Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe

Töchter erleben den Tod ihrer Mutter

Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe(emk). „Trauer ist manchmal so laut, / daß der Himmel fast einstürzt, / Kummer manchmal so still, / niemand weiß wie tief er geht, / ertragen und niemals geäußert…“. – Schlägt man das von Rosa Ainley herausgegebene Buch zuerst an dieser Stelle auf, wird man es weiterlesen.

Es gibt in „Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe“ noch mehr einfühlsame und poetische, aber auch ironische, traurige oder anklagende Geschichten und Gedichte. Es sind sehr persönliche Beiträge, sensibel aus dem Englischen übersetzt von Annette Charpentier.

Der deutsche Untertitel „Töchter erleben den Tod ihrer Mutter“ lässt vermuten, dass es sich hier um Tatsachenberichte handelt, es sind jedoch literarisch kunstvoll ausgefeilte Essays von 31, im deutschen Sprachraum relativ unbekannten Autorinnen. „Daughter’s Stories“, so der Untertitel im Original, wäre zutreffender gewesen. Der Buchtitel „Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe“ wird hoffentlich nicht einige Töchter davon abhalten, das Buch zu lesen, weil er sofort das berühmte schlechte Gewissen macht. – Das wäre aber sehr schade!

„Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe“ ist ein Zitat aus einem der vielen Briefe, Tagebuchblätter, Gedichten und Erzählungen, die die Herausgeberin Rosa Ainley nach ihrem Aufruf in einer Zeitung zugesandt bekam und die sie, wie sie in ihrer Einleitung schreibt, nicht alle in ihre Sammlung aufnehmen konnte. – Wer aber sind diese Schreiberinnen? Man vermisst ein Verzeichnis und hätte auch gern etwas über deren Biografie erfahren.

In „Wo ist Ma?“ beschreibt Gail Chester auf rührende Weise die letzten Lebensjahre ihrer an Alzheimer erkrankten Muter und ihre Versuche, die Konversation mit ihr auf ehrliche Weise fortzusetzen. „…als sie starb, gab es zwischen uns keine unerledigten Angelegenheiten. Ich habe mich nicht verpflichtet gefühlt, neben Trauer und Verlustgefühlen auch noch Schuldbewusstsein und Wut auf mich zu laden.

In einer Kultur, die uns beibringt, den Tod zu ignorieren, kann „Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe“ Trost und Bestätigung eigener Erfahrungen sein. Sehr lesenswert!

Herausgeberportrait:
Rosa Ainley ist Autorin, Herausgeberin und Fotografin. Sie schreibt für zahlreiche englische Zeitungen und Zeitschriften. Sie lebt im Londoner East End.

Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe

Rosa Ainley (Hrsg.)
Ich hab’ ihr nie gesagt, daß ich sie liebe
Töchter erleben den Tod ihrer Mutter
Aus dem Englischen von Annette Charpentier
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
ISBN 3-423-34150-5
Deutsche Erstausgabe, 4. Auflage 2004, 252 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 9.- (D) / € 9,30 (A) / sFr 16.-

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