Im Rausch der Stille
Ein abenteuerlicher Roman über die Sinnlosigkeit von Gewalt
(mag).
Der Roman „Im Rausch der Stille“ von Albert Sánchez Piñol
beginnt mit einer Schiffsreise: Der namenlose Ich-Erzähler ist ein irischer
Freiheitskämpfer, der vor der sinnlosen nicht enden wollenden Gewaltspirale
in seiner Heimat in die Einsamkeit der Antarktis flüchtet. Auf der einsamen
Insel, auf der es nur einen Leuchtturm und eine Wetterstation gibt, möchte
der Meteorologe, fernab von allen Menschen, Frieden finden. Doch die friedliche
Einsamkeit der Insel trügt. Sobald es dunkel ist, wird das Wetterhäuschen
von unheimlichen, aus dem Meer entstiegenen Lebewesen angegriffen. Der Ich-Erzähler
kann sein Leben nur mit Mühe und Not retten. Schnell begreift er, dass
er ohne die Hilfe des Leuchtturmwärters auf dieser Insel den Angriffen
der froschähnlichen Ungeheuer nicht standhalten kann. Die beiden Männer
bilden eine Notgemeinschaft und bekämpfen gemeinsam wochenlang jede Nacht
die aggressiven Angreifer.
Während eines Tauchgangs, bei dem Dynamit aus einem gestrandeten Schiff
geborgen werden soll, trifft der Mann auf die unter Wasser lebenden Kinder der
Angreifer. Die Kinder sind jedoch nicht aggressiv, sondern interessieren sich
neugierig für den Eindringling. Dieses Erlebnis wird zum Wendepunkt in
der Geschichte. Der Ich-Erzähler fängt an, die Angreifer mit anderen
Augen zu sehen. Es sieht in ihnen nicht mehr nur die seelenlosen wilden Ungeheuer,
sondern erkennt in ihrem Verhalten vertraute Muster. Er versucht, ihr Verhalten
zu verstehen und stellte seine eigenen Handlungen immer mehr in Frage. Er weiß,
dass der Kampf um den Leuchtturm von den beiden Männern nicht gewonnen
werden kann, und sucht nach einer Möglichkeit den eigenen Tod zu verhindern.
Die Geschichte „Im Rausch der Stille“ bricht mit einer Wucht auf
den Leser ein, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Man ist noch gar nicht ganz
auf der unwirtlichen Insel angekommen, da befindet man sich schon mitten in
einem Kampf um Leben und Tod. Albert Sánchez Piñol gönnt
dem Leser kaum eine Verschnaufpause und taumelt mit ihm von einem Ereignis zum
nächsten. Die körperlichen Anstrengungen des Ich-Erzählers beschreibt
er so eindrücklich, dass der Leser sie fast selbst empfindet. Die eindringlichen
Beschreibungen der Charaktere, der handelnden Personen und deren Veränderungen
durch das Leben auf der Insel sind gut nachvollziehbar. Die froschähnlichen
Lebewesen, die aus dem Meer steigen und den Männern nachts das Leben zur
Hölle machen, geben der Geschichte etwas irreales und fantastisches. Gerade
durch diese Entfremdung wird die Aussage des Buches umso eindrücklicher:
Es ist nicht möglich Gewalt mit Gegengewalt zu besiegen. „Wir
ähneln denen, die wir hassen, mehr als wir denken.“ Man muss
aufeinander zugehen und versuchen den anderen zu verstehen. Diese Weisheiten
sind nicht neu, Albert Sánchez Piñol verpackt sie aber in eine
außergewöhnlich mitreißenden Geschichte, die zugleich abenteuerlich
und poetisch ist.
Der wortgewaltige Roman „Im Rausch der Stille“ ist einer gut lesbaren
Sprache geschrieben, dies ist auch ein Verdienst der Übersetzerin Angelika
Maass, die das Buch aus dem Katalanischen übertragen hat. Der Verlag hat
das schön gestaltete Buch mit einem Lesebändchen ausgestattet. Es
ist immer wieder erfreulich, wenn Verlage dem Leser diesen kleinen Luxus gönnen,
in diesem Fall ist es jedoch fast zu viel des Guten – der Roman „Im
Rausch der Stille“ ist so spannend, dass der gefesselte Leser das Buch
eigentlich gar nicht aus der Hand legen möchte.
„Im Rausch der Stille“ ist ein wortgewaltiger phantastischer Roman,
der auf höchst unterhaltsame Art, dem Leser die Sinnlosigkeit von Gewalt
demonstriert.
Autorenportrait:
Albert Sánchez Piñol wurde 1965 in Barcelona geboren. Er ist Anthropologe.
„Im Rausch der Stille“ ist sein erster Roman, für den er 2003
den „Ojo critico de narrativa“-Preis erhalten hat.
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