächelns“.
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