Meine Jazz-Odyssee

Die Autobiografie von Oscar Peterson

Meine Jazz-Odyssee(akg). Sollte man den unnachahmlichen Komponisten und Pianisten Oscar Peterson beschreiben, so wäre wahrscheinlich der Begriff eines Tausendsassas angebracht: Die spätere Jazzlegende ließ sich schon als Kind nicht aus der Ruhe bringen, sondern vertraute ausnahmslos auf sein einwandfreies Gehör. Statt wie seine ältere Schwester monatelang auf eine Aufnahmeprüfung am Musikkonservatorium hinzuarbeiten, fragte er bei der entscheidenden Prüfung einfach, ob er nicht statt der vorgegebenen Noten seine Interpretation eines bestimmten Stückes spielen dürfe. Er durfte und wurde genommen. Seine Schwester fiel durch.

Doch auch ein einwandfreies Gehör verhilft nicht ausschließlich zu einer so beispiellosen Musikerkarriere, wie Oscar Peterson sie erlebte. Die ursprünglich aus Westindien stammenden Eltern widmeten sich früh der musikalischen Erziehung ihrer fünf Kinder und gingen dabei mit einer unnachgiebigen Strenge vor. Sie waren fest entschlossen, es in ihrer neuen Heimat, dem frankophonen Kanada, zu etwas zu bringen und lehrten ihre Kinder, dass man dabei immer besser sein müsse als die Einheimischen. Ein Ratschlag, den ihr 1925 drittgeborenes Kind Oscar sein Leben lang befolgte. Unermüdlich arbeitete er an seiner Jazzkarriere, nahm meilenweite Strecken in einem Tourneebus sowie drei gescheiterte Ehen in Kauf und kam auf diesem Wege seinem Ziel immer näher: Der Vervollkommnung seines Jazz mit Hilfe wechselnder Trios und Quartette.

„Meine Jazz-Odyssee“ ist entgegen seinem Titel nicht von Irrwegen gezeichnet, sondern liest sich wie eine erfolgreiche Lebensgeschichte in der einzigartigen Welt des Jazz. In vertraulichem Ton schildert Oscar Peterson zusammen mit Co-Autor Richard Palmer seine Erlebnisse mit Jazzlegenden von Ella Fitzgerald bis zu Charlie Parker und erweckt dadurch den Eindruck, er säße einem direkt gegenüber. Anekdoten von Furzkissen in Fahrstühlen und geküssten Glatzen werden ausgeplaudert, und man liest die Freude aus den Zeilen, die Oscar Peterson dabei hatte, in seinen Erinnerungen zu schwelgen. Den ausschließlich musikalischen allerdings. Privates, wie den Grund seiner gescheiterten Ehen, die Beziehung zu seinen Familienmitgliedern sowie das Ausmaß der Rassentrennung, der er als Schwarzer während seiner Tourneen ausgesetzt war, wird fast vollständig ausgeklammert. Einzig die Schlusskapitel in dem mit Schwarzweißbildern illustrierten Werk geben einen Einblick in das Privatleben des großartigen Jazzpianisten und -komponisten preis – und lassen dadurch erahnen, welche Priorität die Musik in seinem Leben hatte. Für weniger bewanderte Jazzkenner ist „Meine Jazz-Odyssee“ mit all seinen Namen und speziellen Begriffen daher manchmal etwas schwierig, wahre Jazzliebhaber dürften jedoch voll und ganz auf ihre Kosten kommen!

Die aus dem Englischen von Henning Dedekind hervorragend und mit hilfreichen Anmerkungen übersetzte Autobiografie von Oscar Peterson ist dabei mehr als eine persönliche Lebensgeschichte. Vielmehr gerät sie „zu einem klug komponierten Plädoyer für die Jazzwelt und für die Jazz People, deren Kunst endlich die Beachtung finden sollte, die ihnen gebührt!

Autorenportrait:

Oscar Peterson wurde 1925 in Montreal, Kanada, als Sohn karibischer Einwanderer geboren. Mit 20 nahm er seine ersten Platten für RCA auf; in den 1950ern machte er Karriere als brillanter Begleitpianist der Konzertserie „Jazz at the Philharmonics“ von Norman Granz sowie bei unzähligen Aufnahmesessions. Er spielte mit nahezu allen Jazz-Größen – von Louis Armstrong über Dizzie Gillespie bis hin zu Charlie Parker.

Richard Palmer, Co-Autor, ist Professor in Cambridge und war sein Leben lang Jazz-Fan. Neben seiner Mitarbeit am „Jazz Journal International“ schrieb er zahlreiche Bücher, unter anderem über Oscar Peterson, Stan Getz und Sonny Rollins.

Meine Jazz-Odyssee

Oscar Peterson mit Richard Palmer

Meine Jazz-Odyssee

Die Autobiografie

Aus dem Englischen von Henning Dedekind

Hannibal Verlag, Höfen

ISBN 3-85445-234-9

368 Seiten, mit 11 s/w-Fotos, Halbleinen gebunden mit Schutzumschlag, Format 24 x 15,5 cm.

Unverbindliche Preisangabe: € 25,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 43,90

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