Lillys Tanz
Ein Roman aus der Welt des Balletts
(mkb).
„Lillys Tanz“ von Christine Heimlich erzählt die Geschichte
der kleinen Lilly, die beim Opernbesuch von Humperdincks „Hänsel
und Gretel“ zum ersten Mal mit dem Tanz in Berührung kommt. Fortan
träumt Lilly davon, selbst einmal Pirouetten über die Bühnenbretter
drehen zu dürfen, im aufbrausenden Applaus ihr Dasein zu bestreiten. Für
die Erfüllung ihres Traumes trainiert sie hart, und der Erfolg bleibt nicht
aus – aber der Preis, den sie dafür bezahlen muss, ist hoch. Davongetragen
auf der Wolke ihres eigenen Ruhmes, verliert sie selbst den Boden unter den
Füßen und hätte dabei um ein Haar ihre Liebe verloren.
Hitler breitet unterdessen seine grausamen Schwinger aus und verdunkelt Europa,
mit ihm stirbt nach und nach Freude, Kultur und Zuversicht. Als Lilly heiratet,
scheint dennoch alles perfekt – hätte nicht Russland den freien Geist
ihres Mannes gebrochen und ihre Liebe auf die Probe gestellt. Verletzt wendet
sie sich ab, einer neuen Beziehung zu, tanzt sich in Italien in die Herzen der
Italiener und muss mit Kriegsende erfahren, dass sie die letzten Jahre mit einem
Gauner verbracht hat. Während dieser zu vielen Jahren Gefängnis verurteilt
wird, nimmt Lilly ihre Karriere wieder auf und hofft auf ein neues Leben –
als das alte Leben wieder in ihre Gegenwart tritt.
Die Geschichte „Lillys Tanz“ hätte Potenzial, nur versäumte
Christine Heimlich den Protagonisten Leben einzuhauchen. So plätschert
die Story dahin, scheint phasenweise eine unmotivierte Aneinanderreihung einzelner
Begebenheiten. Trotz der teilweisen Tragik des Romans, trotz der vielen Widrigkeiten,
denen Lilly ausgesetzt ist, baut sich kein lebensnaher Konflikt auf, wirkt die
beschriebene Dramatik eher wie ein Auszug aus einem Kinderaufsatz. Auf diese
Art und Weise baut sich leider kein Spannungsbogen auf, fällt es schwer,
sich in die Rolle der Hauptperson hineinzulesen. Wirklich sehr schade! Da jedoch
die Autorin selbst über einen tänzerischen Hintergrund verfügt,
wirft das Buch einen Blick hinter die Kulissen, bekommt man eine Kostprobe davon,
was es bedeuten mag, sich berühmt zu tanzen.
Nichtsdestotrotz liest sich das Büchlein „Lillys Tanz“ leicht
und mag für Ballettinteressierte durchaus lesenswert sein.
Autorenportrait:
Christina Heimlich, als junge Tänzerin unter dem Namen Christina Ohlsen
bekannt, wurde 1948 mit ihrer Sendung am Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS)
als „die Stimme Berlins“ berühmt. 1951 heiratete sie den amerikanischen
Oberst William F. Heimlich und folgte ihm in die USA. 1962 gründete sie
ihre Ballettakademie in Falls Church, Virginia, einem Vorort von Washington
D.C., welche sie noch heute leitet.
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