Leb wohl, lieber Dachs

Ein Abschied für immer

Leb wohl, lieber Dachs(pr/sl). Der Tod nimmt uns einen geliebten Menschen, aber niemals die Erinnerung an diesen. Mit diesem Satz lässt sich die Intention des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Autorin Susan Varley auf den Punkt bringen. Mit ihrem Buch für Kinder ab fünf Jahren beschreibt sie für die Jüngsten, was der Tod bedeutet und wie Hinterbliebene ihre Trauer zum Ausdruck bringen können.

Der alte Dachs wusste bereits, dass der Tod ihn bald besuchen würde, doch Angst vor diesem hatte er keine. „Sterben bedeutete nur, dass er seinen Körper zurückließ.“ Mit diesen wenigen Worten beschreibt die Kinderbuchautorin das Ende eines Lebens. Dass der Tod sich nicht immer durch Schmerzen und Grausamkeit auszeichnet, macht Susan Varley dadurch deutlich, dass der Dachs im Schlaf aus dem Leben scheidet und den Übergang vom Leben in den Tod als Traum erlebt. Er träumt von dem legendären Gang durch einen langen Tunnel, an deren Ende er sich frei und gestärkt fühlt, so dass der Leser annehmen könnte, dass der Tod durchaus positive Auswirkungen auf den Sterbenden hat und die Urangst des Menschen unbegründet ist.

Doch was kommt nach diesem Abschied für immer? Wie kommen die Trauernden mit dem Verlust zurecht? Auch diese Fragen werden in dem Bilderbuch „Leb wohl, lieber Dachs“, aus dem Englischen von Ingrid Weixelbaumer übersetzt, beantwortet. Die Freunde des verstorbenen Dachses sind zunächst untröstlich und wissen gar nicht, wie sie ohne ihren geliebten und stets hilfsbereiten Freund ihr Leben meistern sollen. Erst die gemeinsamen Gespräche über das, was sie mit dem Dachs erlebten, und die Erinnerungen an diesen lassen sie das Trauergefühl überwinden.

Das Bilderbuch, das sich sehr sensibel den Themen Sterben, Tod und Trauer nähert, ist ein erster Versuch, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen. Die Fabel klärt sie darüber auf, wie wichtig es ist, über die scheinbar dunklen Seiten im Leben zu sprechen und welche Kraft Erinnerungen besitzen. Autorin Susan Varley, die für dieses Buch auch als Illustratorin tätig war, steckt sehr viel Gefühl in ihre Geschichte und lässt ausdrucksstarke Bilder sprechen, die sich ebenfalls mit der Vergänglichkeit des Lebens auseinandersetzen. Bilder von den verschiedenen Jahreszeiten bringen somit beispielsweise zum Ausdruck, dass nach einem kalten Winter ein warmer Sommer kommt, der wieder Licht in alle Herzen bringt. Die Abbildungen, die mit zarten Pastelltönen und warmen Erdfarben die Thematik untermalen, erinnern übrigens sehr stark an Ernest H. Shepards original Illustrationen zu „Pu der Bär“.

Es gibt heutzutage kaum ein Kind, das nicht schon den Verlust eines geliebten Menschen zu beklagen hatte – egal, ob es sich dabei um einen Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder auch Freund gehandelt hat. Mit dem Bilderbuch „Leb wohl, lieber Dachs“, das mit dem Wilhelm-Hauff-Preis ausgezeichnet wurde, haben Eltern, die oftmals selbst nicht wissen, wie sie mit dem Tod beziehungsweise der Trauer umgehen sollen, die Möglichkeit, ihre Kinder mit dieser heiklen Thematik vertraut zu machen!

Leb wohl, lieber Dachs

Susan Varley
Leb wohl, lieber Dachs
Aus dem Englischen von Ingrid Weixelbaumer
Annette Betz Verlag, Wien
ISBN 978-3-219-10283-3
21. Auflage 2006, 24 Seiten, durchgehend farbig illustriert, Hardcover gebunden, Querformat.
Unverbindliche Preisangabe: € 12,95 (D) / € 12,95 (A) / sFr 22,90

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